FinanzBlog24


Normal-Benzin verschwindet an der Zapfsäule
Freitag November 30th 2007, 8:23 pm
Abgelegt unter: Finanzen und Wirtschaft

Im Juni 2001 erregte eine Meldung die deutsche Automobilgemeinde: Die EU-Kommission wolle das Normalbenzin in Europa abschaffen. Eindeutig ein neuer Fall von Regulierungswahn, der vor allem den Normalbürger zusätzliches Geld kosten würde – den Aufpreis für Superbenzin.

Die Mineralölwirtschaft und die Automobilverbände hielten mit allerlei klugen Argumenten kräftig gegen die Abschaffung von “Normal”, und die EU fügte sich der Krawallwand aus Deutschland still.

Nun, gut sechseinhalb Jahre später, gehen die Tankstellenketten selbst daran, Normalbenzin aus dem Angebot zu kippen.

Dafür wenden sie einen Trick an:

Aral, Marktführer am deutschen Tankstellenmarkt, senkt den Preis für Superbenzin und gleicht ihn damit dem Normalbenzin an. Shell verringert die Differenz auf einen halben Cent je Liter.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Preise ohnehin immer weiter angenähert – bedingt auch durch die große Nachfrage nach europäischem Normalbenzin aus den USA.

Mit der Preissenkung wirbt sich Aral ins Herz des kleinen Mannes (respektive des Kleinwagenfahrers), der immer noch Normal tankt.

Bald gewöhnen sich die Autofahrer daran, dass es zwischen Normal und Super keinen Preisunterschied mehr gibt – auch nicht auf dem Weg nach oben.

Da kann man Normal dann gleich ganz abschaffen, denn Super ist ohnehin der höherwertige Sprit.

Die drohende Abschaffung von Normal liefert dem ADAC eine Topgeschichte für die Vorweihnachtszeit. Und sie macht Sinn.

Neue Benzinsorten drängen an den Markt, zum Beispiel Beimischungen von Ethanol und Biodiesel in konventionellem Sprit, so wie sie der Gesetzgeber vorschreibt. Auch höherwertige Super-Sorten – quasi der Formel-1-Sprit für die Innenstadt – sind trotz ihres hohen Preises in Deutschland ungemein gefragt. Außerdem bieten die Tankstellenketten in wachsendem Maß Erdgas und Flüssiggas an.

Modernere, bessere Kraftstoffsorten nützen dem Umweltschutz – sie senken den Verbrauch und enthalten weniger Schadstoffe.

Doch der Platz an den Tankstellen ist knapp und kostbar. Deshalb wird Normalbezin in absehbarer Zeit ausrangiert. Das ist in Ordnung so, denn “Normal” ist ein Anachronismus, obwohl noch immer fast ein Drittel des gesamten Benzinabsatzes in Deutschland darauf entfällt.

Für alle Autofahrer, die mit Normal auskommen und die beim Tanken auf den Cent achten, ist die Angleichung mit Super ärgerlich. Ein Ausweg bleibt ihnen aber immer noch: der Weg zur freien Tankstelle als Alternative zur Markenkette.

Nichts ärgert die Mineralölkonzerne so sehr wie abspenstige Kunden.
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Quelle: Olaf Preuß




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