Nach der guten Tat: Sofort abhauen
Samstag April 19th 2008, 3:21 pm
Abgelegt unter: Tagesthemen

Roger Crams Organisation “SSSSH” macht andere Menschen glücklich.

Die Mitglieder mähen fremde Rasen oder zahlen Unbekannten Kinokarten – aber alles völlig anonym.

FTD: Herr Cram, wann haben Sie zuletzt einen anderen Menschen glücklich gemacht?

Roger Cram: Vor zwei Tagen. Wir sind zu einem abgelegenen Parkplatz gefahren und haben dort drei schmutzige Wagen gewaschen.

Da hätte ich mich auch gefreut.

Klappt aber nicht immer. Vergangenes Jahr sahen wir ein Auto, das komplett voll Matsch war. Wir putzten es blitzblank. Normalerweise machen wir uns danach auf und davon. Aber diesmal wollten wir sehen, wie der Besitzer reagiert: Er rief die Polizei an und meldete den Wagen als gestohlen.

Sein Auto war so sauber, dass er es nicht erkannt hat.

Pfadfinder glauben: “Der wahre Weg, Glück zu erlangen, besteht darin, andere Menschen glücklich zu machen.” Finden Sie, das stimmt?

Das ist wahr, aber nicht das, was wir tun. Wir helfen Menschen nicht, um selbst glücklich zu werden, sondern um mehr Gutherzigkeit in die Welt zu bringen. Dass man davon selbst auch glücklich wird, ist nur ein angenehmer Nebeneffekt.

Ihre Organisation heißt SSSSH, Secret Society of Serendipitous Service to Hal. Was hat es damit auf sich?

Ich arbeite am Hiram College in Ohio. Nachdem 1986 ein Student namens Hal Reichle zu uns kam, begannen merkwürdige Dinge zu passieren: Plötzlich standen da Körbe mit Lebensmitteln für die Schüler. Ältere Damen kamen aus der Kirche, und ihr Rasen war frisch gemäht. Ich kam Hal in einer Winternacht auf die Schliche. Ich sah, wie er heimlich eine Hauseinfahrt vom Schnee freischaufelte. Ich habe ihm nie erzählt, dass ich von seinen heimlichen Taten wusste. 1991 starb Hal im ersten Golfkrieg. Ihm ist die Organisation gewidmet.

Wie viele Helfer haben Sie?

Wir haben über 40.000 Mitglieder auf der ganzen Welt. In der Schweiz, in Deutschland, Südafrika, Wien, den USA und Kanada. Untereinander kennen sie sich nicht. Wenn sie einem Menschen geholfen haben, schicken sie mir anonym eine E-Mail, in der sie die Tat beschreiben. An manchen Tagen bekomme ich 50 E-Mails, an manchen keine. Ich würde sagen, im Jahr sind es knapp 200.000 gute Taten.

Tun die Leute das, weil sie sich freuen, dass andere sich freuen?

Eine wichtige Regel von SSSSH lautet, dass man nach der guten Tat gleich verschwindet. Wir nennen das “ego-free compassion”. Ein Akt der Großzügigkeit gegenüber Fremden, bei denen man nicht direkt etwas zurückbekommt.

Und das fühlt sich gut an?

Viele Menschen erzählen mir, dass sie sich danach leer fühlen. Denn oft hilft man nur, weil man es schön findet, die Anerkennung dafür zu bekommen. Wer anonym hilft, kommt sich selbst ein Stück näher. Man sieht nicht, wie andere sich freuen. Man stellt es sich vor, hat glückliche Gedanken und freut sich darüber. Je öfter man das macht, desto zufriedener wird man.

Unbefugt fremde Grundstücke zu betreten, um dort Schnee zu schippen, kann teuer werden.

Richtig. Deshalb muss das jeder Einzelne abwägen. Einmal haben wir nachts in einem Garten Blumen gepflanzt. Damit die Nachbarn nicht die Polizei rufen, machen wir das vorher selbst. Manche Polizisten finden in Ordnung, was wir tun. Andere verbieten es uns. Aber meistens hilft es, mit der Polizei zusammenzuarbeiten.

Was machen Sie, wenn die Beschenkten die Blumen nicht mögen?

Das kann passieren. Einmal ging ich zur Heilsarmee, um eine Mitarbeiterin glücklich zu machen. Ich erzählte ihr, Hal Reichle hätte mich geschickt und ich sollte ihr von ihm Trinkgeld geben. Die Frau glaubte, das sei eine Anmache und wurde böse. So was passiert nicht oft, aber es kommt vor. SSSSH ist eben mehr als nur geben, es ist immer auch ein Abenteuer.

Was war Ihre spektakulärste Tat?

Wahrscheinlich diese Hochzeit. Ein Pärchen wollte heiraten, hatte aber kein Geld. Innerhalb von 72 Stunden haben wir eine 18.000-$- Hochzeit organisiert. Fast alle Dinge dort bestanden aus Spenden einzelner Helfer. Hundert Gäste waren geladen, es gab ein Hochzeitsauto und Champagner. Das Brautkleid wurde extra von Hand genäht, und es gab sogar eine Hochzeitsreise in die Karibik.


Interview : S.Abel




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[...] Gerade habe ich ein interessantes Interview über die Gute Tat auf dem Finaznblog24 gelesen: Roger Crams Organisation “SSSSH” macht andere Menschen glücklich. [...]

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