Finanzkrise: Deutsche Staatsanleihen erste Wahl
Samstag März 08th 2008, 7:53 am
Abgelegt unter: Kapital, Fonds

Die Krise an den Kreditmärkten wirbelt jetzt auch die soliden Staatsanleihen durcheinander.

Die Renditeabstände zwischen deutschen Bundesanleihen und anderen Staatsanleihen im Euro-Raum sind so stark gestiegen wie noch nie seit Einführung des Euros vor neun Jahren.

Der Grund für den starken Anstieg: Für professionelle Investoren sind deutsche Staatsanleihen im Euro-Raum erste Wahl vor allen anderen Bonds.

Das lässt die Kurse der Bundesanleihen vergleichsweise stark steigen und im Gegenzug ihre Renditen deutlicher sinken als in anderen Ländern der Euro-Zone.

Positiver Nebeneffekt: Deutschland kann sich bei der Ausgabe neuer Anleihen viel günstiger refinanzieren als anderen Staaten.

“Die Lage hat sich in dieser Woche verschärft und ist inzwischen vollkommen irrational”, sagt Kornelius Purps, Zinsstratege bei Unicredit.

So rentieren selbst zehnjährige französische Anleihen inzwischen gut 0,2 Prozentpunkte über Bundesanleihen. Das klingt nicht nach viel, aber üblich sind Abstände von gerade mal 0,05 Prozentpunkten.

Noch höhere Aufschläge bieten die Anleihen von kleineren Emittenten wie zum Beispiel Spanien, den Niederlanden und Österreich, die wie Deutschland und Frankreich von den Ratingagenturen die Note Dreifach-A für erstklassige Bonität haben.

Frankreich hatte Ende 2007 Anleihen über 836 Mrd. Euro am Markt und ist damit der größte Anleiheschuldner nach Deutschland mit knapp 893 Mrd. Euro und Italien mit knapp 1 090 Mrd. Euro.

Französische Staatspapiere galten zudem bis vor kurzem als fast ebenso liquide, also gut handelbar, wie deutsche Bundesanleihen.

Besonders hart betroffen vom Auseinanderdriften der Renditen sind italienische und griechische Staatsanleihen. Sie bieten im zehnjährigen Bereich derzeit gut 0,6 Prozentpunkte mehr Rendite als Bundesanleihen. Üblich sind aufgrund der schlechteren Bonität dieser Länder Aufschläge von 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten.

“Der Markt handelt jetzt so, als ob die Währungsunion auseinanderbrechen würde, und das ist natürlich Unsinn”, sagt Purps von Unicredit. Die Turbulenzen seien ein Zeichen dafür, dass die Kreditkrise jetzt auf alle Märkte übergreife.

Das spiegle den Ernst der Lage wider.

“Investoren fliehen jetzt extrem in die Qualität – und da sind Bundesanleihen erste Wahl”, sagt auch David Schnautz, Zinsstratege bei Commerzbank Corporates and Markets.

Dabei verstärke sich die Bewegung von selbst. Denn viele professionelle Anleger messen die Entwicklung ihres Rentenportfolios oft an der Performance von Bundesanleihen.

“Investoren haben Angst, dass sich die anderen Staatsanleihen in der Euro-Zone weiter schlechter entwickelten als Bundesanleihen und so zur Benchmark schlecht abschneiden”, erklärt Schnautz. Deshalb blieben die Anleger auf der sicheren Seite, obwohl andere Euro-Länder relativ gesehen attraktivere Renditen im Vergleich zu Bundesanleihen böten.

Für die deutschen Staatsanleihen spricht nach Ansicht von Fachleuten aber auch deren Handelbarkeit.

“Die Märkte für alles außer Bundesanleihen sind relativ illiquide geworden”, sagt Glenn Marci, Anleiheanalyst bei der DZ Bank. Es gebe vergleichsweise wenig Käufer für Staatspapiere abseits der Bundespapiere. Dies zeige sich ganz deutlich an den erhöhten Handelsspannen für Staatspapiere.

“Liquidität ist gerade in der aktuellen Lage Trumpf, deshalb entwickeln sich die Bundesanleihen besser als andere Bonds”, sagt auch Schnautz von der Commerzbank.

Experten erwarten zwar, dass die Renditeabstände der Anleihen im Euro-Raum mittelfristig wieder schrumpfen werden. Dafür müsse sich aber erst die Unsicherheit über die allgemeine Konjunkturentwicklung legen – und der Zeitpunkt dafür sei schwer abzusehen.


Quelle: A.Cünnen




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