Vorsicht - genau hinsehen: Vermögensverwaltungsfonds
Samstag April 05th 2008, 8:47 am
Abgelegt unter: Beteiligung, Fonds

Immer mehr Vermögensverwalter legen eigene Fonds auf, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen.

Eine Vermögensverwaltung für den kleinen Geldbeutel war in der Vergangenheit nicht zu bekommen.

Das hat sich mit der neuen Fondsgattung Vermögensverwaltungsfonds geändert.

Die Produkte streuen im Idealfall das Fondsvermögen je nach Marktlage über mehrere Anlageklassen und nehmen damit Investoren die oft schwierige Wahl der richtigen Asset-Allokation ab.

Vermögensverwaltungsfonds sind beliebter denn je, kaum eine Woche vergeht, an dem nicht ein neuer Fonds aufgelegt wird. “Der Grund ist insbesondere die Abgeltungsteuer”, sagt Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer eines Fondsanalysehauses.

Die ab Anfang 2009 geltende Abgeltungsteuer bewirkt, dass bei jedem Verkauf eines Investments die Kursgewinne nicht mehr nach einem Jahr steuerfrei sind, sondern künftig ein Viertel davon an den Fiskus geht.

Innerhalb eines Fonds fallen jedoch keine Steuern an, wenn der Fondsmanager Kursgewinne realisiert.

Doch das ist nicht der einzige Grund für die zunehmende Beliebtheit: “Es gibt auch viele Anleger, die sich um die Allokation nicht selber kümmern oder kümmern wollen und ein Produkt suchen, das ihnen genau das abnimmt”, sagt Sälzle.

Die Branche der Vermögensverwalter wird nach Ansicht Sälzles so deutlich transparenter und vor allem auch vergleichbarer. “Die Leistung des Verwalters lässt sich durch das Medium Fonds besser messen.

Diese größere Transparenz ist gleichzeitig ein Risiko für den Verwalter, aber auch für den Berater”, sagt Sälzle.

Bevorzugt werden dürften künftig vor allem Fonds mit einem breit angelegten Ansatz, in dem sich der Fondsmanager relativ frei bewegen kann. “Je breiter das Produkt aufgestellt ist, umso besser kann der Manager ausweichen, wenn sich die Lage für einzelne Assetklassen verschlechtert”, sagt Björn Drescher. Er rechnet damit, dass bis zum Jahresende noch zahlreiche neue Produkte aufgelegt werden.

“Es wird sich noch einiges tun.” Doch die Produktflut hat auch Nachteile.

Zum einen fällt es den Investoren immer schwerer, sich zurechtzufinden und für die persönliche Risikoneigung passende Produkte zu finden. Zum anderen aber dürften viele der neuen Fonds keine allzu lange Lebensdauer haben. “Nach dem Produktregen wird es zu einer Welle von Schließungen kommen.

Rund ein Drittel der jetzt neu aufgelegten Fonds könnte in den nächsten fünf Jahren wieder geschlossen werden”, erwartet Drescher. Grund: Das Volumen vieler Produkte dürfte hinter kritischen Marken zurückbleiben, die für ein effizientes Fondsmanagement erforderlich sind.

“Mancher Advisor wird feststellen, dass nicht jeder für den Beruf des Fondsmanagers geeignet ist”, kommentiert Drescher.

Anders als bei großen Investmentgesellschaften ist der Fonds zumeist sehr eng mit der Person des Vermögensverwalters verbunden und trägt in der Regel auch seinen Namen.

Das hat allerdings auch gravierende Nachteile: “Wer sagt mir denn, dass etwa ein Dr. Jens Ehrhardt tatsächlich noch 10 oder 15 Jahre den Fonds verwaltet und dass sein Nachfolger genauso gut ist?”, gibt Drescher zu bedenken. Die Schwachstelle sei eindeutig das oft nicht geklärte Problem der Nachfolgeregelung.

Auch Vermögensverwalter Markus Zschaber warnt vor schwarzen Schafen: “Die Gefahr besteht, dass sich einige Personen plötzlich als Dachfonds-Manager etablieren wollen, obwohl sie keinerlei Erfahrung haben.” Denn die meisten der neuen Vermögensverwaltungsfonds seien nichts anderes als Dachfonds.

Sie versprechen eine flexible Vermögensverwaltung, sind aber an bestimmte Richtlinien gebunden, so Zschaber.

Denn Dachfonds haben feste und geregelte Quoten, nach denen die Manager die Depots umschichten dürfen. Sogenannte Superfonds sind dagegen in ihren Anlageentscheidungen absolut frei.

“Mit der Anlage in einen Superfonds steht Beratern ein wesentlich breiteres Anlagespektrum zur Verfügung”, sagt Andreas Heiming, Geschäftsführer der Argentum Vermögensberatung aus Hamburg, der jüngst mit dem Argentum Performance Navigator ein solches Fondskonstrukt aufgelegt hat.

Bei der Produktauswahl sollten Berater und Investoren vor allem auf die Performance über einen längeren Zeitraum und verschiedene Zyklen achten. “Die Frage ist: Wie hat sich der Manager geschlagen, und zwar sowohl in der Baisse als auch in der Aufwärtsbewegung”, sagt Fonds-Experte Sälzle.


Quelle: H.Reents




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