FinanzBlog24

Neue Betrugsmasche mit Immobilien
Sonntag Dezember 30th 2007, 9:30 pm
Abgelegt unter: Verbraucherschutz, Immobilie

Der Betrug mit Kapitalanlagen floriert wieder. Jetzt nutzen dubiose Anbieter von Schrottimmobilien die Furcht der Anleger vor der Abgeltungsteuer.

Das Jahr 2007 hat Anlegern Rekordverluste am grauen Kapitalmarkt beschert.

Mehr als 1,5 Mrd. Euro wurden durch die ZusammenbrĂŒche von Firmen wie der Göttinger Gruppe, der First Real Estate, der Global Swiss Capital und der Madrixx AG vernichtet, hat das Deutsche Institut fĂŒr Anlegerschutz (DIAS) errechnet.

“Der entstandene Schaden ist damit doppelt so hoch wie im Jahr 2006, als Anleger rund 750 Mio. Euro durch kriminelle Anbieter verloren”, sagt DIAS-Vorstand Volker Pietsch.

Trotz der Rekordwelle von Insolvenzverfahren dubioser Anleiheemittenten und Beteiligungsgesellschaften im Jahr 2007 rechnet Pietsch damit, dass auch im neuen Jahr kriminelle Anbieter unbedarfte Anleger um mehr als 1 Mrd. Euro bringen werden.

“Die 2009 in Kraft tretende Abgeltungsteuer ist jetzt das neue Thema, mit dem die Branche auf Dummenfang geht”, sagt Pietsch.

Nach Beobachtungen von DIAS vertrieben bereits jetzt eine Reihe in- und auslÀndischer Firmen Eigentumswohnungen mit dem Argument, deren WertzuwÀchse seien von der Abgeltungsteuer nicht betroffen.

Pietsch: “Wir erleben eine Renaissance des Schrottimmobilienbetrugs.”

Dies beobachtet auch der Berliner Anlegerschutzanwalt Walter SpĂ€th. “Anders als in den 90er-Jahren sind diesmal vermögende Privatanleger das Ziel der unseriösen Anbieter”, sagt er. In der vergangenen Dekade waren quasi wertlose Eigentumswohnungen samt den fĂŒr die Finanzierung nötigen Bankkrediten vor allem an Kleinanleger losgeschlagen worden.

Diesen wurde damals versprochen, dass die Mieteinnahmen ausreichen wĂŒrden, um Zins und Tilgung der Darlehen zu tragen und die Objekte bis zum Rentenalter abzuzahlen.

TatsĂ€chlich fielen die MietertrĂ€ge jedoch viel geringer aus als angekĂŒndigt. Manche Wohnungen erwiesen sich gar als unvermietbar. Dadurch wurde die wirtschaftliche Existenz zahlreicher Opfer zerstört.

Mehrere Anleger nahmen sich sogar das Leben.

“Jetzt versuchen Firmen, unrentable Eigentumswohnungen als Kapitalanlageinstrument entweder direkt oder ĂŒber geschlossene Immobilienfonds an vermögende Anleger zu verĂ€ußern”, sagt SpĂ€th. Die Vertriebe argumentierten, die beim spĂ€teren Verkauf erzielten Gewinne wĂŒrden nicht der Abgeltungsteuer unterliegen.

Das ist im Prinzip auch richtig.

Denn Profite aus ImmobilienverkÀufen sind in Deutschland steuerfrei, sofern die Objekte lÀnger als zehn Jahre gehalten wurden.

“Die Immobilien werden jedoch so teuer angeboten oder zu so hohen Preisen in die Fonds eingebracht, dass Wertsteigerungen vollkommen illusorisch sind”, warnt DIAS-Vorstand Pietsch. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anleger ĂŒberhaupt mit Gewinn verkaufen können, ist also ohnehin gering.

Die Objekte stammten grĂ¶ĂŸtenteils aus Portfolios, die von internationalen Finanzinvestoren an kleinere Unternehmen weitergereicht wurden. “Diese haben die Pakete weiter aufgeteilt und in Tranchen an noch kleinere Gesellschaften verĂ€ußert”, sagt SpĂ€th. AngelsĂ€chsische Private-Equity-Fonds haben in den vergangenen Jahren mehr als 700.000 Wohnungen in Deutschland erworben und bis zu 95 Prozent des Kaufpreises ĂŒber Darlehen finanziert.

Seit die Zinsen jedoch steigen, reichen die MietertrÀge oft nicht mehr aus, um nicht nur Zins und Tilgung zu bedienen, sondern obendrein noch einen Gewinn abzuwerfen.

“Die Finanzinvestoren der ersten Welle verabschieden sich, weil ihre Kreditstrategie nicht mehr die erhofften Erfolge zeigt”, sagt JĂŒrgen Michael Schick, VizeprĂ€sident des Immobilienverbands Deutschland.

Zudem hĂ€tten einige Beteiligungsgesellschaften den Instandhaltungsstau ĂŒberschĂ€tzt, sagt Frank Kammerer von der Berner Group, die sich auf die Analyse von Immobilienportfolios spezialisiert hat. “Sie haben die Objekte teilweise nur aus dem fahrenden Auto heraus besichtigt, jedoch nie nĂ€her in Augenschein genommen.”

Der MĂŒnchner Anlegerschutzanwalt Peter Mattil warnt Anleger davor, Eigentumswohnungen oder Anteile an geschlossenen Fonds allein auf der Basis von Hochglanzprospekten zu kaufen. “Renditeprognosen lassen sich ganz einfach schönen”, sagt Mattil.

“Selbst eine völlig heruntergekommene Wohnung lĂ€sst sich mit ein paar Eimern Farbe so herrichten, dass sie im Prospekt wie ein Apartment in Schöner Wohnen‘ aussieht.”

Anleger, die eine Eigentumswohnung zur Kapitalanlage erwerben wollen, sollten einen solchen Kauf nur in ihrer eigenen Stadt tĂ€tigen. “Jeder kennt an seinem Wohnort die Quartiere, die bei Mietern besonders begehrt sind”, sagt Mattil.

Dubiose Anbieter wĂŒrden sich hingegen dadurch auszeichnen, dass sie meist nur Eigentumswohnungen in weit entfernten Regionen anbieten. Mattil: “Wer in MĂŒnchen wohnt, hat keine Möglichkeit zu kontrollieren, ob ein Objekt in Kiel in einem guten oder schlechten Viertel liegt.”
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Quelle: R.Haimann




1 Kommentar so far
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Ich verstehe nicht, wie jemand eine Immobilie vom Prospekt kaufen kann ohne die Lage und die Umgebung und vor allem das Objekt genau zu kennen

Kommentar von wabe 12.30.07 @ 10:34 pm



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