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Goldbarren zu fälschen ist ein krimineller Evergreen, geht aber meistens schief. Dabei ist es eigentlich ganz einfach.
Wenn jeden Tag über das Internet für 1,5 Trillionen $ Devisen gehandelt werden, mutet so ein Goldbarren reichlich archaisch an.
Zentralbanken stört das nicht, sie stapeln in ihren Kellern weiterhin eifrig Tausende der 12,5 Kilogramm schweren und 28 Zentimeter langen Edelmetallriegel.
Deutschland liegt in dieser Disziplin mit knapp 3500 Tonnen Goldreserven auf Platz zwei. Welchen Rang Äthiopien hält, ist schwer zu sagen.
Vor ein paar Monaten wurde offenbar, dass etliche Barren aus den Reserven des Landes weit weniger wert sind als gedacht – es waren billige Stahlkerne, die lediglich mit Gold ummantelt wurden.
Als Theodore Gray das hörte, war er empört. Gar nicht mal so sehr wegen der Fälschung selbst, sondern darüber, dass sie erst nach dem Verkauf der falschen Barren an Südafrika auffiel.
“Gold ist zweieinhalbmal dichter als Stahl, jeder halbwegs erfahrene Nationalbankmitarbeiter hätte den Schmäh beim Anheben eines Barren bemerken müssen”, findet der Chemiker Gray.
Dabei sei es doch sehr einfach, wirklich überzeugend gefälschte Goldbarren herzustellen, glaubt Gray, und sagt auch gleich, wie das geht.
Das ideale Gewicht
Das erste Problem ist das Gewicht. Es gibt nicht viele Elemente, die ähnlich dicht sind wie Gold, und die meisten der wenigen (etwa Iridium oder Osmium) sind genauso teuer. Manche – wie Platin – sogar teurer. Eine Ausnahme ist abgereichertes Uran. Das ist zwar günstiger, aber leider radioaktiv und für Privatpersonen nur schwer zu bekommen.
Ideal, schwärmt Gray, ist hingegen Wolfram. Das Element, dessen bekannteste Verwendung der Glühdraht in Glühlampen ist, hat bis auf drei Nachkommastellen genau die gleiche Dichte wie Gold, kostet aber nur rund 30 $ pro Kilogramm, verglichen mit etwa 32.000 $ für ein Kilo Gold. “Der Hauptunterschied zu Gold ist die Farbe und Härte”, sagt Gray. “Ein echter Goldbarren lässt sich alleine mit dem Fingernagel eindrücken, Wolfram aber ist mattgrau, sehr hart und zudem spröde.”
Der harte Kern
Gray empfiehlt angehenden Barrenfälschern einen Goldmantel. “Man besorgt sich also einen Kern aus hartem Wolfram und trägt darauf eine 1,5 Millimeter dicke Goldschicht auf.” Das ließe eine solche Fälschung zwar auch gut 50.000 $ kosten, bei 400.000 $ für einen echten Barren sei die Gewinnspanne aber immer noch beachtlich.
“Außerdem liegt so ein ummantelter Barren wie ein echter in der Hand, hat das richtige Gewicht und würde vermutlich sogar einen Röntgentest bestehen.” Da ist sich Gray aber nicht so sicher. Schließlich erzählt keine Zentralbank, wie genau sie Gold auf Echtheit testet. Die Deutsche Bundesbank verweist auf Anfrage nur kühl auf die “Expertise in unserem Nationalen Analysezentrum”.
Dazu gehört vermutlich die Seriennummer, die jedem Goldbarren eingestanzt ist, und das Echtheitszertifikat. “Das zu fälschen dürfte sehr schwer werden”, gibt Gray zu.
Die richtigen Papiere
Mit Zertifikaten musste der Wissenschaftler sich bei seinen Überlegungen nicht auseinandersetzen. Grays Forschungen zum Thema entspringen keiner kriminellen Energie, sondern einem offiziellen Auftrag. Der britische Journalist und Autor Damien Lewis kontaktierte Gray während der Recherchen zu seinem jüngsten Roman “Cobra Gold”. Darin sollen Terroristen mit falschen Goldbarren getäuscht werden. Gray sollte die plausibelste Anleitung dazu geben.
Im Roman funktioniert der Coup.
Die Terroristen halten den falschen Goldschatz für einen echten. Eine Zentralbank wird man so kaum täuschen. “Keine Bank kauft Goldbarren ohne die entsprechenden Papiere”, sagt Gray. “Die einzige Möglichkeit wäre, die bereits eingelagerten, echten Barren gegen falsche auszuwechseln. Ich würde viel darauf wetten, dass es in Äthiopien genau so gelaufen ist.”
Bei der Deutschen Bundesbank will man auch davon nichts wissen. Die Echtheit der eingelagerten Goldbarren könne man “zweifelsfrei” beweisen.
Quelle: G.Kessler
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