Privatanleger können seit Jahresbeginn Rendite und Entwicklungsengagement leichter als bisher miteinander verbinden.
Eine Änderung im Investmentgesetz erlaubt es deutschen Finanzinstituten, Publikumsfonds aufzulegen, die in Mikrokredite investieren.
“Das bringt Deutschland bei Mikrofinanzinvestments an die Weltspitze”, sagt Raimar Dieckmann, Analyst der Deutsche Bank Research.
Für Dieckmann sind Menschen, die über weniger als 2 $ pro Tag verfügen, potenzielle Mikrokreditnehmer.
Sie leben meist in Entwicklungsländern und haben keinen regulären Zugang zu Bankleistungen. Mit den Krediten, oft weniger als 100 $, kaufen sie sich einen Marktstand oder ein Mobiltelefon und schaffen sich eine Existenzgrundlage.
Das Kreditausfallrisiko dieser Kleinstkredite lag in Asien in der Vergangenheit bei 0,7 Prozent. Das weckt das Interesse internationaler Finanzinstitute, denn konventionelle Darlehensarten erreichen meist höhere Ausfallwerte.
Aus Sicht von Deutsche-Bank-Chefökonom Norbert Walter kommt die Gesetzesneuerung zur rechten Zeit. Bankkunden fragten immer häufiger nachhaltige und soziale Investments nach. “Mikrokredite sind nicht mehr nur ein Thema für die Kirchen und Stiftungen. Sie wecken auch das Interesse der Finanzmärkte”, sagt Walter.
Bislang mussten deutsche Privatanleger Mikrokreditfonds direkt bei der Investmentgesellschaft nachfragen.
Diese Form der Anlage durfte nicht beworben werden. Künftig würden Publikumsfonds an den Markt kommen, in die jeder Anleger ohne hohe Mindestsumme investieren könne, versichert Dieckmann. Anleger könnten diese Fonds zur Risikominderung nutzen, denn das Mikrokreditgeschäft sei unabhängig von der Konjunktur der Industrieländer.
Eine Beimischung von Mikrofinanzinvestments bietet Diversifizierungsmöglichkeiten.
Zudem winkt eine Rendite oberhalb des Geldmarktsatzes: Ein aktuelles Deutsche-Bank-Produkt verspreche institutionellen Anlegern in der risikoärmsten Variante einen Kupon von sechs Prozent.
Die Bank rechnet damit, dass sich das Volumen der Mikrokreditinvestments bis 2015 auf 25 Mrd. $ verfünffacht. Damit wäre das Volumen aber noch nicht ausgeschöpft: Dieckmann beziffert die Zahl der potenziellen Kreditnehmer auf 2,7 Milliarden, was 40 Prozent der Weltbevölkerung entspricht.
Das Geld der Anleger reichen die Banken an sogenannte Mikrofinanzinstitute in den Entwicklungsländern weiter. Diese zahlen die Gelder an die Kleinstkreditnehmer aus und betreuen diese.
Die anfallenden Zinsen seien eher ein Verwaltungsbeitrag als ein Zins im eigentlichen Sinn, sagt Walter. Die Betreuung der Kreditnehmer vor Ort sei sehr aufwendig.
Quelle: H.Metzger
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