Erbschaften und Spenden zuhauf: Der Reichtum der Tierschutzvereine lockt immer wieder dubiose Geschäftemacher.
Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes fand aufmunternde Worte.
Der Hamburger Tierschutzverein habe “turbulente Monate hinter sich”, schrieb Wolfgang Apel vor wenigen Tagen an die hanseatischen Kollegen.
Sein Dachverband wolle sie nun “mit all unseren Kräften” unterstützen und in eine “erfolgreiche Zukunft führen”.
Hilfe hat der 6200 Mitglieder starke Verein an der Elbe dringend nötig:
Staatsanwälte ermitteln gegen den zurückgetretenen Vereinschef und langjährigen Geschäftsführer Wolfgang Poggendorf, der Vereinsgelder beiseitegeschafft und krumme Deals um Immobilien und Erbschaften gefingert haben soll.
Die Staatsanwaltschaft ließ vorsorglich 179.000 Euro sicherstellen. Nur ein vom Gericht bestellter Notvorstand hält den Laden mitsamt Tierheim am Laufen, hinter den Kulissen tobt der Streit um die Chefnachfolge.
Die Querelen der Hamburger Tierschützer sind symptomatisch für die Vereinsmeierei um das liebe Vieh: Rund 800.000 Mitglieder gehören den im Dachverband organisierten Tierschutzvereinen bundesweit an - weit mehr als etwa die 50.000 Mitglieder im Kinderschutzbund.
Viele Vereine sind reich, die Hamburger sollen rund zehn Millionen Euro Vermögen besitzen.
Immer wieder gibt es jedoch heftiges Gerangel um Mitgliedsbeiträge und vor allem um die Erbschaften dahingeschiedener Tierfreunde.
Die Staatsanwaltschaft Berlin etwa wirft dem ehemaligen Geschäftsführer des Hauptstadtvereins Volker W. insgesamt 276 Fälle von Untreue vor, seiner Frau werden 21 Fälle zur Last gelegt. Insgesamt 126.000 Euro sollen die beiden veruntreut haben.
“In den Großstädten haben die Tierschutzvereine häufig viel Geld durch Erbschaften und Spenden. Da kommt es eben vor, dass jemand in die Kasse greift”, klagt Friedrich Engelke, einflussreiches Mitglied im Hamburger Tierschutzverein.
Sein Ex-Chef Poggendorf hatte sich von den Amateurvorständen eine Generalvollmacht ausstellen lassen. Erbschaften beispielsweise konnte er so allein verwalten, wobei für ihn dann schon mal eine schicke Wohnung auf Sylt zum Schnäppchenpreis abfiel.
Mit der Vollmacht in der Tasche habe “er sich ein mafiöses System von Abhängigen aufgebaut”, behauptet Jurist Engelke.
Der Tierschutzbund stößt sich ebenfalls an dem Treiben dilettierender Vorstände in den Vereinen draußen. “Es ist immer schwer, im Ehrenamt zu 100 Prozent präsent zu sein”, sagt Geschäftsführer Thomas Schröder vorsichtig. “Bei uns geht es nicht um Sachen, sondern um Tiere, da gehören Emotionen dazu.”
In schöner Regelmäßigkeit tauchen zwielichtige Geschäftsleute auf, die vorgeblich um Spenden für notleidende Tiere werben.
Am dollsten trieb es der gelernte Werkzeugmacher Wolfgang Ullrich, der das Deutsche Tierhilfswerk ausplünderte. Bis zu 28 Millionen Euro soll er zusammengerafft haben, 2003 wurde er zu zwölf Jahren Haft verurteilt.
“Mit so etwas haben wir nichts zu tun”, wehrt Schröder jeden Vergleich ab. Tatsächlich helfen die Bonner bei der Aufklärung von Betrugsfällen. In Berlin wurde Apel sogar als Hobbydetektiv tätig, schlich sich in das Hauptstadtbüro und sammelte Beweismaterial für eine Anklage gegen Volker W.
Auch in Hamburg versuchen Apel und Schröder, den Neuanfang zu organisieren. Am kommenden Sonnabend lädt der Tierschutzbund zu einer Kandidatenvorstellung für den neuen Vorstand ein. Unter den 17 Aspiranten hat Jurist Engelke allerdings 7 Poggendorf-Vertraute ausgemacht: “Wenn die wieder drankommen, wäre das der Sargnagel für den Verein.”
_____________
Quelle: P.Hinrichs
Keine Kommentare so far
Leave a comment
Einen Kommentar hinterlassen
Zeilen und Absätze brechen automatisch um, E-Mail-Adresse wird nie angezeigt, HTML erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>




