Abgelegt unter: Finanzen und Wirtschaft
Wegen neuer Transparenzregeln werden derzeit jeden Tag Tausende von Firmenbilanzen im Internet veröffentlicht. So einiges Unerwartetes tritt dabei zutage.
Was haben die Milliardärin Susanne Klatten, der Circus Roncalli und Rolls-Royce gemeinsam? Jahrelang haben diese Geheimniskrämer versucht, die Öffentlichkeit über ihre Geschäftszahlen möglichst im Unklaren zu lassen.
Jetzt kann jeder die Bilanzen mit ein paar Klicks im Internet aufrufen.
Grund ist das “Gesetz über elektronische Handelsregister und Genossenschaftsregister sowie das Unternehmensregister” (EHUG). Das seit Jahresbeginn geltende Gesetz zwingt Unternehmen, ihren Jahresabschluss bis zum 31. Dezember an den neuen elektronischen Bundesanzeiger zu schicken.
Jeden Tag werden derzeit auf der Internetseite www.ebundesanzeiger.de Hunderte von Bilanzen neu eingestellt.
Am Montag waren es genau 2661, in der vergangenen Woche knapp 11.000.
Die neue Offenheit geht auf strengere EU-Regeln zurück. Neben Kapitalgesellschaften – ob börsennotiert oder nicht – sind unter anderem auch schwergewichtige Einzelkaufleute zur Publizität verpflichtet.
Welche Geschäftsdaten gemeldet werden müssen, hat sich nicht geändert. Nur sollen die Bilanzen künftig eben nicht mehr in den Archiven der Registergerichte verstauben.
Das soll Bürokratie begrenzen und Geschäftspartnern und Gläubigern ermöglichen, sich leichter zu informieren. Wer die Bilanz für 2006 bis zum Jahresende nicht vorgelegt hat, muss zahlen; ein Ordnungsgeld von bis zu 25.000 Euro droht.
Die Unternehmen gehen mit den neuen Transparenzvorschriften sehr unterschiedlich um. Manche Firma verschweigt kaum ein Detail.
Der Luxusautohersteller Rolls-Royce zum Beispiel gibt sogar Einblick in seine Bilanzen ab 2003. So ist dem Internet zu entnehmen, dass die BMW-Tochter im vergangenen Jahr 190,8 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftete und vor Steuern 31 Mio. Euro Verlust machte.
Die traditionell verschwiegene Drogeriekette Schlecker veröffentlichte schon im April die Bilanz für 2005.
Der Internetnutzer erfährt, dass Schlecker auf eine ungewöhnlich hohe Eigenkapitalquote von 32 Prozent kommt, auf mittel- und langfristige Kredite weitgehend verzichtet und einen Jahresumsatz von 5,54 Mrd. Euro hat.
Nur wenige Firmen sind aber so offenherzig.
Viele Bilanzen beschränken sich aufs Nötigste und verzichten auf jede Erläuterung.
Der sonst auf Aufklärung bedachte ADAC will die Bilanz seiner Finanzdienste lieber nicht veröffentlichen und verweist auf die Dachgesellschaft – was rechtlich möglich ist.
Bruchstückhaft sind die Informationen zudem noch bei Unternehmen wie Aldi oder dem Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann.
Und auch Kurioses fehlt nicht.
So weist die Bilanz der Susanne Klatten GmbH & Co. KG für Automobilwerte Finanzanlagen über 1,58 Mrd. Euro aus. Das Guthaben bei Finanzinstituten der Gesellschaft beziffert der Eintrag der BMW-Aktionärin auf 20,52 Euro.
Quelle: G.Hegmann
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