FinanzBlog24

Die IKB ist nicht mehr zu retten
Samstag März 22nd 2008, 10:09 am
Abgelegt unter: Banken

Zu diesem Schluss muss jeder kommen, der das Drama um die einstmals als solide angesehene Düsseldorfer Mittelstandsbank fassungslos verfolgt.

Wer gedacht hatte, dass mit dem im Februar beschlossenen dritten Rettungspaket, durch das die Stützungsmaßnahmen auf unfassbare 8,5 Mrd. Euro angeschwollen sind, reichen würde, um die Bank zu retten und verkaufsfertig zu machen, muss umdenken.

Erneut muss die 43-Prozent-Mutter KfW ihre Halbtochter mit 450 Mio. Euro stützen.

Die nämlich fürchtet, 2007/08 mindestens 800 Mio. Euro verloren zu haben - und nicht wie kürzlich angekündigt “nur” 550 Mio. Euro.

Die Folge: Die ohnehin fast pulverisierte IKB-Aktie verliert weitere zwölf Prozent an der Börse.

Noch schlimmer: Die KfW ist zwar noch willens, aber nicht mehr in der Lage, das in der “Bad Bank” zusammengefasste Wertpapierportfolio an einen der wenigen Bieter - vornehmlich “Heuschrecken” - zu veräußern.

Ob sie noch die “Good Bank”, die das angeblich noch halbwegs solide Mittelstandskreditgeschäft umfasst, los wird, steht in den Sternen - sehr wahrscheinlich ist das nicht.

Wahrscheinlicher ist vielmehr, dass die KfW auf der IKB sitzen bleiben wird. Damit aber würde die IKB vollends zum Problem des Staates, der schließlich Eigentümer der IKB-Mutter KfW ist.

Und die ist durch die Stützungsmaßnahmen im Übrigen bald kaum mehr in der Lage, Förderkredite zu vergeben - ihr eigentliches Kerngeschäft.

Nicht nur, dass dann indirekt mehr denn je der Steuerzahler für realisierte oder künftige Verluste der IKB-Hasardeure aufkommen muss. Auch der von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erhoffte Verkaufserlös von 800 Mio. Euro für den IKB-Verkauf ist eine Luftbuchung.

An der Börse ist die IKB derzeit knapp 450 Mio. Euro wert.

Niemand aber kennt ihren Buchwert, der für den Verkaufserlös entscheidend ist, denn niemand traut sich zu, das Kredit- und Wertpapierbuch der IKB zu bewerten. Nominal waren zumindest die Wertpapiere vor wenigen Wochen noch 5,9 Mrd. Euro wert.

Allerdings sind die Assets hochgradig “subprime-verseucht” - und vielleicht noch ein Viertel ihres Nominalbetrages wert. Selbst für das als sicherer eingestufte Portfolio von nominal 2,8 Mrd. Euro, auf das bereits im Februar Marktwertverluste von 320 Mio. Euro angefallen waren, erwartet die IKB neue Bewertungsverluste von 140 Mio. Euro. Die Formulierung “als sicherer eingestuft” schönfärberisch zu nennen, wäre untertrieben.

Ein “Weiter so” kann es jetzt nicht mehr geben.

Der sauberste Schnitt wäre, die IKB in die geordnete Insolvenz rutschen zu lassen.

Dann würden die Gläubiger nach ihrer Rangfolge entschädigt. Das Wertpapierportfolio müsste vermutlich bei der KfW - und damit beim Staat - verbleiben. Diesen Tod müsste Steinbrück sterben.

Berlin sollte aber nicht mehr den Eindruck erwecken als sei die IKB noch zu retten. Das vermeintliche Risiko, das für das Finanzsystem von einer IKB-Pleite ausgehen würde, wird nicht so groß sein, als dass der Finanzplatz Deutschland zusammenbrechen würde.

Die mittelständischen Kunden finden je nach ihrer Größe bei Sparkassen, Landesbanken, Commerzbank oder Deutscher Bank neue Ansprechpartner - das Ende der Welt sähe anders aus.

Die privaten Banken hatten schon beim dritten Rettungspaket deutlich gemacht, dass für sie das Ende der Fahnenstange erreicht sei. Mit noch mehr Geld helfen wollen sie nicht.

Das aber lässt den Schluss zu, dass sie die Krise nicht so sehr fürchten, als dass sie alles dafür tun würden, sie zu vermeiden. Sparkassen und Genossen hatten sogar noch früher deutlich gemacht, dass ihre Taschen geschlossen bleiben.
___________
Quelle: T.Bartz




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