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Schon die Ankündigung des Deals wurde hochbejubelt:
Der schwächelnde Yahoo-Wert schoss hoch; der saturierte Microsoft-Konzern eilt sowieso von Rekord zu Rekord.
Selbst einige europäische Börsen bewegten sich nach oben - ursächlich nicht ganz nachvollziehbar, aber anscheinend in Ermangelung anderer Positivmeldungen.
Aus Sicht des Aktionärs macht ein Einstieg des weltgrößten Softwareanbieters bei der Suchmaschine Sinn. Und nicht nur, weil der im Vergleich zu Google abgeschlagene Yahoo-Suchmaschine jegliche Perspektive fehlte.
Wer wirft heutzutage schon Yahoo an, wenn er “googelt”, also im Internet sucht?
Auch für die große Microsoft-Shareholder-Community macht die Hereinnahme von Yahoo Sinn. Viele Dienste sind vorstellbar, wenn man sich Microsofts Cashcow, die Betriebssysteme, vorstellt, die künftig in Kombination mit dem wichtigsten Internet-Dienst, der Suche im Web, in Verbindung gebracht werden.
Spätestens bei diesem Punkt wird die Aktionärssicht von der Usersicht - beide Rollen sind häufig in einer Person vereint - überdeckt.
Die Marktmacht Microsofts ist vielen nicht egal, und die laufenden, anscheinend nie enden wollenden Marktmissbrauchsverfahren in der EU und den USA sprechen da eine beredte Sprache. Steve Ballmer, der Chef von Microsoft und langjährige Freund von Microsoft-Gründer Bill Gates, erwartet zwar keine Probleme bei einer Zusammenlegung, aber der Computernutzer, der leidvoll durch neue Betriebssysteme und ihre oft nicht vorhandene “Rückwärtskompatibilität” - ältere Programme werden vom neueren Betriebssystem nicht erkannt - gegangen ist, schon.
Das Argument, der im Vergleich zu Microsofts Börsenkapitalisierung viel kleinere Konkurrent Google habe in seinem Bereich, den Suchmaschinen, mittlerweile auch fast eine Monopolstellung, zieht da nicht wirklich.
Vielfalt ist es, was der vernetzten Gesellschaft gerne versprochen wird und was sie vorwärts bringt. Ob zwei Riesen - Microsoft/Yahoo auf der einen Seite und Google auf der anderen - diese Vielfalt unterstützen werden, ist mehr als fraglich.
Was droht, ist im Suchmaschinenbereich ein Duopol: Die Firmen bekämpfen einander bis aufs Messer; neue Anbieter können aber auch nicht hochkommen.
Dieses Szenario wird durch den Umstand noch realistischer, dass Microsoft mit seinem Dienst MSN ja bereits eine Suchmaschine besitzt. Diese lahmt zwar noch mehr als Yahoo, aber mit der finanziellen Potenz Microsofts lässt sich da schnell eine schlagkräftige Antwort auf Google formen.
Häufig wurde zuletzt darüber spekuliert, dass bei einem “Kampf der Giganten” - also Microsoft vs. Google - dem erstgenannten Unternehmen die entsprechende Anbindung an Internet-Dienste fehlt, jedenfalls im Vergleich zu Google.
Die Bedenken, die man angesichts der Schnäppchentour Steve Ballmers hat, werden noch verstärkt, wenn man sich das Suchmaschinengeschäft genauer ansieht.
Suchen heißt, eine Internetspur zu hinterlassen, also Nutzerdaten zu generieren. Und nichts liebt die (Werbe-)Wirtschaft mehr als punktgenaue Daten über potenzielle Kunden. Der altruistische, studentische Ansatz der Suchmaschinengründer aus den Frühzeiten des Internets ist einem milliardenschweren Geschäft gewichen.
Mit Online-Werbebannern einerseits und dem Verkauf sogenannter Datensätze auf der anderen. Das Potenzial von Yahoo wird dabei als hoch eingeschätzt, verfügt das Objekt der Microsoft-Begierde doch auch über Flickr, eine 2005 zugekaufte Tauschplattform für Millionen hochgeladener Privatfotos im Internet.
Yahoo konnte diesen Datenschatz im Schatten von Google bisher nicht richtig nutzen. Dass dies die Fantasie der Aktionäre von Microsoft/Yahoo beflügelt, ist klar. Die Internetnutzer werden weniger begeistert sein, und der sich um Anonymität und Vielfalt sorgende Bürger noch weniger.
Vielleicht geht es den Kartellrechtsbehörden ebenso.
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Quelle: Standard
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