Kuba Immobilien - gewußt wie !
Montag Februar 04th 2008, 6:38 pm
Abgelegt unter: Kapital, Immobilie

In Havanna boomt das Geschäft mit Häusern und Wohnungen.

Spekulanten setzen auf steigende Preise – und die Zeit nach Castro.

Häuser und Apartments in Havannas guter Lage sind gefragt. Zu 85 Prozent sind sie im Besitz der Bewohner, und die beobachten aufmerksam den Markt. Den Schwarzmarkt wohlgemerkt, denn offiziell dürfen Immobilien in Kuba nicht verkauft werden.

Mit einem Trick wissen sich die Besitzer zu helfen: Der Tausch von Wohneigentum ist erlaubt, und so finden sich überall “Se permuta”-Schilder, zu deutsch “man tauscht”.

Am Rande der Altstadt am Prado, der ehemaligen Promeniermeile, treffen sich Anbieter, Kaufwillige und Vermittler, die gute Kontakte zur Wohnungsbehörde haben. Das Amt ist für die Überschreibung von Wohnungen und Häusern verantwortlich und soll, so sieht es das Wohnungsgesetz von 1984 vor, den Tausch möglichst “gleich großer Wohnungen” abwickeln.

In der Realität wollen die meisten Interessenten jedoch eine größere Wohnung, und so fließen beachtliche Beträge unter dem Tisch, um zum Wunschapartment oder zum Traumhaus zu kommen.

Vermittler, die Provision kassieren, gibt es genauso wie willige Beamte, die sich ihren kargen Lohn so aufbessern.

“Vollkommen normal in Kuba”, erklärt Raúl Reyes.

Der Direktor eines Puppentheaters hat vor drei Jahren seine kleine Behelfswohnung gegen ein Apartment am Malecón getauscht. “Bei uns war der Telefonanschluss ein wichtiges Kriterium”, sagt der Theatermann. Telefonanschlüsse sind nicht Standard in Havanna, selbst fließend Wasser ist ein Grund für einen Preisaufschlag.

Derzeit wechseln Wohnungen und Häuser zu ständig steigenden Preisen in Havanna den Besitzer.

Die Nachfrage ist seit der Erkrankung Fidel Castros vor rund 18 Monaten deutlich gestiegen. Nicht allein, weil es in Kuba seit Jahrzehnten latent an Wohnungen fehlt, sondern weil viele Kubaner zusehen, dass sie sich Apartments in guter Lage unter den Nagel reißen.

Vor allem Familien, die Verwandtschaft im Ausland haben, verfügen über das nötige Geld. Während die USA unter der Hypothekenkrise leiden, investieren Exilkubaner massiv auf der Insel. Sie hoffen, dass die wirtschaftliche Öffnung nicht mehr lange auf sich warten lässt. Dann wären sie mit hochwertigen Immobilien in guter Lage auf der Sonnenseite.

Entsprechend stark klettern die Preise, besonders alte Gründerzeithäuser sind gefragt. Für eine Villa werden 50.000 US-Dollar und mehr gezahlt – in Kuba enorme Summen. Das Durchschnittseinkommen liegt bei 400 Peso, umgerechnet knapp 17 Dollar. Doch am sozialistischen Lohngefüge orientieren sich die Preise schon lange nicht mehr.

Der Schwarzmarkt, die bolsa negra, ist die bestimmende Größe für die meisten Produkte.

Gebaut wird nicht nur im Staatsauftrag, sondern auch auf eigene Rechnung. Dafür sorgen die Zuzügler aus dem Osten der Insel, die sich in Havanna niederlassen und in alte und neue Stadtviertel drängen. Das sorgt für zusätzlichen Druck auf dem Wohnungsmarkt. Derzeit, so meldete die Parteizeitung “Granma” Mitte Januar, fehlen 640.000 Wohnungen auf der Insel.

“Der Mangel an Wohnraum ist neben der latent angespannten Nahrungsmittelversorgung und dem maroden öffentlichen Nahverkehr die zentrale Herausforderung für die amtierende Regierung”, erklärt Omar Everleny, Sozialwissenschaftler der Universität Havanna. Die staatlichen Wohnungsbauprogramme erreichen nur selten die Planziffern – ein weiterer Grund für die hohen Preise auf dem Immobilienschwarzmarkt.

Nur wenige können es sich leisten, beim Run auf die besten Häuser mitzumachen. Wer keine Familie im Ausland hat, muss andere Wege finden, um an die nötigen Devisen heranzukommen. Zu den Gewinnern zählt die schmale Schicht der Künstler mit Auslandserfolg. Zum Beispiel der inzwischen verstorbene Ibrahím Ferrer, der mit dem “Buena Vista Social Club” international bekannt wurde. Er zog aus der Nachbarschaft der Almiñaques nach Miramar ins Diplomatenviertel.

Nicht nur viele Kubaner investieren in die ungewisse Zukunft. Auch auf deutschen Internet-Seiten wird erklärt, wie man zu Immobilienbesitz auf Castros roter Insel kommen kann.

Vertrauen ist dabei die erste Voraussetzung, denn Besitzurkunden gibt es nur für Einheimische, nicht für Ausländer. Ob spekulationsfreudige Europäer tatsächlich zu einem Gründerzeithaus in Havanna kommen, ist also zu bezweifeln. In der deutschen Botschaft in Havanna kann man sich das zumindest kaum vorstellen. Der Immobilienboom in Havanna wird wohl eine kubanische Angelegenheit bleiben – diesseits und jenseits der Straße von Florida.


Quelle: K.Henkel




1 Kommentar so far
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Bei verengten (auch staatlich regulierten) Märkten sind die Preise meist überproportional hoch. Das kann man auch beim sozialen Wohnungsbau in D. sehen.

Kommentar von Katrin 02.16.08 @ 2:26 pm



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