Deutsche sind fleißig am Klauen
Donnerstag November 27th 2008, 7:49 pm
Abgelegt unter: Tagesthemen

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird der sogenannte Fünffingerrabatt zu einer Belastung für den Handel und die Verbraucher.

Das ist das Ergebnis des zweiten Globalen Diebstahlbarometers vom Centre for Retail Research, Nottingham (Großbritannien).

Der Studie liegen Antworten von 920 Einzelhandelsunternehmen mit 116.000 Geschäften und zusammen 554 Milliarden Euro Umsatz aus Amerika, Europa und Asien zugrunde.

In Deutschland hat sich danach ein Anstieg der Schwundrate im Einzelhandel auf 4,7 Milliarden Euro ergeben.

Das entspricht gut einem Prozent des Umsatzes des deutschen Einzelhandels. Das klingt wenig. Wenn man aber bedenkt, dass viele Händler nur 0,5 Prozent Gewinn erwirtschaften, entscheidet die Diebstahlquote über Gewinn oder Verlust eines Geschäftes.

Die Kosten von Warenschwund im Einzelhandel haben nicht nur die Einzelhändler zu tragen. Sie belasten die Verbraucher sowie die Gesellschaft insgesamt.

Gerade die Kosten für Warensicherung steigen immer mehr.

Während international der Umsatzverlust durch Warendiebstahl der Kunden und Mitarbeiter mit 71,2 Milliarden Euro im Jahresvergleich um 1,5 Prozent gesunken ist, sind die Belastungen des Einzelhandels durch und gegen Warenschwund innerhalb der vergangenen zwölf Monate um mehr als 3 Milliarden Euro auf 76,8 Milliarden Euro gestiegen.

Die Kosten beinhalten neben dem Warenschwund (durch Kunden- und Mitarbeiterdiebstahl) die Aufwendungen für Sicherungsmaßnahmen. Der Gesamtaufwand für Diebstahl und Diebstahlsicherung repräsentiert eine Art Steuer von 52 Euro je Person in den 36 erfassten Ländern.

Während in Nord- und Lateinamerika die Mitarbeiter viel stehlen oder dank der strengeren Überwachung häufiger erwischt werden (46 beziehungsweise 42 Prozent der Diebstahlsverluste), sind es in Europa vor allem die Kunden, die Waren mitnehmen.

In Deutschland sind die Kunden für 53,2 Prozent des Schadens verantwortlich, sie lassen Waren im Wert von 2,5 Milliarden Euro mitgehen – bei einem Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels (ohne Kraftfahrzeughandel, Tankstellen und Apotheken) von annähernd 400 Milliarden Euro. Das EHI Retail Institut in Köln kam vor wenigen Wochen zu dem Ergebnis, dass die Kunden für 1,9 Milliarden Euro Waren stehlen.

Dichter beieinander liegen die Zahlen für den Mitarbeiterdiebstahl.

Durch ihn erleidet der Handel in Deutschland nach Angaben des EHI einen Verlust von 1 Milliarde Euro, nach Angaben des Centre for Retail Research von 1,3 Milliarden. 0,3 Milliarden Euro gehen auf das Konto von Lieferanten, also nicht korrekt ausgelieferter Ware, und 0,65 Milliarden Euro verschwinden aufgrund interner Fehler.

In Europa gibt es höhere Anteile unehrlicher Kunden nur noch in Österreich (56,5 Prozent) und in Griechenland (54,6 Prozent).

In Polen teilen sich die Diebstähle die Kunden und Mitarbeiter. Beide Personengruppen sind mit knapp 40 Prozent gleichmäßig an den Diebstählen beteiligt. Allerdings täuschen die Zahlen: Denn Mitarbeiter stehlen höhere Werte.

Ein in Deutschland erwischter Kunde hat im Durchschnitt Waren für 74 Euro geklaut. Einem erwischten Mitarbeiter kann man in der Regel die Entwendung von Waren im Wert von 2142 Euro nachweisen.

Wichtiger als das Aufdecken der Diebstähle ist für die Händler die Verhinderung.

Es wird daher immer mehr Geld für Sicherungssysteme ausgegeben. Bei Textilien funktioniert die Sicherung schon recht gut. Bei kleineren Produkten wie Lebensmitteln ist es aber schwer, Sicherungssysteme in das Produkt einzubauen. Auch die warenunabhängige Videoüberwachung ganzer Läden hat einen hohen Preis.

Nach Angaben des Einzelhandelsverbandes HDE gibt der deutsche Einzelhandel eine Milliarde Euro für Sicherungsmaßnahmen in den Geschäften aus.
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Quelle: G.Giersberg





Preisrutsch bei Lebenshaltungskosten
Donnerstag November 27th 2008, 6:13 pm
Abgelegt unter: Verbraucherschutz

Gute Nachrichten für alle Verbraucher.

Die rapide sinkenden Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflationsrate gedrückt – und zwar massiv.

Ein Preisrutsch bei Benzin und Lebensmitteln hat im November für die geringste Teuerung seit fast zwei Jahren gesorgt.

Die Verbraucherpreise stiegen nur noch um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch nach ersten Berechnungen mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit Dezember 2006.

Die Inflationsrate blieb damit erstmals seit Juni 2007 unter der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht. Im Oktober lag die Inflation mit 2,4 Prozent klar darüber.

Im Vergleich zum Vormonat sanken die Lebenshaltungskosten um 0,5 Prozent.

Die Teuerungsrate hat sich seit dem im Sommer erreichten 15-Jahres-Hoch von 3,3 Prozent mehr als halbiert. Sie wird Experten zufolge weiter nachlassen und sich im Jahresschnitt 2009 bei etwa einem Prozent einpendeln.

“Inflation ist nun kein Thema mehr”, sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. Die nachlassende Teuerung sei derzeit das beste Konjunkturprogramm. “Das stützt die Kaufkraft und damit den privaten Konsum”, sagte auch der Deutschland-Chefvolkswirt der Citigroup, Jürgen Michels. Das Konsumklima hatte sich deshalb zuletzt zwei Mal in Folge aufgehellt.

Entlastet wurden die Haushalte vor allem durch billige Kraftstoffe.

Benzin und Diesel kosteten nach ersten Daten aus sechs Bundesländern bis zu zehn Prozent weniger als im Oktober.

Heizöl verbilligte sich um bis zu 13 Prozent. Ausgelöst wurde der Preisrutsch durch billigeres Rohöl. Ein Fass kostet derzeit mit rund 50 Dollar fast 100 Dollar weniger als im Juli, weil die weltweite Konjunkturflaute die Nachfrage drückt.

Auch viele Lebensmittel waren günstiger zu haben. Milch, Sahne und Quark kosteten in Sachsen zwischen acht und zehn Prozent weniger als im Vormonat. Auch Butter, Obst und Gemüse wurden preiswerter.
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Quelle: Reuters/AFP









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