Steuerhinterziehung: Schrauben-Milliardär Würth
Samstag März 29th 2008, 4:25 pm
Abgelegt unter: Steuer, Tagesthemen

Wieder ein prominenter Topmanager im Visier des Fiskus – und diesmal könnte der Ansehensverlust sogar den von Klaus Zumwinkel in den Schatten stellen.

Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den Unternehmer Reinhold Würth.

Das Verfahren läuft bereits sehr mehr als einem Jahr.

Nach Informationen werfen die Ermittler Würth und fünf weiteren Personen aus dem Umfeld des Konzerns mit Sitz im baden-württembergischen Künzelsau vor, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen oder Beihilfe dazu geleistet haben.

Würth ist einer der vermögendsten Deutschen und als Kunst-Mäzen bekannt.

Sein geschätztes Vermögen von fünf Milliarden Euro bringt ihn auf Platz acht im deutschen Reichen-Ranking.

Beanstandet wird vor allem die Vermengung privater und geschäftlicher Aufwendungen sowie fragwürdige Verrechnungen zwischen inländischen und ausländischen Konzernteilen.

Argwohn weckt bei den Ermittlern die Reinhold-Würth-Stiftung im schweizerischen Chur.

Eben dort ist auch die Würth International AG ansässig, über die ausländische Tochtergesellschaften des Unternehmens gehalten würden.

Seit Monaten feilschen die Anwälte des Unternehmers und die Stuttgarter Oberstaatsanwältin Annette Jarke um die exakte Höhe der möglicherweise hinterzogenen Steuern, weil beide Parteien die betreffenden Gesetze unterschiedlich auslegen.

Unabhängig davon wollen Würths Anwälte verhindern, dass es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung vor Gericht kommt.

Sie streben einen Strafbefehl an, der maximal eine Strafe von einem Jahr auf Bewährung und eine Geldstrafe zulässt. In Würths Fall ist die Rede von einer Geldbuße von rund 40 Millionen Euro. Keiner der Beteiligten will sich derzeit zu dem Verfahren äußern.

Das Unternehmen ist in seiner 60-jährigen Firmengeschichte vom Zwei-Mann-Betrieb zum Global Player aufgestiegen: Unter der Führung von Reinhold Würth wurde aus einem Schraubenhandel ein Weltmarktführer mit mehr als 100.000 Produkten für Befestigungs- und Montagetechnik. Dazu gehören Schrauben und Schraubenzubehör, Dübel, Werkzeuge und chemisch-technische Produkte, Möbel- und Baubeschläge, Arbeitsschutzkleidung.

Sollten sich die Vorwürfe als richtig erweisen, könnte der Fall sogar die Zumwinkel-Affäre in den Schatten stellen.

Der Fall Würth dürfte nach dieser Affäre umso größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Selfmade-Unternehmer genießt bislang in der Öffentlichkeit hohes Ansehen wegen seines Engagements für das Gemeinwohl und seine Spendenbereitschaft.

Nach einer ersten Durchsuchung der Steuerfahndung im September 2006 hatte er sich gegen die Anschuldigungen gewehrt. Es gehe allenfalls um Nachlässigkeiten bei Abrechnungen, hatte er seinerzeit betont.

Nach einem Bericht droht Würth neben dem Steuerstrafverfahren im nächsten Jahrzehnt eine Milliardenzahlung an Erbersatzsteuer, da für die von Würth in den achtziger Jahren gegründeten Familienstiftungen die steuerliche Schonfrist ablaufe.

Dies löse in der Regierung Baden-Württembergs die Sorge nach einer Unternehmensverlagerung des Konzerns aus Künzelsau (Hohenlohe-Kreis) aus. “Eine Katastrophe für die ganze Gegend, wenn uns der Würth abhaut”, sagte ein Landesminister.

Sogar Hessen mache dem Milliardär Avancen für einen zukünftigen Sitz der in Deutschland gelegenen Würth-Familien-Stiftungen.


Quelle: mik/ddp




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