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Polizeifunk - 4,5 Mrd. Euro für nächste Fehlentscheidung
Montag Dezember 17th 2007, 11:42 am
Abgelegt unter: Finanzen und Wirtschaft

T-Systems hofft, das Netz für den digitalen Polizeifunk in Deutschland betreiben zu dürfen. “Wir haben uns an dem Wettbewerb beteiligt und sind gut aufgestellt”, sagte ein Sprecher der Telekom-Geschäftskundensparte.

Die Ausschreibung hat vergangenen Freitag begonnen, der Auftrag soll voraussichtlich Anfang 2009 vergeben werden.

T-Systems ist wie Siemens bereits Subunternehmer des deutsch-französischen Konzerns EADS, der das Netz derzeit übergangsweise betreibt. Zudem verantwortet EADS den technischen Aufbau des digitalen Funknetzes zusammen mit Siemens.

T-Systems und Siemens werden bei dem Großprojekt die besten Chancen für den Zuschlag eingeräumt – nicht zuletzt wegen des mangelnden Wettbewerbs.

Deutschland ist in Europa – neben Albanien – der einzige Nachzügler beim Aufbau eines digitalen Funks, mit dem Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr abhörsicher kommunizieren können sollen.

Das System wird bereits seit Mitte der 90er-Jahre von Polizei und Feuerwehr gefordert und sollte spätestens zur Fußball-WM 2006 einsatzfähig sein.

Fehlentscheidungen des damaligen Innenministers Otto Schily verhinderten das jedoch:

Der Auftrag war zunächst ohne Ausschreibung an die Bahn-Tochter DB Telematik vergeben worden, ihr jedoch wegen Kostensteigerungen im Herbst 2006 wieder entzogen worden.

Nun soll für geschätzte 4,5 Mrd. Euro ein bundesweites Rumpfnetz, das praktisch nur in Ballungsräumen funktioniert, errichtet werden – mit dem Funkstandard Tetra.

Die Entscheidung für Tetra ist umstritten: Das Netz gilt als leistungsschwach, aber teuer. So erreicht es bei der Datenübertragung gewöhnlich nur 28,8 Kilobit pro Sekunde, heutige Mobilfunknetze sind 125 mal schneller. So werden deutsche Polizisten über Tetra telefonieren können, Multimedia-Dienste werden ihnen indes mobil versagt bleiben.

Einen Funkstandard auf Basis der existierenden digitalen Mobilfunknetze hatte die Politik hingegen abgelehnt, so auch ein Angebot von Vodafone: Ein britisches Unternehmen sollte keinen deutschen Polizeifunk betreiben.

Der Mobilfunker kritisierte die Entscheidung scharf:

“Wem nützt die Hoheit des Staats über ein neu gebautes Netz, wenn dieses große Flächen überhaupt nicht abdeckt und in Häusern zu schwach ist, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten”, fragte Hartmut Kremling, Vodafone-Technik-Chef. “Die Wirtschaftlichkeit des Netzes ist fraglich. Allein die Wartung wird so viel kosten, wie der Gesamtbetrieb in einem leistungsfähigeren Mobilfunknetz”, sagte Kremling weiter.

Auch der US-Konzern Motorola, der als Marktführer weltweit 55 Digitalfunknetze betreibt, war einst DB Telematik unterlegen und geht nun nicht mehr an den Start.

Das Netz mit 500.000 Teilnehmern wird das weltweit größte sein. Allerdings ist nicht klar, wann genau der Betrieb starten kann. Ziel ist das Jahr 2010. “Der Zeitplan ist tough”, hieß es aus dem T-Systems-Umfeld der Dienstleistungs-Sparte der Deutschen Telekom.

In den 4,5 Mrd. Euro sind die benötigten neuen Geräte nicht mit eingerechnet. Motorola erwägt eine Bewerbung, wenn die Endgerätvergabe ausgeschrieben wird.


Quelle: A.Maier/ V.Müller




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