Scheichs auf Einkaufstour wohin mit dem Reichtum

Vom Wachsfigurenkabinett über die Wasserfirma bis zu kompletten Börsen: Arabische Investoren kaufen sich derzeit in nahezu alle Branchen ein.

So gemütlich es auch an der Börse Dubai aussieht – der Finanzmarkt am Persischen Golf wirbelt derzeit ordentlich die internationale Finanzwelt durcheinander. Gemeinsam mit der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq will sich Dubai den skandinavischen Börsenbetreiber OMX einverleiben. Zuletzt erhöhten die beiden Börsen ihr Gebot deutlich auf 4,9 Mrd. $. Beteiligungen von Investoren aus dem Nahen Osten bei europäischen Unternehmen sind jedoch nicht neu.

So kaufte sich das Emirat Kuwait bereits 1974 beim schwäbischen Autobauer Daimler ein. Die Kuwaiter gelten dort als angenehme Aktionäre, da sie im Gegensatz zu manchem Hedge-Fonds und Private-Equity-Unternehmen nie öffentlich in Erscheinung treten. 2004 beteiligte sich auch der staatliche Finanzinvestor Dubai International Capital (DIC) mit fast 1 Mrd. $ und bescherte Daimler eine Wertsteigerung von mehr als 300 Mio $. Knapp acht Prozent gehören Kuwait auch am Maschinenbauer Gea, der unter anderem mit der Produktion von Doppelsitzventilen einen Jahresumsatz von rund 4,3 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Schon in den 80er Jahren stieg die staatliche Kuwait Petroleum Corporation mit zunächst 25 Prozent beim deutschen Hoechst-Konzern ein, der später im Pharmariesen Aventis aufging. Die feindliche Übernahme durch den französischen Konkurrenten Sanofi ermöglichte Kuwait Petroleum durch den Verkauf von 13,5 Prozent seiner Aktien, inzwischen ist der Konzern ganz bei Sanofi-Aventis ausgestiegen.

Ein geschäftstüchtiges Emirat ist auch Katar. Die staatliche Investmentgesellschaft Qatar Investment Authority kaufte sich beim französischen Medien- und Rüstungskonzern Lagardère ein, der unter anderem die Musikladenkette Virgin Megastores betreibt. Katar erhöhte kürzlich seine Anteile an OMX auf 9,98 Prozent – und könnte nun die Übernahmepläne von Nasdaq und Börse Dubai durchkreuzen.

Als Weißer Ritter trat der saudische Prinz al-Walid Bin Talal im Januar 2006 bei der kanadischen Hotelkette Fairmont auf. Für 4,5 Mrd. $ kaufte er Fairmont gemeinsam mit der US-Investmentfirma Colony Capital – und rettete sie so vor dem Zugriff des umstrittenen Investors Carl Icahn.

Besonders umtriebig ist immer wieder die DIC aus Dubai. Im März 2005 kauften die staatlichen Investoren für 1,5 Mrd. $ die Tussauds Group, die unter anderem das bekannte Wachsfigurenkabinett in London betreibt. Inzwischen wurde Tussauds weiterverkauft – an die Beteiligungsgesellschaft Blackstone. Der Mann mit dem Geld: Sheich Mohammed Bin Rashid al-Maktoum, Kronprinz von Dubai, versucht mit zahlreichen Investitionen, die Abhängigkeit seines Landes vom Öl zu reduzieren. Als Ziel hat “Scheich Mo” vorgegeben, DIC solle größer als Microsoft werden.

Für 675 Mio. Pfund kaufte DIC im August 2006 das britische Unternehmehn Travelodge. Die nach eigenen Angaben am schnellsten wachsende Hotelkette Großbritanniens hat bereits Erfahrungen mit Investoren: Zuvor gehörte Travelodge der Private-Equity-Gesellschaft Permira.
Einen seiner letzten Zukäufe tätigte DIC in der Entertainmentbranche: Für 5,1 Mrd. $ erwarben die Investoren aus Dubai zehn Prozent am US-Casinobetreiber MGM. Der MGM-Kurs ist seitdem deutlich gestiegen.

Nicht nur DIC investiert von Dubai aus weltweit in Unternehmen. Der staatliche Hafenbetreiber Dubai Ports World kaufte im März 2006 für 3,9 Mrd. Pfund den britischen Konkurrenten P&O. In den USA provozierte das Geschäft massive Proteste, weil P&O auch sechs US-Häfen gehören – und amerikanische Politiker im arabischen Betreiber ein Sicherheitsrisiko sahen. Dubai Ports gab die Häfen an einen US-Investor weiter.

Ein besonders prestigeträchtiges Investitionsobjekt fand der Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi: Im August 2005 kaufte Mubadala fünf Prozent am italienischen Sportwagenhersteller Ferrari. Das Geschäft bezeichnete man wenig bescheiden als “Beginn einer Partnerschaft zwischen zwei Weltklassemarken”.

Selbst britisches Wasser wird inzwischen von arabischen Investoren vermarktet. Die in Bahrain ansässige First Islamic Investment Bank übernahm Ende 2004 für 237 Mio. Pfund die britische Wasergesellschaft South Staffordshire.

Auch an der größten Privatisierung in der türkischen Geschichte waren arabische Investoren beteiligt. Ende 2005 übernahm die saudisch-libanesische Oger Telecom für 6,6 Mrd. $ die Türk Telekom.. Oger gehört der Familie des ermordeten libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri und investiert auch ins Bau- und IT-Geschäft.