FinanzBlog24

Vorsicht Aktien-Spam
Freitag Juli 04th 2008, 7:27 am
Abgelegt unter: Aktie

Mainland Rescoures, USA: „Hier ist ein Chart der Gasaktie, die sich genial entwickelt“, frohlockt ein anonymer Freund handschriftlich auf einem Fax.

2,60 Euro als aktueller Kurs.

Und die Kurve zeigt steil nach oben, „bis auf sechs Euro bei guten Bohrergebnissen“ könne sie noch steigen.

Der vermeintliche Fax-Irrläufer mit tollem Tipp entpuppt sich allerdings auf dem zweiten Blick als neue Masche beim Aktien-Spam.

Das Fax mit dem Aktien-Chart ist bereits das dritte, welches fĂĽr die vermeintliche Gewinner-Aktie in den USA wirbt.

Die Taktik ist dabei immer ähnlich: Ein vermeintlich neutrales Dokument – in den ersten beiden Faxmitteilungen wurde ein Zeitungsartikel imitiert – wird um eine handschriftliche Empfehlung ergänzt.

„Louisiana entdeckt ein riesieges (sic) natürliches Gasvorkommen“, titelt ein Artikel inklusive Tippfehler, “wie ich am Telefon schon gesagt habe, ist dies die riesige, neue Gas-Entdeckung“, schreibt ein anonymer Freund handschriftlich dazu.

Und erwähnt natürlich auch, wie die Aktie an der Frankfurter Börse und der NASDAQ gelistet und kaufbar ist.

Garniert wird die Offerte noch mit der Angst vor steigenden Energiepreisen, von denen der Aktionär dann durch sein Investment profitieren könne. “Das ist ja eine geniale Masche, Gratulation an die Abzocker“, sagt Carola Elbrecht, Juristin beim Verbraucherzentralen Bundesverband (VZBV) dazu. „Ein solches Fax halten viele Verbraucher garantiert fĂĽr einen Irrläufer und fallen darauf hinein.”

Und das Fax zieht tatsächlich seine Runden. Christian Prüßing, Redaktionsleiter des Branchenreports kapital markt-intern, berichtet von vielen Mittelständlern, die das Fax erhalten haben. In Börsenforen wird intensiv über das Angebot diskutiert.

„Unsere Recherchen ergaben, dass zwar so etwas wie ein Letter-of-Intend des offerierten Unternehmens über eine Probebohrung existiert“, sagt Prüßing. „Aber ob jemals ein Erfolg erzielt wird, ist sehr zweifelhaft. Solche Investments haben schon in der Vergangenheit für Anleger zu hohen Verlusten geführt.“

Noch sind die pseudokopierten Medienausschnitte auf den Faxmitteilungen von recht einfacher Strickart, strotzen vor Fehlern und verwenden einfachste Stilistik. “Verbraucher fallen natĂĽrlich längst nicht mehr so schnell auf solche Aktionen herein, wie noch vor einigen Jahren“, sagt aber VerbraucherschĂĽtzerin Elbrecht.

„Deshalb lassen sich die Spamer immer neue Maschen einfallen, suchen die persönliche Ansprache.”

Die berĂĽhmt-berĂĽchtigten Spam-Mails, die neben Aktien immer wieder auch allerlei Medikamente oder GlĂĽcksspiele anpreisen, wirken heute nur noch bei wenigen Internetnutzern.

“Derzeit wird die Werbung fĂĽr Aktien sehr stark per Telefonanruf betrieben“, beschreibt Michael Brack, Sachbearbeiter fĂĽr Wirtschaftskriminalität mit dem Schwerpunkt Kapitalanlage- und Beteiligungsbetrug am Polizeipräsidium DĂĽsseldorf, aus der Ermittlungspraxis. „Die Hintermänner haben wohl erkannt, dass die reine Spam-Mail nicht mehr den gewĂĽnschten Effekt erbringt.”

Dabei setzen die Spammer auf einen weiteren Faktor, der Anleger beeindruckt: Möchten so viele Versicherungsvertreter oder Anlageberater für ihre Dienste eine Provision kassieren, verbinden also ihr eigenes wirtschaftliches Interesse mit der Anlageempfehlung, so profitieren die Hintermänner des Aktien-Spams auf dem ersten Blick nicht.

