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Das Geschäft mit dem Tod ist in Bewegung: Während einerseits Unternehmen mit Kampfpreisen auf den Markt drängen, streben auf der anderen Seite immer mehr junge Menschen eine Ausbildung als Bestatter an.
Auch per Internet wird schon beerdigt.
Wenn zweitklassige Fußballvereine einen neuen Sponsor gefunden haben, wird dies meist weitgehend unkommentiert zur Kenntnis genommen. Es sei denn, es handelt sich um einen Gönner der besonderen Art.
Beim österreichischen Zweitligisten FC Gratkorn ist das der Fall. Neuerdings prangen auf den Trikots der Mannschaft drei Buchstaben: Pax. Und auch der Verein heißt nun FC Pax Gratkorn.
Das lateinische Wort für Frieden kommt vom neuen Hautsponsor des Vereins – einem Bestattungsunternehmen.
Zwar sucht man im deutschen Fußball noch vergeblich nach Sponsoren, die das Geschäft mit dem Tod pflegen. Doch auch hierzulande hat es bereits Versuche gegeben, den Vereinssport mit der Bestattungsbranche zu verbinden.
Seit Juli 2007 bietet ein Hamburger Bestattungsinstitut HSV-Bestattungen an.
Wer einen Sarg in den Farben des Fußballbundesligisten präferiert und auf seiner Trauerfeier statt Orgelmusik lieber Fangesänge gespielt wissen will, kann sich diesen Wunsch inzwischen erfüllen. Groß ist die Nachfrage nach den HSV-Särgen allerdings nicht – das Bestattungsunternehmen hat bislang noch keinen einzigen Auftrag erhalten.
Doch auch wenn diese Idee nicht angenommen wird – andere Innovationen zeigen, dass die Bestattungsbranche in Bewegung ist.
Immer mehr Unternehmer scheinen zu entdecken, dass sich mit dem Tod bares Geld verdienen lässt.
Nach Berechnungen des Verbands der Friedhofsverwalter Deutschlands lag der Umsatz der gesamten Branche 2006 bei rund 16 Mrd. Euro. Neben Gärtnern, Friedhofsträgern und Steinmetzen sind es vor allem die Bestatter selbst, die mit den jährlich etwa 830.000 Verstorbenen einen hohen Umsatz einfahren.
Der Vorteil der Branche liegt auf der Hand: Das Geschäft mit dem Tod ist sicher – und es gibt noch weitere Besonderheiten: Um Bestatter zu werden, muss lediglich ein Gewerbeschein beantragt werden.
Zudem dominieren eigenständige Familienbetriebe, die sich gegen größere Firmen behaupten können. Die Ahorn AG hält von den etwa 3800 Bestattungsunternehmen als größte Kette einen Marktanteil von etwa vier Prozent. Nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Bestatter lassen sich die Deutschen eine Bestattung im Schnitt 2500 bis 3500 Euro kosten.
Aber es geht auch günstiger: Immer mehr Unternehmen drängen mit Billigpreisen auf den Markt.
Der älteste von ihnen ist Sargdiscount in Berlin. Vor fast 25 Jahren hat Hartmut Woite das Unternehmen gegründet. Eine Urnenbestattung ist ab 888 Euro zu haben, für Internetnutzer gibt es sogar noch einen 15-prozentigen Rabatt auf die angebotenen Särge.
Derzeit kauft Woite in der Ukraine ein, da dort die Särge am günstigsten sind. “Wir kaufen nur LKW-weise – das drückt den Preis”, sagt Woite.
Pro Jahr bekommt Sargdiscount mehr als 1000 Aufträge aus ganz Deutschland, auch wenn sich das Unternehmen weiterhin auf Berlin konzentriert.
Woite verhandelt derzeit mit Bestattern, die im gesamten Bundesgebiet Franchise-Filialen eröffnen könnten. Auch das Internet will der Berliner Geschäftsmann verstärkt nutzen.
“Wir wollen die Internetbestattung auf Dauer parallel zum normalen Geschäft etablieren”, sagt Woite. Noch in diesem Jahr soll Angehörigen die Möglichkeit gegeben werden, eine Bestattung komplett über das Internet in Auftrag zu geben.
“Heutzutage entscheiden sich die Deutschen entweder für eine preiswerte oder eine teure Beerdigung – die Mitte bricht weg”, sagt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas. Rolf Lichtner, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, macht vor allem das Wegfallen der staatlichen Unterstützung für den erhöhten Preisdruck verantwortlich.
Bis 1986 gab es bis zu 4000 DM pro Bestattung, 2004 fiel das Sterbegeld endgültig weg. Nach Ansicht Lichtners sorgt zudem die längere Lebenserwartung dafür, dass die Deutschen im letzten Lebensabschnitt einen großen Anteil ihres Vermögens ausgeben. Dadurch lasse sich der Trend zur Niedrigpreisbestattung erklären.
Es kommt immer mehr zu einer Entsorgungsmentalität”, sagt Lichtner.
Der Fernsehsender “Etos TV” fügt sich nahtlos in die Entwicklung des Geldmachens ein.
Noch in diesem Jahr will Wolf Tilmann Schneider ein Programm mit Ratgebersendungen und Nachrufen in Videoform an den Start bringen.
Via Satellit sollen täglich 20 Nachrufe gesendet werden, die dem Sender zugleich als Haupteinnahmequelle dienen. Für 2000 Euro wird der 90-sekündige Film 60-mal pro Woche gezeigt und danach in einer Internetdatenbank archiviert.
Der Verkauf erfolgt laut Schneider über die Bestatter, weswegen der Bundesverband Mitgesellschafter von “Etos TV” ist. Das werbefreie Programm soll rund um die Uhr gesendet werden und auch im Internet verfügbar sein.
Schneider rechnet mit bis zu 8000 Zuschauern pro Tag.
Aeternitas-Sprecher Helbach vermutet, dass “Etos TV” rein finanzielle Ziele verfolgt. “So ein Sender hilft den Menschen nicht weiter.” Unabhängig davon, wie der Sender beurteilt wird, steht er für den Wandel eines großen deutschen Wirtschaftszweigs – die Bestattungsbranche zeigt sich lebendiger denn je.
Quelle: Christoph Sterz
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