Immer mehr Kapital investiert die Finanzwelt in die gefährdeten Ökosysteme dieser Welt.
Mark Fulton, globaler Leiter des Bereichs Strategie-Planung bei der Deutschen Bank, spricht davon, dass der politisch gewollte und von den Regierungen im Zuge des Kyoto-Protokolls der Uno geprägte Markt für Emissionsrechte einen Megatrend kreiert, der in den in nächsten zwanzig bis dreißig Jahr „signifikant wachsen wird“.
Peter Clarke, Vorstandschef der weltgrößten Hedge-Fonds-Gesellschaft Man Group in London, sieht in Investments in die Ă–kosysteme der Welt nicht nur eine riesige Aufgabe fĂĽr die Weltgemeinschaft. Clarke ist sich sicher, dass aus diesem Megatrend letztlich „sehr interessante Investmentmöglichkeiten resultieren werden”, die es zu nutzen gelte.
Nicht wenige der auf diesen Gebieten tätigen Finanzmarkt-Akteure sind einstmals aktive Umweltschützer, die heute als Manager von Private-Equity-Unternehmen oder von Hedge-Fonds die Chance nutzen, eine Brücke zwischen Ökologie und Ökonomie zu schlagen.
Gemeinsam mit einer immer stärker zunehmenden Zahl von Banken suchen diese modernen Finanzinvestoren verstärkt nach Öko-Lösungen für Mutter Erde. Sie investieren eigenes und fremdes Kapital zum Beispiel in die Märkte für Biotreibstoffe, Solar- und Windenergie, Energie- und Wassertechnologien und andere Cleantech-Sektoren sowie in Agrarrohstoffe und in den stetig wachsenden Markt für CO2-Emissionszertifikate.
Bryan Martel, geschäftsführender Partner der Environmental Capital Group, wird konkreter. Der als Berater unter anderem für die weltgrößte Pensionskasse Calpers tätige Martel glaubt, dass der Markt für Produkte und Dienstleistungen rund um den Klimaschutz – der sogenannte „Carbon Market“ – für die kommenden Jahrzehnte ein Potenzial von rund 150 Billionen US-Dollar aufweist.
Gemessen an der aktuell bei rund 65 Billionen US-Dollar liegenden Marktkapitalisierung der Weltbörsen oder dem vom IWF für das Jahr 2007 auf 51 Billionen US-Dollar geschätzten Welt-Bruttosozialprodukt eröffnet sich hier ein riesiges Potenzial für die Akteure in der Finanzwelt.
Noch befinden sich diese Märkte jedoch in einem frühen Stadium ihrer Entwicklung.
Nach Berechnungen der International Emissions Trading Association (IETA) erreichte der Markt für CO2-Emissionsrechte (EUA) im vergangenen Jahr ein Volumen von knapp 70 Mrd. US-Dollar, was im Jahresvergleich einer Verdoppelung gleichkommt. Für Richard Sandor, Gründer der Klimabörsen CCX in Chicago und ECX in Amsterdam und Pionier bei der Entwicklung von Ökologie-Derivaten, steht jedoch fest, dass ökologische Investments weltweit einen Siegeszug erleben werden.
Der größte Teil des Börsen-Emissionshandels wird über CCX und ECX abgewickelt; darüber hinaus haben sich die drei Börsen EEX, Nordpool und Powernext Carbon eine bedeutende Marktposition gesichert. Hier können Anleger sowohl direkt in CO2-Emissionszertifikate als auch in Derivate (Futures und Optionen) investieren. Und schon bald soll zum Beispiel an der ECX auch der Handel in Emissionskredite (CER) – diese werden von Uno-Stellen zum Beispiel für Aufforstungs-Projekte ausgegeben, die zu einer Reduzierung von Treibhausgasen führen – möglich sein.
Die Erfolgsstory dieser Klimabörsen – die European Climate Exchange hat als Marktführer ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 128 Prozent gesteigert – hat auch andere Börsen in der Welt aufmerksam werden lassen.
Die Deutsche Börse etwa kooperiert im Bereich CO2-Emissionshandel seit kurzem mit der EEX in Leipzig, und die weltgrößte Terminbörse CME hat nach der Übernahme eines Anteils an Brasiliens Termin- und Klimabörse BM&F den Einstieg in den Emissionshandel angekündigt. Neue Wege geht auch die weltgrößte Energiebörse Nymex in New York, indem sie sich mit der sogenannten „Green Exchange“ auf diesem Feld positioniert.
Darüber hinaus sind auch in anderen Ländern rund um den Globus neue Klimabörsen geplant. So auch in Neuseeland, wo im Juni 2008 eine Klimabörse an den Start gehen soll. Auch Richard Sandor plant die Gründung weiterer Klimabörsen in den USA, Kanada und Asien. All diese Aktivitäten haben die Manager von Nyse Euronext aufgeschreckt; sie fürchten, die „Mutter aller Börsen“ könne diesen Megatrend verschlafen. So hat der neue Börsenchef Duncan Niederauer kürzlich die Übernahme der französischen Emissionsbörse Powernext Carbon als erste Initiative zur Schaffung einer neuen Klimabörse unter dem Dach von Nyse Euronext angekündigt.
Diese Aufbruchsstimmung hat das Interesse der Anleger geweckt.
Und so bieten Emissionsbanken den Investoren bereits seit Monaten Zugang zu diesen boomenden Märkten. Rund um den Globus wurden Fonds, Indexfonds, Zertifikate und strukturierte Produkte rund um die Themen Klimawandel, Wald, Wasser und Agrarrohstoffe emittiert. Zuletzt hat Merrill Lynch ein Indexzertifikat auf den „Merrill Lynch Carbon Leaders Europe Index“ emittiert, das Anlegern die Chance bietet, indirekt in 60 Aktien von CO2-effizienten europäischen Unternehmen zu investieren. Die Experten der britischen Barclays Bank haben den Global Carbon Index entwickelt, der Anlegern indirekt Zugang zu Emissionsrechten (EUA) und Emissionskrediten (CER) bietet.
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Quelle: Udo Rettberg
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