“FĂĽr den Nutzer ist der Hintergedanke der Anrufer nur schwer erkennbar“, erklärt auch Brack. “’Ich will Ihnen gar nichts verkaufen, sondern die Aktien mĂĽssen Sie direkt an der Börse erwerben’ - das klingt zunächst so, als wenn sie keinen eigenen Gewinn damit hätten. De fakto profitieren die Hintermänner aber auf ganz unterschiedlicher Art und Weise von der Aktion.“

Sie haben zum Beispiel die Aktien dieses wertlosen Unternehmens zuvor für Centbeträge gekauft und setzen nun auf den dummen Aktienanleger, der mit seinen Ordern den Unternehmenswert künstlich aufbläht. Irgendwann stoßen die Hintermänner dann ihre eigenen Aktien mit hohem Gewinn ab. Die Folge: Der Aktienkurs stürzt ins Bodenlose, die wertlose Aktie wird zu einem so genannten Pennystock – alles nur eine Frage der Zeit. Und der geprellte Anleger bleibt auf seinen Verlusten sitzen.

Der Verkauf der Aktie über die Frankfurter Börse befördert diese Strategie noch – klingt seriös, denkt der Anleger.

Doch: “Die offerierte Aktiengesellschaft unterliegt im Frankfurter Freiverkehr nicht den hohen Transparenzstandards regulierter Märkte“, so Christian PrĂĽĂźing. „Ein Investment ist also von vorne herein ein Blindflug. Schon im stark regulierten Aktiengeschäft etwa am DAX gibt es hohe Verlustrisiken, trotz sehr strengen Mitteilungs- und Berichtspflichten.

Bei einer Aktiengesellschaft im Freiverkehr ist dieses Risiko um ein Vielfaches höher, zumal zum Beispiel Insidermanipulation sehr einfach möglich sind.”

Theoretisch können Anleger straf- und zivilrechtlich gegen die Hintermänner des Spam vorgehen: “Bei einem Fax, auf dem nachweislich falsche Versprechungen gemacht werden, ein Artikel gefälscht wurde, handelt es sich womöglich sogar um Betrug“, sagt Brack. „Voraussetzung fĂĽr eine Strafverfolgung ist jedoch eine Strafanzeige.”

Und Voraussetzung ist auch, dass die Hintermänner überhaupt erkennbar sind: Falsche Personalien, falsche Rufnummern oder Umleitungen auf ein falsch registriertes Prepaid-Handy, Firmensitz im schwer zugänglichen Ausland – der Weg zum Rechtsanwalt und auch zur BaFin, die bei Verdacht auf Kursmanipulation unterrichtet werden sollte, führt selten zu einer Entschädigung.

Verbraucherschützer Elbrecht, Fachjournalist Prüßing und Ermittler Brack raten daher auch unisono „Finger weg.“

Die vermeintliche Aktienempfehlung per Fax gehört wie die Flut von täglichen Spam-Mails im virtuellen E-Mail-Postfach in den Papierkorb. Denn am Ende freut sich nur der anonyme, vermeintliche Freund. Besonders dann, wenn die wertlose Gas-Aktie der Mainland Rescources, USA, tatsächlich Richtung der von ihm prognostizierten sechs Euro tendiert.
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Autor: J.Stroisch





Zentralbanken - Schwierige Geldpolitik
Mittwoch Juli 02nd 2008, 8:24 am
Abgelegt unter: Finanzen und Wirtschaft, Banken

Lange Jahre hat die Globalisierung die Inflation niedrig gehalten.

Doch seit einigen Monaten ist das Pendel umgeschlagen.

Der scharfe Anstieg der Preise für Rohöl und Lebensmittel hat überall auf der Welt einen Teuerungsschub ausgelöst.

In Deutschland ist die Inflationsrate im Juni auf 3,3 Prozent gesprungen, den höchsten Stand seit 15 Jahren, im Euro-Raum sogar auf vier Prozent.

In 50 Ländern, in denen mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung leben, steigen die Preisbarometer inzwischen sogar jährlich schon um zehn Prozent und mehr.

Die Geldentwertung trifft vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten, mancherorts hat sich das schon in politischen Unruhen entladen.

Die Zentralbanken stehen nun vor der größten Herausforderung seit den siebziger Jahren, als zwei Ölpreisschocks die Inflation anheizten.

Zur Erinnerung: Um die Inflationsmentalität zu brechen, sah sich die amerikanische Notenbank Anfang der achtziger Jahre gezwungen, ihren Leitzins auf 20 Prozent anzuheben. Als Folge schrumpfte die Wirtschaft mehrere Quartale.

Die Rosskur wirkte, von da an ging die Inflation zumindest in den Industrieländern zurück und blieb niedrig. Unterstützung erhielt die Geldpolitik allerdings von der Globalisierung. Sie ermöglichte es den Unternehmen, Teile ihrer Produktion in die Schwellenländer mit ihren niedrigen Arbeitskosten zu verlagern.

