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Im grossen Kanton gab es einen genialen Tüftler der allerlei Elektrogeräte erfunden hat. Und weil er einen Namen hatte, der an eine böse politische Epoche erinnerte, machte er in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg an einige Geräte ganz bunte Knöpfe. Die Amis waren davon so entzückt, dass zum Beispiel seine Radios noch heute im Museum of modern Art zu bewundern sind.
Die Firma hatte ihren Sitz im luftigen Kronberg im Taunus. Womit wieder einmal bewiesen ist, dass Bergluft sehr inspirierend wirkt. Gut, also im Vergleich zu unseren Alpen ist der Taunus ein Hügelchen, aber ich bin sicher, in dem Smog Frankfurt wäre nicht so viel Kluges entstanden.
Eine seiner Erfindungen war u.a. der Elektrorasierer. Bei Elektrorasierern gibt es ein kleines unauffälliges Teilchen, mit dem man im Nachhinein noch mehrmals Umsatz machen kann. Das Messer, oder besser gesagt das Scherblatt. Der geneigte Leser wird sich nun fragen, warum ich dieser Kleinigkeit eine so grosse Aufmerksamkeit widme. Nun, dieses Teilchen ist der Grundstein für eines der bedeutendsten Firmen in der Schweiz gewesen. Und das ging so:
Die Steuern in Deutschland waren auch zu damaliger Zeit schon ein Ärgernis. Die klugen Köpfe in Kronberg überlegten, wie dem zu entgehen sei. Die ganze Firma zu verlagern, das ging nicht und hätte den Adenauer doch gehörig verärgert.
Also beschloss man 1961 nur diese Scherblätter woanders zu produzieren. Der Trick dabei ist eigentlich ganz einfach. Nehmen wir mal an, dieses Scherblatt kostet in der Produktion 1 Mark und wird als Ersatzteil für 2 Mark weiterverkauft. Dann hätte die Firma eine Mark verdient. Jetzt kommt aber wieder dieser lästige Steuervogt und will mitkassieren. Und plötzlich ist aus der Mark nur noch 50 Pfennig geworden. Mit anderen Worten, obwohl die Firma die ganze Arbeit gehabt hat, ist da ein stiller Gesellschafter, der sich ins Fäustchen lacht.
Allerdings, wer tolle Elektrogeräte baut, der ist auch sonst nicht auf den Kopf gefallen.
Also ist die Firma auf die Suche gegangen um nach einem Standort für die Herstellung der Scherblätter zu suchen. Wie ich Euch schon erzählt habe, sind die Steuervögte in unserem Kanton Obwalden sehr schlau. Sie haben den Hessen dann angeboten, hier in Sachseln zu beginnen, und sie sollten erstmal Geld verdienen. Steuern wollten sie in den ersten Jahren keine kassieren. Dafür sollten sie aber ein paar dicke Bauersfrauen und kräftige Männer einstellen. Später würde sich der Kanton dann bescheiden durch moderate Steuern gütlich halten. Gesagt, getan.
Also wurde hier die Firma Interelectric Sachseln AG gegründet. Die kleinen gestanzten Metallplatten wurden für 2 Mark nach Deutschland geschickt und der Gewinn kam ohne eine Blessur zu 100% auf das Schweizer Konto. Später hat man dann einfach die Preise verdoppelt und verdreifacht und konnte immer mehr Geld hier anhäufen.
Was mit Scherblättern geht, muss doch auch mit anderen Teilprodukten gehen dachte man sich in Kronberg. Also hat man weiter nachgedacht.
Unsere Bauern sind mechanisch sehr geschickt. Das muss man auch sein, wenn man mutterseelenallein auf der Alp seinen Traktor reparieren muss. Es dauerte nicht lange und einige unserer besten Bauernsöhne wurden von den klugen Ingenieuren aus Kronberg ausgebildet, um klitzekleine Elektromotoren zu bauen. Und so wurde noch mehr Geld umgeleitet. Elekromotoren waren natürlich teurer als Scherblätter.
Ein bisschen erschrocken waren wir aber dann, als die Amis, genauer gesagt die Firma Gilette, die Kronberger so einfach aufgekauft haben. Das war eine merkwürdige Zeit. Die ganze Familie von dem begnadeten Erfinder hat so viel Geld bekommen, dass wir dachten, die sehen wir nicht wieder. Aber da haben wir uns getäuscht.
Das in den Jahren ganz ansehnliche Konto hier in Sachseln hatte auch seine Anziehungskraft. Die Motorenproduktion lief wie ein Schweizer Uhrwerk und die ehemaligen Bauerjungs waren zu echten Entwicklern herangereift. Das hat der Junior aus der deutschen Unternehmerdynastie gut erkannt und hat sich auf Dauer zu uns gesellt. Seit 1967 wurden dann nur noch Motoren hier gebaut und heute finden sich die klitzekleinen Teilchen in jedem Drucker, in jedem Bankautomaten und neuerdings auch in dem Roboter der auf dem Mars seine Kreise zieht.
Mittlerweile ist der Karl-Walter fast schon einer von uns. Nur noch ab und zu, wenn er sehr erregt ist, babbelt er hessisch. Dass er zu den reichsten dreihundert Schweizern gehört, dass freut uns. Warum wir nicht neidisch sind, dass er so viele Millionen verdient? 1. weil wir keine Deutschen sind. 2. Weil er sein Geld in unsere kostenintensiven Luftseilbahnen, Museen und weiss der Gott noch was steckt. Und 3., weil ich meinen Käse jetzt für „gutes“ Geld an seine Mitarbeiter zum “s’Nüni” verkaufen kann.
So, jetzt muss ich aber wieder in den Stall, wir erwarten heute Nacht Nachwuchs. Und nächstes Mal erkläre ich Euch dann, warum man mit einem Briefkasten alleine keinen Blumentopf gewinnen kann.
Es grüsst Euch
Euer Arnold vom Melchthal
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