Teuerungsrate: Das Geld hat immer weniger Wert
Sonntag Oktober 28th 2007, 11:17 am
Abgelegt unter: Kapital

Die Teuerungsrate ist fast auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren. Doch während die Konsumenten sich beim täglichen Einkauf zurückhalten, haben Anleger noch gar nicht reagiert. Dabei gibt es eine Vielzahl spezieller Produkte, die vor einer Geldentwertung schützen.

Der am Freitag veröffentlichte GfK-Konsumklimaindex, der die Ausgabenbereitschaft der Bürger misst, ist im Oktober um 20 Prozent abgesackt.

Dabei müssten Anleger viel größere Furcht vor der Teuerung haben als die Konsumenten. Schließlich wird das Geld immer weniger wert, und damit sinkt die Kaufkraft. Je eher man also etwas kauft, desto besser. Anders bei der Geldanlage: Von 10.000 Euro sind bei einer Inflationsrate von drei Prozent nach 20 Jahren nur noch gut die Hälfte übrig, bei einer Teuerung von vier Prozent bleiben gar nur 4500 Euro. Doch die Anleger ignorieren das. Es herrscht eine Art “Geld-Illusion”: Der klassische Sparer klammert die Inflation mental aus. Für ihn ist Geld auch in 20 Jahren das Gleiche wert wie heute, nämlich der Betrag, der draufsteht.

Entsprechend legen die Deutschen ihr Erspartes noch mit Vorliebe auf niedrig verzinsten Tages- und Festgeldkonten zu bestenfalls vier Prozent an. Werden von diesen Erträgen die Steuern abgerechnet – im Schnitt ein Drittel – bleiben netto gerade noch 2,7 Prozent übrig. Diesen Wert könnte die Inflation aber schon im Oktober erreichen, sodass unter dem Strich kein Vermögenszuwachs mehr bliebe.

Viele Analysten und Banker beschwichtigen allerdings noch. Für die Anlageexperten ist der aktuelle Teuerungsschub lediglich das Ergebnis eines ungünstigen Zusammentreffens von Mehrwertsteuererhöhung, Energiepreisexplosion und Engpässen bei Agrarrohstoffen. Bereits 2008 werde die Geldentwertung wieder auf ein harmloses Niveau unter zwei Prozent zurückfallen, sagen sie.

Seit Anfang der 90er-Jahre mussten Bankberater und Sparer auf die Teuerung keine Rücksicht nehmen. Die Inflationsrate lag selten höher als zwei Prozent, sodass sie von Zinsen und anderen Erträgen nur einen kleinen Teil wegknabberte. Und wie immer nach solch einer langen Zeitspanne können sich nur wenige Profis vorstellen, dass durch heftige Nachfrageverschiebungen auf den Weltmärkten ein neues Inflationszeitalter anbricht.

“Die Inflation wird uns allen noch Ärger bereiten”, sagt der frühere Chefvolkswirt der HypoVereinsbank Martin Hüfner. Nach Auffassung des Ökonomen ist die Phase stabiler Preise auf absehbare Zeit passé. Auch der ehemalige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, warnt in seinem jüngst erschienenen Buch vor einer neuen Ära der beschleunigten Inflation, ebenso wie Bundesbankpräsident Axel Weber, der eine Teuerung von drei Prozent für möglich hält.

Sollte es so kommen, müssten Investmentratgeber neu geschrieben, Vermögensberater neu geschult und Anlageprodukte neu konzipiert werden. Schließlich würde der Anlageerfolg neu definiert, nämlich als Rendite nach Abzug der Inflation. “Inflationsschutz muss Komponente jedes Portfolios werden”, fordert Markus Heider, Investmentexperte bei der Deutschen Bank.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, dem schleichenden Verlust des Geldwertes gegenzusteuern. Angefangen vom “sicheren Hafen” Gold über Immobilien-Investments bis hin zu inflationsgeschützten Anleihen, auch “Linker” genannt. Die direkteste Form der Absicherung stellen Letztere dar. Der Bund hat jüngst einen zweiten solchen Linker lanciert. Die Rendite der fünfjährigen Anleihe erscheint mit rund zwei Prozent im Verhältnis zu konventionellen Bonds mit gleicher Laufzeit zwar knauserig, die aktuell 4,06 Prozent abwerfen. Allerdings bekommen Investoren der neuartigen Titel einen Aufschlag für den jährlichen Kaufkraftverlust. Sollte die Inflation zum Beispiel auf fünf Prozent steigen, erhalten die Besitzer der Anleihe sieben Prozent. Sie sind mit der Entwicklung der Inflation “verlinkt”, also direkt verknüpft.

Bei herkömmlichen Festverzinslichen gibt es einen solchen Ausgleich nicht. “Gerade für den langfristig agierenden Anleger hat das den Vorteil, dass er die anfangs kalkulierte Rendite inflationsbereinigt und damit auch wirklich bekommt”, sagt Experte Heider. “Das bringt Planungssicherheit.” Für Zinssparer mit längerem Horizont eignet sich der zehnjährige Bundeslinker, der kaufkraftbereinigt etwas über zwei Prozent erbringt. Wer sein Geld über mehrere Inflations-Stopper-Anleihen streuen möchte, ist mit Linker-Fonds gut aufgehoben.

Die inflationsgesicherten Anleihen lohnen sich allerdings nicht in jedem Fall. Rein rechnerisch fahren Anleger mit den Papieren nur dann besser, wenn die Preissteigerung in den kommenden fünf bis zehn Jahren im Schnitt höher als 2,1 Prozent ist. Dafür gibt es im Gegensatz zu anderen geldwerterhaltenden Investments wie Gold, Silber, Immobilien oder Aktien einen garantierten Inflationsausgleich. Die Historie zeigt nämlich, dass Dividendenpapiere, Grundstücke oder Edelmetall sich nicht unter allen Umständen als Inflationsschutz eignen. Indessen bieten diese Anlageformen im Vergleich mit den defensiven Linkern höhere Renditechancen. So hat Gold in diesem Jahr in Euro gerechnet bereits über zwölf Prozent zugelegt.

Und einiges spricht für weitere Steigerungen, an dem Anleger mit dem Gold-Fonds von Lyxor eins zu eins partizipieren können. Noch kräftiger ging es mit Minen-Aktien nach oben. Der Merrill Lynch World Gold, der auf Unternehmen wie Newmont setzt, liegt seit Januar 25 Prozent vorn. Als Inflations-Stopper stehen auch Immobilienfonds wie der Axa Immoselect hoch im Kurs.

Einige Experten haben sogar noch etwas radikalere Anti-Teuerungstipps auf Lager. So dürfte sich für viele Bundesbürger der Kauf einer werterhaltenden Immobilie lohnen. “In Inflationsphasen wie diesen sollte man nicht sparen, sondern sich verschulden”, sagt ein Banker. Schließlich würde sich die Schuldenlast mit zunehmender Inflation verringern. Anleger können die derzeit günstigen Hypothekenzinsen zur Finanzierung nutzen.


Quelle: Welt
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