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Viele wissen nicht von ihrem Anrecht auf ein Stipendium
Das neue Studiensemester steht vor der Tür. Aber nicht alle, die studieren wollen, können sich das leisten. Doch gleich aufzugeben, wäre falsch. Denn Beratungsstellen an den Universitäten helfen und unterstützen.
Was in angelsächsischen Ländern wegen der hohen Studiengebühren – in den Vereinigten Staaten betragen diese an staatlichen Universitäten bis zu 10 000 Dollar pro Jahr – gang und gäbe ist, nämlich bei einer Bank einen Kredit für sein Studium aufnehmen, wird in der Schweiz selten praktiziert.
Banken winken in der Regel ab, wenn man sie nach einem finanziellen Vorschuss für das Studium fragt.
“Das Konsumkreditgesetz von 2003 hat die Bedeutung von Ausbildungskrediten stark vermindert”, sagt Pascal Faessli von der Aargauischen Kantonalbank. Früher seien solche Kredite gar propagiert worden, inzwischen aber verbiete sie das Konsumkreditgesetz.Ohne die Bürgschaft von Verwandten oder Bekannten könnten deshalb keine grösseren Geldbeträge an Studierende mit geringem Einkommen mehr ausbezahlt werden.
Gratis-Kreditkarten, spesenfreie Konti und andere Vergünstigungen sind die einzigen Angebote, die Banken Studierenden bieten können.
Mindestens 2500 Franken Einkommen netto im Monat sind indes beim Finanzierungsinstitut Mycredit.ch aus Kriens für einen Kredit vorzuweisen. “Machen wir nicht”, heisst es dagegen bei der westschweizerischen Firma Crédit Direct. Aber woher kommen die schätzungsweise 20 000 Franken, die ein Studierender an einer staatlichen Hochschule jährlich zum Leben braucht?
Der erste Schritt führt oft zum kantonalen Stipendienamt.
Wenn Eltern die Erstausbildung ihrer Kinder nicht ganz bezahlen können, kommt der Kanton mittels Stipendien und Darlehen für die Fehlbeträge auf. Pro Jahr zahlen die Kantone rund 280 Millionen Franken für Stipendien und 30 Millionen Franken als Darlehen. Universitäre Beratungsstellen bieten zusätzliche Hilfe, wenn der Kanton ein Nein ausgesprochen hat oder Eltern zwar zahlen können, aber nicht wollen.
Etwa 900 Studenten klopfen jedes Jahr an die Tür von Sabine Stocker von der Beratungsstelle für Studienfinanzierung an der Universität Zürich. Unter ihnen sind Schweizer wie auch ausländische Studierende, denen die Kantone nicht helfen. “Viele wissen nicht, dass sie einen Anspruch auf Stipendien haben, obwohl sie schon jahrelang an der Grenze leben”, sagt Stocker und fügt an, dass es sich bei Stipendien nicht um Almosen handele.
Die universitäre Beratungsstelle war es auch, die der deutschen Studentin Julia Lipps bei der Finanzierung ihres Studiums helfen konnte. In Heidelberg, wo sie bis vor einem Jahr Englisch, Spanisch und Musikwissenschaften studiert hat, lebte sie von einem Kredit einer Bank. Das deutsche Amt für Ausbildungsförderung hatte ihren Antrag auf Bafög (Bundesausbildungsförderungsgesetz) abgelehnt, obwohl Lipps nach wie vor davon überzeugt ist, ein Anrecht darauf zu haben.
“Am Ende des Studiums hätte ich ungefähr 25 000 Euro Schulden gehabt”, sagt sie. Die hiesige Stiftung zahle ihr dagegen 5000 Franken pro Semester für ihre Ausbildung – als Stipendium. Dafür stehe sie aber unter ziemlichem Leistungsdruck: “Eine Fünf oder Sechs pro Prüfung sollte es schon sein”, sagt Lipps und hofft, dass ihr Antrag auch für das kommende Halbjahr wieder angenommen wird. Den fehlenden Betrag verdient sich die Studentin als Nachhilfelehrerin.
In jedem Kanton funktioniert das Stipendienwesen allerdings anders.
Zurzeit wird eine Vereinbarung zur interkantonalen Harmonisierung der Ausbildungsbeiträge erarbeitet. Im Frühsommer haben zahlreiche Kantone den Entwurf dafür gutgeheissen. Denn noch immer zahlen die Kantone Stipendien nach eigenen Gesetzen und Richtlinien aus.
In puncto Darlehen sind die Regelungen ebenso verschieden: “Unsere Jungen sollen möglichst ohne Schulden in die Arbeitswelt starten”, sagt Pino Dettli vom Graubündner Stipendienamt. Obwohl seit dem vergangenen Jahr zinslose Darlehen von bis zu 15 000 Franken pro Jahr gewährt werden können, sei es wichtig, so Dettli, dass das Stipendienwesen gut ausgebaut sei.
Auch im Kanton Zürich hält man wenig davon, während der Ausbildung Schuldenberge anzuhäufen. Laut Ruth Meroni von der kantonalen Stipendienberatung sind im vergangenen Jahr nur 16 Darlehen von durchschnittlich 10 000 Franken ausbezahlt worden.
Im Gegensatz zum Kanton Bern, wo ab dem vierten Studienjahr ein Drittel des beantragten Fehlbetrags als verzinstes Darlehen beigesteuert wird, erhalten Zürcher nur für eine Zweitausbildung wie ein Nachdiplomstudium einen staatlichen Vorschuss.
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Quelle: R.Wiederkehr
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