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Der Größte, der Reichste, der Beste: Der indische Industrielle Mukesh Ambani spricht gern in Superlativen.
Seiner Frau schenkte er zum Geburtstag einen Airbus, derzeit lässt er in Bombay eine Wolkenkratzer-Residenz bauen. Jetzt hat er beste Chancen, der reichste Mensch der Welt zu werden.
Mukesh Ambani hat innerhalb weniger Jahre das Erbe seines Vaters rasant vermehrt. 1980 trat er nach einem Studium an der US-Universität Stanford in den väterlichen Betrieb ein, seit Ende der neunziger Jahre ist Reliance ein Fortune-500-Unternehmen.
Ambanis Vermögen beläuft sich inzwischen auf knapp 50 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr gingen Schätzungen noch von unter 25 Milliarden Dollar aus, aber der Boom an der indischen Börse und eine Kursverdoppelung der Reliance-Aktie haben aus dem 50-jährigen Geschäftsmann den ersten Rupien-Trilliardär in der Geschichte Indiens gemacht.
Bescheidenheit ist da schnell vergessen.
Hielt sich Ambani in den vergangenen Jahren wie sein Vater mit dem Zurschaustellen seines Reichtums aus Sorge vor dem indischen Fiskus zurück, so hat er diese Zurückhaltung jetzt aufgegeben.
Experten rechnen mit einem weiteren Boom der indischen Börse – Ambani dürfte damit bald der reichste Mensch der Erde sein.
Die “Times of India” rechnet vor, sein Vermögen wachse um 70.000 Euro pro Minute – gut 100 Millionen Euro pro Tag.
Beigetragen hat dazu wohl auch Ambanis mutige Investitionspolitik. Er arbeitet derzeit an einer Sonderwirtschaftszone nahe Bombay, betätigt sich dort als Stadtentwickler. Reliance Industries will sich zudem künftig auch im Banken- und Finanzsektor engagieren.
Ambanis nächstes Projekt ist aber der Aufbau einer Einzelhandelskette, die Lebensmittel aus eigener Landwirtschaft bezieht. Ambani nennt das Modell “farm to fork”, quasi vom Acker bis auf den Teller.
Damit, betont Ambani regelmäßig, werde die höchste Qualität der Produkte gewährleistet, weil alles von Reliance kontrolliert werde. Zudem würden Einzelhandel und Landwirtschaft modernisiert. Einzelhändler und Landwirte in Indien protestieren – sie sehen ihre Existenz gefährdet.
Manche “Reliance Fresh”-Märkte haben trotzdem schon eröffnet, rund 100 plant Ambani im Großraum Neu-Delhi, insgesamt 1500 in Indien. Darüber hinaus will Ambani bis 2010 rund 20 Milliarden Dollar in ein neues petrochemisches Werk, in eine Erweiterung der Raffinerie in Jamnagar und in neue Öl- und Gasleitungen im ganzen Land investieren und etwa 500.000 neue Mitarbeiter einstellen.
Bei indischen Jugendlichen ist Reliance ein Traumarbeitgeber, etwa eine halbe Million Bewerbungen erreichen das Unternehmen jährlich.
Reliance ist der größte Steuerzahler Indiens, erwirtschaftet knapp vier Prozent des indischen Bruttosozialprodukts und trägt mit seinen Produkten mehr als acht Prozent aller Exporte des Landes bei. Doch mit wachsendem Erfolg nimmt auch die Zahl der Kritiker zu.
Sie werfen Ambani Verflechtungen mit der Politik vor – vieles habe er nur erreicht, weil er die Regierenden gekauft habe, heißt es. Er übernehme mit dem Bau der Sonderwirtschaftszone bei Bombay staatliche Investitionsaufgaben – sicher bekomme er dafür etwas im Gegenzug, munkeln manche.
Die indischen Landesregierungen hätten beispielsweise die Öffnung des Marktes für ausländische Handelskonzerne verhindert, damit Reliance in Ruhe den Start seiner Supermärkte organisieren konnte.
Für Aufregung sorgt derzeit vor allem das vom US-Architektenbüro Perkins + Will entworfene Privathaus Ambanis, das gerade in Bombay gebaut wird: Das rund 750 Millionen Dollar teure Gebäude entsteht auf einem Grundstück einer Stiftung für Waisenkinder, das eigentlich nicht verkäuflich ist. Reliance habe Politiker bestochen und nur deshalb den Zuschlag bekommen, mutmaßen indische Zeitungen.
Die Regierung des Unionsstaates Maharashtra will den Grundstücksdeal nun überprüfen.
Reichtum hat aber auch eine dunkle Seite, und die hat Mukesh Ambani kennen gelernt. Als der Vater Dhirubhai Ambani 2002 starb, hinterließ er ein Erbe, an dessen Aufteilung die Familie zerbrach. Monatelang berichteten indische Medien über die Schlammschlacht zwischen Mukesh und seinem jüngeren Bruder Anil.
Monatelang verbrachte die Mutter der streitenden Söhne Berichten zufolge in Tempeln, weinte und betete für eine friedliche Einigung – vergeblich.
Am Ende wurde der väterliche Konzern aufgeteilt: Anil bekam die Sparten Telekom, Finanzdienstleistungen und Stromversorgung. Er ist “Forbes” zufolge mit einem Vermögen von etwa 45 Milliarden Dollar nur unwesentlich ärmer als sein Bruder.
“Mukesh Ambani ist bald vielleicht der reichste Mann der Welt”, sagt ein ranghoher Reliance-Mitarbeiter. “Der glücklichste Mann der Welt ist er aber sicher nicht.”
Quelle: Hasnain Kazim
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