Insiderhandel: 6,5 Mio. $ verdient
Freitag Januar 04th 2008, 8:21 pm
Abgelegt unter: Aktie, Banken

Ein US-Gericht hat einen ehemaligen Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs zu mehrjähriger Haft verurteilt.

Der Fall hat alles, was eine richtig gute Geschichte braucht: Es geht um viel Geld, um eine exotische Tänzerin und dunkle Machenschaften von hochgebildeten Finanzhaien. Eugene Plotkin heißt der Hauptdarsteller.

Der ehemalige Analyst der US-Investmentbank Goldman Sachs wurde wegen verbotenen Insiderhandels zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten sowie einer Geldstrafe von 10.000 $ verurteilt. Plotkin hatte sich bereits für schuldig bekannt. Zu erdrückend waren die Beweise.

Der äußerlich unscheinbare Plotkin, 28 Jahre alt und Harvard-Absolvent, hat mit illegalen Aktiengeschäften 6,5 Mio. $ verdient. Der abenteuerliche Plot besteht aus drei Teilen, wie die “New York Times” berichtete.

Teil 1:
In einem Wellness-Hotel in Lower-Manhattan machten Plotkin und sein Kompagnon David Pajcin Bekanntschaft mit dem Merrill-Lynch-Analyst Stanislav Shpigelmann, der die beiden mit exklusiven Informationen über bevorstehende Übernahmen und Fusionen versorgte. Er soll den Beiden die Übernahme der Sportartikelsherstellers Reebok durch Adidas gesteckt haben – allein das brachte Plotkin und Pajcin 6 Mio. $ ein.

Teil 2:
Plotkin und Pajcin beauftragten zwei Bekannte damit, in einer Druckerei des Wirtschaftsmagazins “Business Week” zu arbeiten. Die Idee: vor dem öffentlichen Verkauf Einblick in die Artikel gewinnen – und damit vor allen anderen Marktteilnehmer handeln können. Schließlich kann eine Branchengröße wie “Business Week” immer noch Aktienkurse bewegen. Der Plan ging auf. Plotkin und Pajcin verdienten 500.000 $.

Teil 3:
Der Postbeamte Jason Smith war Mitglied einer Grand Jury, die über einen Rechtsstreit mit dem Pharmaunternehmen Bristol-Meyer-Squibb brütete. Smith gab Details aus den Verhandlungen an Plotkin und Pajcin weiter, die daraus aber kein Profit schlagen konnten.

All diese Geschäfte wickelten die Ex-Goldman-Analysten über mehrere Konten aber. Eines gehörte Plotkins Freundin, einer Tänzerin, ein zweites Plotkins Tante, die in Kroatien lebt.

Plotkin ist kein Einzelfall: Insiderhandel ist wieder im Kommen.

Nach dem großen Skandal um den Arbitragehändler Ivan Boesky, der Mitte der 80-er-Jahre wegen Insiderhandels mit Junk-Bonds verurteilt worden war, häufen sich aktuell die Fälle. Die New York Stock Exchange informierte nach eigenen Angaben bis zum 31. Juli 2007 insgesamt 72-mal die Aufsichtsbehörde SEC wegen auffälliger Transaktionen. Zum Vergleich: 2006 waren es im Gesamtjahr 111.

“Es gibt deutliche Hinweise, dass illegaler Insiderhandel wieder im Kommen ist”, sagte Nejat Seyhun, Finanzprofessor an der University of Michigan. Eine Studie des kanadischen Researchhauses Measuredmarkets kam zu dem Ergebnis, dass es durchschnittlich bei etwa jeder zweiten Fusionen oder Übernahme vor deren öffentlicher Bekanntgabe zu auffälligen Kursbewegungen kommt. Besonders häufig sind solche Kurssprünge laut der Analyse bei Aktien von Kasino- und Hotelunternehmen. Auf Rang zwei folgt schon die Finanzindustrie, schreiben die Experten von Measuredmarkets.

Im Unterschied zu den 80er-Jahren, in denen Wall-Street-Größen wie Boesky oder der Junk-Bond-König Michael Milken angeklagt und verurteilt wurden, geht es nach Einschätzung der Experten heutzutage mehrheitlich um einfache Angestellte. Jon Najarjan, Eigentümer der Optionsbörse OptionMonster, beschrieb den modernen Insiderhandels-Halunken in einem Gespräch mit der Branchenzeitung “Mergers & Acquisitions” als den “gesichtslosen Angestellten im mittleren Management, der weniger zu verlieren hat als die Übeltäter der Vergangenheit”.

Ein typisches Beispiel sind Randi Collotta und ihr Mann. Sie arbeitete als Juristin in der Compliance-Abteilung von Morgan Stanley. Sie soll laut der SEC Informationen über bevorstehende Übernahmen an den Broker Marc Jurman weitergegeben haben, der auf eigene Rechnung handelte – und die Gewinne mit den Collottas teilte.

“In den 80-er-Jahren wurden Kapitalmarktgrößen überführt. Heute sind es die kleinen Fische”, sagt Ron Geffner, Partner der Anwaltskanzlei Sadis & Goldberg.


Quelle: Tobias Bayer




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