Abgelegt unter: Finanzen und Wirtschaft
Das skandinavische Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Strand Consult hat ein Szenario entworfen, wonach sogenannte Kooperationsprodukte überhand nehmen.
Als Beispiel wurde der taiwanesische Hersteller HTC genannt, der als Marke wenig bekannt ist.
HTC-Handys werden nämlich unter verschiedenen Namen vermarktet: T-Mobile nennt sie MDA, bei der France-Telecom-Tochter Orange – zu der auch der österreichische Betreiber One gehört – heißen sie SPV.
Der britische Betreiber O2 hat sie wiederum XDA oder Xphone getauft.
Die fünf Großen haben sich laut Strand Consult zu dieser Art der Verkaufsförderung bisher nicht durchgerungen.
Sie geraten aber laut Strand Consult unter Druck, weil die Netzbetreiber die „Stützung“ der Handy-Preise überdenken.
Wenn sie schon zahlen (müssen), wollen sie auch den Werbeeffekt.
Unbekannte asiatische Hersteller, die in Europa Fuß zu fassen versuchen, seien zu derartigen Deals gerne bereit.
Die Methode ist aber laut Strand Consult bisher den internationalen Netzbetreibern wie T-Mobile, Orange und Vodafone vorbehalten: Die höheren Kosten rechnen sich nur bei Kundenzahlen, die in die Millionen gehen.
Damit könnte der Handymarkt unter drei bis vier Hersteller-Giganten aufgeteilt werden oder unter globalen und regionalen Netz-Riesen, die sich „anonyme“ Lieferanten halten.
Strand Consulting sieht noch ein drittes Szenario: Große Inhaltsanbieter stellen Handys kostenlos zur Verfügung, wenn man ihre Dienste abonniert.
Gibt es also bald den Nike Communicator, den Disney iPhone oder den MTV BlackBerry?
Wie dramatisch der Verdrängungswettbewerb der Hersteller auch verlaufen mag – Spitzenreiter Nokia baut seinen Vorsprung wieder aus.
Nachdem der finnische Konzern 2007 beim Marktanteil leicht zurückgefallen war, schaffte er heuer im ersten Quartal wieder die 40-Prozent-Hürde. Und hat damit laut den Marktforschern von Strategy Analytics nur unwesentlich weniger als die vier größten Mitbewerber zusammen.
Bei Gartner sind die absoluten Zahlen leicht abweichend, nicht aber die Machtverhältnisse.
Da sich der US-Konzern Motorola den ärgsten Rückfall seiner Geschichte leistete – von 18,4 Prozent im ersten Quartal 2007 auf 9,7 (laut Gartner 10,2) Prozent – wurde er von Samsung klar distanziert: Der südkoreanische Kontrahent liegt jetzt im Schnitt der Marktforscher rund um 15 Prozent.
Inzwischen nähert sich den Amerikanern auch der zweite koreanische Hersteller, LG Electronics, der das japanisch-schwedische Gemeinschaftsunternehmen Sony Ericsson auf Platz fünf verwies.
Und dann kommt lange nichts mehr: Alle anderen Handy-Firmen gemeinsam kamen im ersten Quartal auf etwas mehr als die Nummer zwei Samsung.
Der Weltmarkt entwickelt sich weiterhin „gesund“, wie Bonny Joy von Strategy Analytics konstatiert:
Im ersten Quartal seien 282,3 Millionen Handys verkauft worden, um 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Gartner nennt einen Zuwachs um 13,6 Prozent auf sogar 294,3 Millionen Stück. Und beide deuten für das Gesamtjahr einen neuen „Weltrekord“ jenseits von 1,2 Milliarden Geräten an.
Aber Gartner warnt: Im Handy-Wunderland Westeuropa habe es erstmals seit Beginn der Erfassungen im Jahr 2001 einen Rückfall gegeben, und der sei mit 16,4 Prozent empfindlich ausgefallen.
Auch in den USA gab es ein Minus. Wettgemacht werde es durch Brasilien, China, Indien, Russland und andere Schwellenländer.
Quelle: DiePresse
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