Neue Münzen in GB - der Euro kommt uns nicht auf die Insel
Montag April 21st 2008, 10:03 am
Abgelegt unter: Tagesthemen

Die Briten bekommen neue Münzen: Nach einem halben Jahrhundert wird das Geld modernisiert – im exzentrischen Puzzle-Design.

Die eigentliche Botschaft aber geht an die EU-Nachbarn, denn milliardenfach wird in Metall geschlagen: Der Euro kommt nicht auf die Insel.

Seit mehr als 300 Jahren ziert sie das englische Pfund: Mit stoischem Blick, majestätischer Pose und Union Jack ist sie die weibliche Galionsfigur alles Britischen. Jetzt geht sie in Rente.

Nein, die Rede ist nicht von der Queen, obwohl die auch schon 56 Amts- und Münzjahre auf dem Buckel hat. Verschwinden wird Britannia, die Schutzgöttin der Insel, die bisher das 50-Pence-Stück zierte. Denn die britischen Münzen werden ab dem Sommer umgetauscht.

Die Traditionalisten sind darüber gar nicht so unglücklich, wie es zunächst scheint: Das neue Geld ist die beste Lebensversicherung für das Pfund – gegen den Euro.

Ab dem Sommer wird das königliche Wappenschild zu sehen sein. So weit, so langweilig. Auch bisher hatten auf den Münzen überall Kronen, Löwen und Rosen geprangt.

Doch das Wappen wird auseinander gebrochen. Wie in einem Puzzle wird jede Penny-Münze einen anderen Teil des Schilds zeigen.

Erst wer alle Geldstücke zusammenschiebt, sieht das ganze Bild.

Die neue Einpfundmünze zeigt des Rätsels Lösung: das komplette Wappen. Der siegreiche Designer, der Waliser Matthew Dent, ist gerade mal 26 Jahre jung. “Ich möchte, dass mein Design die Menschen erstaunt, unterhält und zum Lachen bringt”, so begründete er sein Puzzle-Design.

Die Entrüstung über den Witzbold vom Münzamt ließ nicht lange auf sich warten: Trotz des denkbar konventionellen Hauptmotivs hat er gleich mehrere ungeschriebene Regeln gebrochen. So verbannte ausgerechnet der Waliser Dent den Drachen, das Wappentier seines eigenen Landes.

Vor allem aber der Exitus der Britannia machte Schlagzeilen: Hoheitsvoll saß sie bisher mit Schlachthelm, Löwe und Dreizack auf der 50-Pence-Münze.

Schon im zweiten Jahrhundert nach Christus hatten die römischen Besatzer die Schutzgöttin der Insel auf ihre Münzen gehauen. König Charles II. holte sie im 17. Jahrhundert zurück. Sie ist die perfekte Personifizierung der Briten: stolz, steif, ohne Tadel – aber wehe, man schaut hinter die Gardine.

Modell für die Britannia saß damals nämlich Frances Theresa Stuart, die Mätresse des Königs. Ihre Liebesdienste zahlten sich in klingender Münze aus – bis 2008.

Vielleicht ist die Verbannung der 50-Pence-Konkubine aber nur vorläufig: Die Boulevardzeitung “Mail on Sunday”, Lautsprecher des britischen Nationalstolzes, gab sich empört. Die Redaktion schickte John Porteus, Leiter der Münzdesign-Kommission, eine lebende Britannia in voller Schlachtmontur ins Haus. Der bat den ungebetenen Besuch zum Tee und musste den “Mail”-Lesern versprechen, die Britannia bald auf eine Zweipfund-Sondermünze zu prägen.

Während es der Euro mit seinen großen Zahlen auf jedem Geldstück den Benutzern einfach macht, hat Dent auf Nummern ganz verzichtet. Nur in kleinen Buchstaben ist der Wert der jeweiligen Münze aufgeprägt.

Statt klarem Nutzwert herrscht hier verspieltes Design – das neue Pfund gibt sich quasi als Anti-Euro.

Die Touristen, die ab dem Sommer mit ungewohntem Geld umgehen müssen, werden den Designer noch verfluchen – denn ohne Lesebrille ist der Münzwert kaum zu erraten. Aber vielleicht ist das genau der Grund, warum sich die Aufregung schon nach einer Woche wieder gelegt hat.

Während europäische Touristen irritiert im Portemonnaie kramen werden, können sich die Briten ihrer Sache sicher sein: Der Euro ist erst einmal gebannt. Das königliche Münzamt teilte mit, das neue Design gelte “für eine lange Zeit in der absehbaren Zukunft”.

Die Queen hat übrigens ihren Segen zum neuen Geld gegeben. Ihr Porträt ist auch auf den neuen Münzen. Die alten Geldstücke bleiben weiterhin gültig und werden noch so lange herumgehen, bis die Briten eines Tages endlich den Euro annehmen.

Aber vorher kommt wohl doch die alte Britannia wieder.


Quelle: S.Marx




Keine Kommentare so far
Leave a comment



Einen Kommentar hinterlassen
Zeilen und Absätze brechen automatisch um, E-Mail-Adresse wird nie angezeigt, HTML erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

(notwendig)

(notwendig)