Preiskampf in der Reisebranche
Freitag Januar 02nd 2009, 7:02 am
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Tagesthemen
Die Reisebranche hat ein gutes Jahr hinter sich.
Die Umsätze und Erträge der Veranstalter sind teils kräftig gestiegen.
Auch viele Reisebüros haben davon ordentlich profitiert.
Die Schließungswelle jedoch hält an, weil Direktvermarkter und das Internet dem stationären Vertrieb das Überleben erschweren.
Bessere Zeiten sind nicht in Sicht. Die Wirtschaftskrise schlägt zunehmend auch aufs Reisegeschäft durch. Die deutschen Reiseweltmeister beginnen, an den schönsten Wochen des Jahres zu sparen.
Man reist etwas kürzer, gibt weniger aus, verschiebt den Zweit- oder Dritturlaub oder die teure Fernreise.
Die Folgen: Besonders Anbieter im mittleren Preissegment bekommen jetzt Probleme.
Denn wie in anderen Branchen spaltet sich der Reisemarkt verstärkt ins Luxussegment, wo es vermögenden Kunden auf ein paar Euro mehr nicht ankommt, und in Billigangebote, wo tatsächlich schon ein paar Cent weniger den Ausschlag bei der Buchung geben.
Die nächste Schnäppchenjagd für Verbraucher könnte schon bald beginnen.
Die größten Veranstalter TUI und Thomas Cook haben ihre Flug- und Hotelkontingente zwar in den vergangenen Jahren gestrafft, um den Preisverfall zu bremsen. Dafür aber haben sich aggressive Konkurrenten freie Kapazitäten geschnappt. Einige der Wettbewerber versuchen, um jeden Preis Marktanteile zu gewinnen.
Die Folge könnte schnell eine rabiate Preisschlacht sein.
Zumal die etablierten Anbieter vermutlich bald feststellen, dass sich die kräftig erhöhten Katalogpreise angesichts knapper Reisekassen nicht durchsetzen lassen. Wer als Kunde abwartet und sich nicht von Frühbucher-Rabatten verführen lässt, könnte dann günstige Schnäppchen machen.
Das gilt nicht zuletzt für das boomende Geschäft mit Kreuzfahrten, dem größten Wachstumsmotor der Branche. Immer mehr und größere Schiffe werben um Gäste, das Preis-Leistungsverhältnis wird für geschickte Bucher immer besser.
Wer rechnen kann und zeitlich flexibel ist, dem bietet die globalisierte Reiseindustrie auch in der Krise bezahlbare Erholung auf hohem Niveau.
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Quelle: Th.Wüpper
Bei den Reichen sitzt das Geld nicht mehr locker
Mittwoch Dezember 31st 2008, 9:46 am
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Tagesthemen
Die Rezession erreicht die sonst so krisenresistente Luxusindustrie.
Selbst die Wohlhabenden und Reichen schauen angesichts der Flaute stärker aufs Geld und halten sich bei Luxusartikeln von Haute Couture über Edeluhren bis zu Schmuck zurück.
Erste Häuser fahren ihre Produktion zurück. Selbst Entlassungen sind in der erfolgsverwöhnten Branche kein Tabu mehr.
“Die Krise ist für die Branche die schwerste, die sie seit Jahrzehnten erlebt”, sagt Annie Girac, Beraterin des Kreditversicherers Euler Hermes.
“Binnen eines Jahres haben auch sehr solide Gruppen wie Richemont (Cartier, Montblanc) oder die französische LVHM (Vuitton, Gucci) 40 Prozent ihres Börsenwertes verloren”, sagt ein Analyst einer Pariser Geschäftsbank. “Das hat es noch nie gegeben.”
Seit Oktober gehe es dramatisch bergab.
So warnt der italienische Juwelier Bulgari vor einem Gewinnrückgang und der US-Konkurrent Tiffany vor Entlassungen nach dem Geschäftseinbruch im dritten Quartal. Der französische Mode- und Parfüm-Hersteller Chanel ist bereits zur Tat geschritten: 200 Mitarbeiter mit befristeten Verträgen müssen dort laut französischen Gewerkschaften gehen.
Besonders betroffen seien die Bereiche Parfüm, Kosmetika und Leder-Accessoires, sagt der Manuel Blanco von der Gewerkschaft CGT. Ihm zufolge erwartet Chanel dieses Jahr ein Nullwachstum.
Auch das Weihnachtsgeschäft hat es nicht herausgerissen.
„Normalerweise touren derzeit die Ehefrauen der russischen Oligarchen mit ihren Freundinnen durch die europäischen Hauptstädte“, sagte ein Vertreter einer bekannten Pariser Marke diese Woche der Zeitung Le Parisien. “Dieses Jahr haben sie durch ihre Abwesenheit geglänzt.” Im nächsten Jahr dürfte es noch schlimmer kommen.
Die US-Bank JP Morgan rechnet damit, dass die Branche nach Wachstumsraten von bisher über zehn Prozent 2009 mit einem Rückgang von vier Prozent abschließen wird. Die Deutsche Bank geht für einzelne Bereiche gar von einem Minus von zehn bis 15 Prozent aus.
“Die Krise trifft nicht alle Länder und alle Produkte auf dieselbe Weise”, sagt Branchenanalyst Emmanuel Bruley des Varannes von der französischen Bank Société Générale. So sei der japanische Markt durch die Rezession besonders stark betroffen. Dort fielen die Umsätze der Gucci-Mutter LVMH um sieben Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres. Auch Preissenkungen für die wohlhabende Kundschaft konnten dies nicht aufhalten. Vor Weihnachten begruben die Franzosen dann den Plan, in Tokio eine der größten Vuitton-Boutiquen der Welt zu eröffnen.
Besonders stark litten auch die meist in der Schweiz ansässigen Edel-Uhrenhersteller.
So seien die Uhrenausfuhren der Eidgenossen im November um mehr als 15 Prozent eingebrochen. In den USA ist dem Show Business und den nun vielfach gefeuerten Golden Boys aus den Finanzhäusern die Lust aufs Feiern offenbar vergangenen: Frankreichs Ausfuhren von Champagner in die Vereinigten Staaten stürzten zuletzt um 17 Prozent.
Der auf edle Bestecke und Tischdekoration spezialisierte Hersteller Christofle fährt derweil die Produktion zurück, wie Marketing-Chef Julien Rousseau sagt. Auf die üblichen Preiserhöhungen zu Jahresbeginn werde zudem verzichtet. Doch viel Spielraum beim Preis hätten die Luxushäuser nicht, sagt Analyst Bruley des Varannes. Wer Preise senke, komme schnell in den Verruf “billig” zu sein. “Das könnte das Image beschädigen.”
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Quelle: afp/mel