Die Billigimporte aus diesen Ländern hielten die Inflation hierzulande niedrig, zumal der Wettbewerbsdruck den Lohnanstieg bremste.

Viele Schwellenländer, allen voran China, trugen das Ihre dazu bei - und tun dies oft weiterhin: Um ihren Export zu stimulieren und Arbeitsplätze zu schaffen, halten sie ihren Wechselkurs zum Dollar durch staatliche Eingriffe künstlich niedrig. Bewerkstelligt wird dies über den Ankauf von Dollar und anderen Devisen.

Aus dieser Geldschöpfung ist, zumindest zum Teil, die Liquidität entstanden, die seit Jahren auf den Kapitalmärkten hin und her schwappt und die Preise für Vermögensgüter - Aktien, Immobilien, Risikokredite - nach oben getrieben hat.

Die Zentralbanken der Industrieländer ließ der Anstieg der Vermögenspreise lange ziemlich kalt.

Sie sehen ihre Verantwortung darin, die Inflation der Verbraucherpreise niedrig zu halten. DafĂĽr aber sorgten Billigimporte und Lohnwettbewerb. Als die Globalisierung zu Beginn des Jahrzehnts sogar einer Deflation der Verbraucherpreise Vorschub zu leisten drohte, senkten die Zentralbanken ihre Leitzinsen.

Auch diese billige Liquidität nutzten Anleger für Spekulationen an den Vermögensmärkten.

Davon unbeeindruckt blieb der Anstieg der Verbraucherpreise bis ins vergangene Jahr hinein niedrig.

Zum Umschwung trug zweierlei bei: Zum einen sind die Volkswirtschaften in Schwellenländern wie China so stark gewachsen, dass ihre Nachfrage nach Energie und höherwertigen Lebensmitteln inzwischen auch im Weltmaßstab ins Gewicht fällt. Weil das Angebot - die Produktion - nicht schnell genug gesteigert werden kann, steigen die Preise.

Hinzu kommt, dass Anleger die verfügbare Liquidität seit einigen Jahren verstärkt in neuartige Rohstoff-Finanzkontrakte investieren. Das verstärkt den Preisauftrieb der Rohstoffe und schlägt nun überall auf die Preise durch - an der Tankstelle und im Supermarkt.

Die Geldpolitik ist in eine schwierige Lage geraten. Auf der einen Seite Inflation, auf der anderen Seite deflationäre Impulse: Denn das Platzen der Immobilienblase in den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern dämpft das Wirtschaftswachstum; in die gleiche Richtung wirkt die damit einhergehende Bankenkrise, die sich noch weiter verschärfen dürfte.

Und niemand kann derzeit abschätzen, wie weit Abschwung und Krise noch Kreise ziehen werden, ob die Weltwirtschaft womöglich in eine Abwärtsspirale gerät.

Ist es in solch unsicherer Lage verantwortbar, die Inflation zu bekämpfen und die Wirtschaft über höhere Leitzinsen zusätzlich zu bremsen?

Viele Politiker wiegen sich in der Hoffnung, dass die Inflation mit dem Abflauen der Konjunktur schon abebben werde. Doch die Erfahrung lehrt, dass diese Hoffnung auf Sand gebaut ist. Denn einmal so vehement in Gang gekommen wie jetzt, ist Inflation ein sich selbst verstärkender sozialer Prozess, der sich von ökonomischen Faktoren wie zum Beispiel der Auslastung der Kapazitäten abkoppelt.

Und die Erfahrung lehrt auch, dass starke Inflation letztlich die gesamte Wirtschaft zerrĂĽttet.

Die Geldpolitik muss deshalb verhindern, dass es zu einer Preis-Lohn-Spirale wie in den siebziger Jahren kommt. Denn die Kosten der Inflationsbekämpfung sind umso niedriger, je früher der Inflationsmentalität begegnet wird.

Die Europäische Zentralbank sollte deshalb am Donnerstag ihren Leitzins von vier auf 4,25 Prozent anheben. Viele Schwellenländer haben noch mehr Handlungsbedarf: Sie müssen ihre Leitzinsen kräftig heraufsetzen. Zudem sollten sie ihre Währungen freigeben und aufwerten lassen. Das senkt ihre Importkosten für Energie und dämpft so die Inflation.

Alle Zentralbanken gemeinsam sollten darĂĽber nachdenken, welche Fehler sie gemacht haben - und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.
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Quelle: B.Fehr









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