Finanzbranche will Ihr Geld
Freitag Januar 02nd 2009, 7:20 am
Abgelegt unter: Beteiligung, Fonds

Sparbrief, Schatzbrief, Anleihen. Die Zertifikatebranche ist besonders einfallsreich.

So viel steht fest: Das Jahr 2009 wird für Anlageberater mit hohem Vertriebsdruck vom Chef die Hölle.

Wer inmitten der Finanzkrise als Anleger überhaupt bereit ist, zu Produkten zu greifen, die riskanter als Bundesschatzbriefe oder Festgeld sind, der hat – der Abgeltungsteuer ab 2009 sei Dank – seinen Bedarf noch in 2008 gedeckt. Und das wahrscheinlich auf Jahre.

Allenfalls Finanzexperte und Bundeswerbeschildkröte Günther Schild hat da wohl noch eine Chance, einem Anleger Innovationen wie die Tagesanleihe der Finanzagentur des Bundes schmackhaft zu machen.

Die zahlt zwar nur lachhafte 2,06 Prozent Zinsen.

“Ich komme immer an meine Kröten. Darum bin ich auch ganz entspannt”, erklärt die Schildkröte dreist in der Werbekampagne.

Foto: FTD

Dass sich die Marketingexperten der Finanzagentur diese Spitze nicht verkneifen können, weil derzeit so mancher Anleger in offene Immobilienfonds oder Lehman-Zertifikaten eher unentspannt ist und eben nicht an seine Kröten kommt, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Eins zu null für die neunmalkluge Schildkröte.

In der Marketingschlacht mit der Finanzbranche dürfte das aber erst der Auftakt sein.

In den Ring steigt 2009 nämlich auch – einerseits um Reputation bemüht, andererseits erfahren in der rhetorischen Vertriebsincentivierung – die Zertifikatebranche.

Ein Blick auf die Liste der aktuellen Neuemissionen an Zertifikaten lässt erahnen, wie die Krisenstrategie vieler der zuletzt arg gescholtenen Akteure aussieht.

Kapitalgarantiert müssen die Zertifikate sein, das ist klar. Aber schon der Name muss ausstrahlen, dass es sich nicht etwa um bloße Zahlungsversprechen der ausgebenen Banken handelt, sondern um geradezu granitsichere Geldanlagen, in denen das böse Wort Zertifikat am besten gar nicht erst vorkommt, selbst wenn es Zertifikate sind.

Sonst zucken Berater und Anleger ja gleich ängstlich zusammen.

Ein Emittent bietet also derzeit die Deutschland-Anleihe feil, ein anderer die Europa Protect-Anleihe. Von einer britischen Bank kommt die Ikarus-Anleihe, von einer US-Bank nach dem großen Erfolg des Schatzbriefs nun der Sparbrief, und über allem thront die frisch emittierte Premium Europa Staatsanleihe auf Festzins einer Landesbank.

Premium. Staatsanleihe. Festzins.

Mehr geht eigentlich nicht an verbalem Granit in nur einem Zertifikat – egal, was bei nüchterner Zins- und Provisionsrechnung hinterher an Rendite herauskommt. Eins zu eins, die dreiste Bundesschildkröte Günther kassiert damit den Ausgleich. Dabei ist das Spiel gerade erst angepfiffen worden.
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Quelle: Ch.Kirchnwe




1 Kommentar so far
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Günther Schild lügt! Ex-Finanzminister Eichel gab bereits 2002 in einem Fernsehbeitrag zu, dass die Bundesregierung in ihrer Geschichte noch nie ein Darlehen zurückgezahlt hat. Bundesschatzbriefe usw. sind Darlehen der Bürger an den Staat. Dieser verbraucht das Geld und eine Rückzahlung ist immer nur mit frisch eingeworbenen Geldern möglich. Das nennt man eigentlich ein kriminelles Schneeballsystem! Mag es lange gut gehen – aber die hohe Verschuldung lässt daran zweifeln!

Kommentar von kaiserfinanz 01.27.09 @ 4:57 pm



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