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Der 26-jährige Colin Smyth ist Reiseleiter eines britischen Busunternehmens, das von London nach Sydney fährt – in 91 Tagen.
FTD: Wo sind Sie jetzt gerade?
Colin Smyth: Gerade sind wir in Prag. Wir haben uns die Wachablösung an der Burg angeschaut, sind über die Karlsbrücke gelaufen und waren an der astronomischen Uhr. Morgen geht’s weiter nach Wien.
Sie haben ja auch noch was vor sich. Wie weit ist es bis Sydney?
Von hier aus ungefähr 88 Tage und über 15.000 Kilometer.
Sie arbeiten für Ozbus. Was für ein Unternehmen ist das genau?
Wir wollen unseren Kunden etwas zurückgeben. Schließlich haben Menschen, die nach Australien fliegen, keine Ahnung, was sie auf dem Boden alles verpassen. Deshalb fährt Ozbus über Land und schaut sich alle Länder auf dem Weg an. Es geht uns nicht so sehr um das Ziel, sondern hauptsächlich um den Weg dorthin. Warum soll man sich in 24 Stunden abhetzen, wenn man sich in drei Monaten auch alles in Ruhe angucken kann?
Was kostet der Trip?
Rund 5500 Euro inklusive Unterbringung und Verpflegung.
Jetzt die naheliegendste Frage: Wie kommt ihr mit dem Bus von Asien nach Australien?
Wo es keine Brücken oder Straßen gibt, nehmen wir die Fähre. Eine kurze Strecke von Bali nach Darwin überbrücken wir aber mit dem Flugzeug. Das würde mit der Fähre zu lange dauern.
Durch welche Länder geht’s?
England, Frankreich, Belgien, Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Türkei, den Iran, Pakistan, Indien, Nepal, Myanmar, Thailand, Malaysia, Indonesien und dann Australien.
Wie gefährlich ist die Tour?
Jede Reise ist mit Risiken verbunden. Die meisten lassen sich aber mit etwas Vorsicht entschärfen. Natürlich sind die meisten Passagiere davon verunsichert, dass wir durch Länder wie den Iran oder Pakistan fahren. Aber wir haben alles Mögliche mit den Behörden ausgehandelt, damit sie uns eine sichere Durchreise gewähren. Manchmal bekommen wir auch Geleitschutz als besondere Sicherheitsmaßnahme. Als ich die Tour letztes Mal gefahren bin, war das Schlimmste, das passierte, ein verstauchter Knöchel.
Haben Sie eine Lieblingsstrecke?
Mein persönliches Highlight ist der Iran. Die Menschen dort sind unglaublich freundlich. Wahrscheinlich weil es dort nicht so viele Touristen gibt. Es gibt eine berühmte Brücke in Isfahan, dort haben wir ein paar Jugendliche getroffen, die uns erzählten, wie es ist, im Iran zu leben. Die Kontrolle der Eltern ist so groß, dass sie es verheimlichen müssen, wenn sie eine Freundin haben. Oft können sie nur übers Internet kommunizieren. Aber die jungen Leute glauben, dass sie ihre Kinder anders behandeln werden und dass der Iran dann ein liberales Land wird.
Was ist das eigentlich für ein Bus, in dem Sie fahren?
Ein normaler Reisebus, den wir ein bisschen modifiziert haben. Es gibt einen Extratank, und wir haben einige Sitze rausgenommen, um mehr Beinfreiheit zu haben. Jetzt passen noch 56 Passagiere rein. Der Bus, mit dem wir gerade unterwegs sind, hat die Reise schon mal ohne Probleme gemeistert.
Wo schlafen Sie unterwegs?
Im Sommer campen wir viel in Europa und Australien. Im Winter übernachten wir in Hotels und Jugendherbergen und campen, wenn wir in Australien sind.
91 Tage im Bus sind eine lange Zeit – verändern sich Menschen da?
In den ersten Tagen sind die Passagiere immer ein bisschen nervös oder verschlossen. Wenn die Gruppe aber einmal ein bisschen zusammenrückt und man ein paar Freunde gewinnt, entspannt sich die Atmosphäre im Bus. Trotzdem: In drei Monaten auf engstem Raum, da lernt man die Menschen schon von ihrer besten und ihrer schlechtesten Seite kennen.
Was sind die häufigsten Probleme?
Kritisch wird es hauptsächlich beim Schnarchen. Ohrstöpsel werden schon stark nachgefragt.
Sie werden es den klagenden Autofahrern sicher verraten können: Wo gibt es das günstigste Benzin?
Im Iran. Ein Liter Diesel ist da billiger als Trinkwasser.
Quelle: F.Heuser
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