FinanzBlog24

Räuber-Riester-Rente: Kinderzulage finanziert Provision
Donnerstag Juli 24th 2008, 3:17 am
Abgelegt unter: Versicherung, Altersvorsorge

Deutsche Sparer haben den Charme der Riester-Rente entdeckt.

Rund zwei Millionen Verträge sind bis 31.März abgeschlossen worden.

Das entspricht einer Verdoppelung binnen 18 Monaten, zeigen Daten des BVI.

Hoffentlich haben sich die Kunden vor ihrer Unterschrift gut informiert über die Vertragsdetails, denn die Qualitätsunterschiede der Angebote sind riesig.

Das belegt eine aktuelle Studie der Frankfurt School of Finance&Management. Zudem mangelt es an Transparenz.

“Es ist fast aussichtslos für Kunden, sich in den Vertragsunterlagen einen Überblick über die Gebühren zu verschaffen. Es ist zu komplex”, sagt Uwe Wystup, Vorstand des Analysehauses.

Er hat zusammen mit seinem Kollegen Andreas Weber vier repräsentative Beispiele von Riester-Rentenverträgen analysiert: “DWS Riester-Rente Premium”, “Axa TwinStar Rente Invest”, “Nürnberger Fondsgebundene Zulagen-Rente Doppel-Invest” und “Allianz Riester-Rente mit Fonds und Garantie”.

Die Untersuchung wurde von der DWS und der Axa in Auftrag gegeben und bezahlt.

“Auf dem Markt gibt es noch bessere und auch schlechtere Produkte als diese vier”, sagt Wystup, der Sparern den Abschluss einer Riester-Police empfiehlt, allerdings erst nach einem Beratungsgespräch mit einem unabhängigen Experten und der Lektüre von einschlägigen Testberichten.

Wie schwierig es ist, die Höhe der Gebühren zu erfassen, merkte Wystup selbst. “Nach meiner ersten Berechnung erklärte Axa, dass ich nicht die korrekten Daten gehabt hätte”, sagt der Wissenschaftler.

“Die mir dann gelieferten Gebührensätze, die durch jährliche Gutschriften niedriger ausfallen, werden dem Kunden bedauerlicherweise vertraglich nicht ausdrücklich mitgeteilt”, so Wystup. “Dabei trägt die Gebührenstruktur entscheidend zum Anlageerfolg bei.”

Die Untersuchung simulierte über einen Anlagehorizont von 35 Jahren die Verteilung des Kapitals, das bei Renteneintritt zur Verfügung steht.

Es wurden optimistische, pessimistische und gemischte Szenarien durchgerechnet. Unterstellt wurde ein Monatsbeitrag von 100 Euro bei einem Jahresgehalt von 30.000 Euro. Dazu kommt die jährliche staatliche Zulage von 154 Euro plus 185 Euro für jedes Kind.

Die Studie betrachtete zwei Kundentypen: der eine ist kinderlos, der andere hat ein Kind im Alter von zwei Jahren. Deutlich wurde zum Beispiel, dass die Zulage für das Kind dem Kunden kaum zugute kommt, sondern als Provision abfließen.

“Die Kinderzulage finanziert damit im Wesentlichen den Anbieter und kommt nicht dem Sparer zugute”, sagt Wystup. Zur Erklärung: Um die Sparer zu unterstützen, gewährt der Staat Zulagen - für den Riestersparer selbst als auch für eventuell vorhandene Kinder.

In dem Fallbeispiel zahlt der Kunde je nach Produkt zwischen 42.000 Euro und 43.830 Euro ein- davon gehen jedoch satte Gebühren an den Anbieter.

So kommt es, dass von den 42.000 Euro bei der DWS tatsächlich noch 39.743 Euro in das Produkt fließen. Beim Allianz-Angebot bleiben von 42.549 Euro noch 38.399 Euro, bei der Axa von 42.000 noch 37.292 Euro und bei der Nürnberger schrumpft der Anlagebetrag von 43.830Euro auf 36.890 Euro. Der Quotient aus eingezahltem und verwendetem Kapital schwankt damit zwischen 92,7 Prozent bei der DWS und 83,4 Prozent bei der Nürnberger.

Je näher der Quotient bei 100 Prozent liegt, desto weniger Gebühren fallen an.

Die Anlagestrategien und hier vor allem die Aktienquoten bei den vier Produkten unterscheiden sich erheblich. Das führt zu sehr unterschiedlichen Kapitalauszahlungen: Unterstellt man für die Laufzeit stark steigende Aktienmärkte ergeben sich Kapitalauszahlungen zwischen 128.000 und 234.000 Euro.

