Weltwirtschaft vor Machtwechsel ?
Montag Januar 14th 2008, 6:52 pm
Abgelegt unter: Finanzen und Wirtschaft, Kapital

Das Jahr 2007 verlief ganz nach der Vorstellung der Anleger.

An vielen Aktienmärkten der Industriestaaten und der Emerging Markets wurden neue Rekordstände erreicht. Rohstoff-Händler freuten sich ebenfalls über Rekordpreise.

2007 gab es aber auch erschreckende Neuigkeiten aus dem Westen.

Die Immobilienblase der USA - Treibstoff des dortigen Konsums und Rückgrat der Weltkonjunktur – platzt mit lautem Trara. Was zunächst die Märkte unter dem kryptischen Namen „Subprime-Krise“ verwirrte, droht nun in eine weltweite klassische Bankenkrise auszuarten.

Die Schätzungen der Verluste an Banken-Eigenkapital reichen von US$200 bis US$650 Milliarden. Die Kreditvergabefähigkeit sinkt dadurch um den Faktor 20, also 2 bis 6 Billionen, da Banken für 1 $ Eigenkapital etwa $10 Kredit vergeben dürfen.

Dies dominiert die Schlagzeilen im Westen. Die wirklich große News ist aber: Machtwechsel!

Sie werden in diesen Monaten Zeugen eines historischen Geschehens. Das Zepter der Weltwirtschaft wandert vom Westen in den Osten.

Dieser Trend ist unumkehrbar. Er wird sich weiter verstärken. Er ist anhand tausender Daten belegbar. Es ist soweit! In den kommenden Jahren wird dies auch vom „kleinen Mann“ auf den Straßen von Dallas bis Düsseldorf als Selbstverständlichkeit akzeptiert werden.

Schauen Sie sich noch einmal (je nach Neigung voller Sehnsucht oder Ablehnung) Ur-Opas Weltatlas an. Damals kamen Jutesäcke aus Britisch-Indien und Kokosnüsse aus Frz.-Indochina. Der „Weiße Mann“ beherrschte die Welt und dominierte unangefochten Wirtschaft und Wissenschaft. Und noch vor ein paar Jahren sah man die Asienkrise als Ende der Tigerstaaten an. Der US-Dollar war Trumpf. Bücher, die „Das Ende der Geschichte“ und die USA als ewig einzigen Welt-Hegemon verkündeten, waren Weltbestseller.

Heute kämpfen die größten und reichsten Banken von Zürich bis zur Wall Street ums Überleben.

Sie müssen bei den Staatsfonds der Emirate, Chinas und Singapurs um Rettungsgelder betteln. Morgan Stanley, UBS, Citigroup, Merrill Lynch, Bear Stearns haben bereits solche Kapitalspritzen erhalten – in 2008 werden wir noch mehr davon sehen.

Das allerdings ist nur der Schaum auf einer der vielen Wellen, die auf uns zurollen. Die Welle der feindlichen Übernahmen durch Konzerne aus den Schwellenländern ist noch größer.

Frau Merkel plant bereits Gesetze, die uns vor Investitionen aus ausländischer Unternehmen schützen sollen.

Noch vor drei Jahren hätte man solche Nachrichten eher utopischen Groschenromanen zugeordnet. Nun aber werden die Staatsfonds und Großkonzerne aus den Emerging Markets viele Billionen Dollar in Aktien westlicher Firmen ließen lassen – und Eigenkapital bedeutet Macht. Schon heute kontrolliert der Inder Lakschmi Mittal die Stahlindustrie. Asiaten und Latinos haben Bill Gates und Warren Buffett die ersten Plätze in der Reichen-Hit-parade abgerungen.

Nun wird mit den Banken das zentrale Nervensystem der Weltwirtschaft übernommen. Weitere Branchen werden folgen – und irgendwann ist auch die deutsche Auto- und Maschinenbauindustrie an der Reihe.

Wer weis: Vielleicht dürfen Ihre Enkel ab 2040 im „Alpen Safari Club“ den reichen Touristen aus Shanghai oder Mumbai den Schuhplattler vortanzen – zumindest dann, wenn Opa und Oma nicht rechtzeitig mit Asien-Investments vorgesorgt haben.


Quelle: emfis




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