FinanzBlog24

Kartenmissbrauch: Geldkarten wie Bargeld behandeln
Mittwoch Mai 07th 2008, 6:13 pm
Abgelegt unter: Verbraucherschutz, Kreditkarte

Rund 450.000 verlorene EC- und Kreditkarten registriert der zentrale Kartensperrdienst 116116 pro Jahr.

Die schnelle Sperrung der Geldkarte schĂŒtzt jedoch nicht automatisch vor finanziellen Verlusten.

Die Schwachstelle ist das Abbuchungsverfahren.

Nicht alle HĂ€ndler verwenden das sichere Pin-Code-Verfahren.

Oft kommt das einfachere Lastschriftverfahren zum Einsatz. „Dabei erfolgt keine direkte RĂŒckkopplung zum Konto des Kartenbesitzers, der Kunde bestĂ€tigt die Zahlung lediglich mit seiner Unterschrift“, erlĂ€utert Margit Schneider, Sicherheitsexpertin der Euro-Kartensyteme GmbH.

Akzeptiert der HĂ€ndler oder die Bank die Unterschrift, wird das Geld problemlos vom Konto abgebucht.

Ganoven werde damit TĂŒr und Tor geöffnet, denn die Signatur steht auf der KartenrĂŒckseite. Das Ausspionieren der Geheimnummer erĂŒbrigt sich. „Im Gegensatz zum Pin-Verfahren kostet die Lastschrift keinen Cent, deshalb kommt sie immer noch zum Einsatz“, vermutet Schneider.

Ist die Karte gestohlen, hilft die schnelle Sperrung nur bedingt.

Es gibt keine Garantie, dass nichts mehr abgebucht wird.

Zwar können sich GeschĂ€fte bei der neuen, zentralen Sperrdatei des Einzelhandels (Kuno) rĂŒckversichern, ob die Karte gesperrt ist. Doch weil die Abfrage Geld kostet, tun das nicht alle. Unberechtigte Abbuchungen können so nicht verhindert werden.

„Dies funktioniert theoretisch so lange, bis die Karte ihre GĂŒltigkeit verliert“, erklĂ€rt Kerstin Liesem vom BdB. Daher mĂŒsse man auch nach der Verlustmeldung seine KontoauszĂŒge sorgfĂ€ltig prĂŒfen. „Finden sich unberechtigte Abbuchungen, ist dies unverzĂŒglich der Bank zu melden, damit sie den Betrag zurĂŒckholen kann“, rĂ€t Liesem.

Nutzen Diebe das ungeprĂŒfte Lastschriftverfahren stĂ€ndig aufs Neue aus, bleibe als letztes Mittel nur die Schließung des Kontos.

Handel und Polizei arbeiten daran, das Sicherheitssystem Kuno weiter zu verbessern.

„Mehrere zehntausend Unternehmen sind inzwischen an die Sperrdatei angeschlossen“, berichtet Frank Gronendahl, vom EHI. Eine Schwachstelle bleibt jedoch: Die Sperrdatei wird nur von der Polizei gespeist. Diebstahlmeldungen machen aber nur ein gutes Viertel aller verschwundenen Geldkarten aus.

Meist werden verloren gegangene Karten zwar der Bank gemeldet, nicht aber der Polizei.

Folge: Kein Eintrag in der Kuno-Datei, damit lĂ€uft die Sperranfrage des HĂ€ndlers ins Leere. „Überlegenswert wĂ€re, dass auch Banken Kartenverluste an das Kuno-System melden“, findet BdB-Sprecherin Liesem.

Trotzdem ist das Kuno-System erfolgreich: „Im Monat Februar ging die Zahl der BetrugsfĂ€lle allein in Nordrhein-Westfalen um 46 Prozent zurĂŒck“, so Gronendahl.

Um Kartenmissbrauch einzudÀmmen und Verluste zu minimieren, raten die Verbraucherzentralen Geldkarten wie Bargeld zu behandeln:

So sollte man Geldbörsen in geschĂŒtzten Innentaschen von Jacken oder MĂ€nteln aufbewahren und nicht in leicht zugĂ€nglichen Hand- oder GesĂ€ĂŸtaschen. Geheimnummern sind auswendig zu lernen und nicht an Dritte weiterzugeben. Die Pin-Nummer sollte man stets verdeckt eingeben und dabei auf genĂŒgend Sicherheitsabstand zum Hintermann zu achten. WĂ€hrend dem Eintippen nicht ablenken oder von Fremden helfen lassen.

Bei AuffÀlligkeiten am Geldautomat, Zahlungsvorgang abbrechen und die Bank alarmieren.

RegelmĂ€ĂŸig den Kontostand kontrollieren; bei unberechtigten Abbuchungen die Bank informieren und ggf. die Karte sperren lassen. Zahlungsbelege sollte man nicht achtlos in Papierkörbe werfen, sensible Daten wie Kontoverbindung und Bankleitzahl könnten so in falsche HĂ€nde geraten.

Kartenverlust sofort melden. Zentrale Sperrnummern: EC-Karte: 01805/021021 fĂŒr EC- und Kreditkarten: 116 116
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Quelle: M.Geißler




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