Entwickeln sich die Börsen durchschnittlich, schwankt die Auszahlungssumme je nach Produkt zwischen 83000 und 121000 Euro. Würden die kommenden 35 Jahre vornehmlich von fallenden Kursen geprägt sein, dann liegen die Riester-Renten zwischen 61.000 und 69.000 Euro, so das Ergebnis der Studie, die im Internet eingesehen werden kann.
____________
Quelle: M.Zydra





New York Insurance Exchange
Montag Juli 21st 2008, 8:07 am
Abgelegt unter: Versicherung

Der Staat New York will die seit 21 Jahren geschlossene New York Insurance Exchange wiederbeleben.

Der Vorstoß ist ein Versuch, dem Versicherungsmarkt Lloyd’s of London Konkurrenz zu machen - und Bermuda.

Versicherungsaufseher Eric Dinallo sagte, schon Ende 2009 könne der Marktplatz für Versicherungs- und Rückversicherungsdeckungen erneut funktionsfähig sein.

In einem solchen Markt können Anleger und Versicherer sich in Gruppen - sogenannten Syndikaten - zusammenschließen und große Risiken leichter übernehmen.

Lloyd’s of London gilt weltweit als bedeutender Umschlagplatz für Versicherungsdeckungen.

Selbst Größen wie Allianz oder Münchener Rück machen über London Geschäfte. Die USA sind der wichtigste Markt für Lloyd’s.

Mit seinem Engagement will Dinallo auch einen Teil des nach Bermuda gehenden Kapitals in New York halten und die Stadt als Versicherungsstandort stärken.

Bermuda hat sich dank günstiger Steuergesetzgebung zum größten Versicherungs- und Rückversicherungszentrum Nordamerikas entwickelt - das Kapital stammt fast ausschließlich von US-Investoren.

Prominente US-Politiker haben dem Versicherungsstandort Bermuda den Kampf angesagt. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat mehrfach bekräftigt, gegen Steueroasen vorgehen zu wollen, und die Inselgruppe im Atlantik explizit erwähnt.

Der New Yorker Versicherungsexperte David Schiff geht davon aus, dass die Initiative Dinallos auf Investoren und Versicherer zurückgeht.

“Offenbar haben Versicherer Dinallo zu erkennen gegeben, dass es einen Bedarf dafür gibt”, sagte Schiff, der die Fachzeitschrift “Schiff’s Insurance Observer” herausgibt. Die Initiative sei erfolgversprechend: “Heute sind die Rahmenbedingungen besser als in den 80er-Jahren.”

Die alte Insurance Exchange war 1980 mit einer gewaltigen PR-Aktion und dem ausdrücklichen Ziel gegründet worden, Lloyd’s das Wasser abzugraben.

Die Struktur war ähnlich wie die in London: Versicherungskapazität wurde von Syndikaten aus Investoren und Versicherern zur Verfügung gestellt, die einen entsprechenden Sicherungsfonds füttern mussten; die Geschäfte vermittelten speziell zugelassene Makler.

Die Gesetze, auf denen die 1980 in New York gegründete und 1987 geschlossene Börse beruhte, seien noch gültig, sagte Dinallo.

Er glaubt, dass Hedge-Fonds, Private Equity und Investmentbanken großes Interesse an einem Versicherungsmarkt in New York haben könnten. Sie würden in einem Feld investieren, dessen Risikostruktur kaum mit ihren Anlagerisiken korreliert.

Wegen des gescheiterten Versuchs in den 80er-Jahren sind US-Experten heute vorsichtiger, wenn es um direkte Konkurrenz zu Lloyd’s geht. Angesichts der Größe von Lloyd’s wertet Schiff den Vorstoß nicht als direkten Angriff. “Es würde lange dauern, bis der neue Markt zum Rivalen von Lloyd’s werden könnte.”

In der äußerst schwierigen Marktphase ab 1985 hatte sich herausgestellt, dass die Syndikate der alten New York Insurance Exchange zu unerfahren und nicht ausreichend kapitalisiert waren. Sie hatten Geschäfte zu unzureichenden Bedingungen akzeptiert. Die Börse machte 1985 und 1986 schwere Verluste.

Acht Syndikate wurden 1987 zahlungsunfähig, zehn Syndikate - darunter die von Allianz und Axa geführten - verließen im selben Jahr den Markt. Am 23. November 1987 beschlossen die Mitglieder der New York Insurance Exchange, keine neuen Risiken mehr zu akzeptieren und das bestehende Geschäft abzuwickeln.

In ihrem besten Jahr 1984 hatte die Börse Prämieneinnahmen von 345 Mio. $.
____________________
Quelle: S.Bräuer/H.Fromme









Home 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39
40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76
77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109