Diamanten als Kapitalanlage
Samstag Dezember 15th 2007, 11:17 am
Abgelegt unter: Kapital

Diamanten haben unter den Edelsteinen einen einzigartigen Stellenwert, doch als Kapitalanlage ist bei den glitzernden Steinen eine gewisse Vorsicht geboten: Experten raten von kurzfristigen, spekulativen Käufen ab – für eine langfristige Wertsicherung ist die Anlage jedoch zu empfehlen.

Rechteckig geschnittene Diamanten sind stark gefragt. Das gilt zumindest in den USA im Geschäft mit Verlobungsringen. Zu den Käufern zählen dem Vernehmen nach die Schauspielerinnen Ashley Judd, Brooke Shields und Reese Witherspoon. Allerdings werden sie kaum zu Anlagezwecken kaufen, sie lassen sich allein von der Mode leiten.

Diamanten haben seit mehr als 3 000 Jahren unter den Edelsteinen einen einzigartigen Stellenwert.

Die fast 200 Kilometer im Erdinneren geformten Diamanten gelten als die weltweit härteste Substanz. Und glaubt man dem Werbeslogan des südafrikanischen Großproduzenten De Beers sind die edlen Steine gar unvergänglich.

Doch als Kapitalanlage ist bei Diamanten eine gewisse Vorsicht geboten.

Wer die Steine zu Anlagezwecken erwirbt, darf nicht auf einen schnellen Gewinn hoffen. Obwohl die Preise für bestimmte Steinklassen angesichts der starken Nachfrage zuletzt zum Teil sogar prozentual zweistellig gestiegen sind, wird ein Privatanleger Gewinne in dieser Größenordnung schon deshalb kaum realisieren, weil die Handelsmargen in der Branche dafür zu hoch sind.

„Wenn Sie die Steine für 20 Jahre halten, wird ihr Preis steigen“, sagte der New Yorker Diamantenhändler Alan Bronstein der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er sammelt bereits seit 27 Jahre die edlen Steine. „Aber man darf nicht kaufen und denken, dass man sie im nächsten Jahr mit Profit wieder verkaufen kann“, ergänzte Bronstein.

Auch Dieter Hahn von der Diamantschleiferei und -handlung Ph. Hahn Söhne rät von einem kurzfristigen, spekulativ begründeten Kauf von Diamanten kategorisch ab.

„Doch für die langfristige Wertsicherung ist die Anlage in Diamanten zu empfehlen“, sagt Hahn – vor allem, wenn sie der Diversifikation des Vermögens diene. Bei den großen Steinen – zwei Karat und größer – erwarte die Branche zurzeit einen erheblichen Preisanstieg. Eine stärkere Nachfrage sei vor allem aus Asien feststellbar, beispielsweise aus Singapur, Hongkong und Tokio.

Nach Angaben des Marktführers De Beers sind die Diamantenverkäufe im vergangenen Jahr um mehr als fünf Prozent gestiegen.

Immerhin ist die Nachfrage nach Diamanten damit so stark wie seit langem nicht mehr. Gleichzeitig erhöhte sich die Minenproduktion aber nur um ein Prozent. Auch die weiteren Aussichten bewertet der Konzern als „äußerst vielversprechend“, insbesondere bei den hochkarätigen Steinen.

Wer einen kleinen Teil seines Vermögens in Edelsteine und Diamanten diversifiziert, sollte auf ein paar wichtige Dinge achten:

So werden zum Beispiel Angebot und Preis eines Gutteils der weltweit geförderten Steine noch immer direkt oder indirekt durch die einst von De Beers gegründete „Zentrale Verkaufsorganisation“ (CSO) kontrolliert. Für eine langfristige Anlage sind deshalb auch nur hochkarätige Steine geeignet, die sich dieser Preiskontrolle wegen ihrer Seltenheit entziehen.

Dabei handelt es sich um große, lupenreine weiße Diamanten ab etwa fünf bis zehn Karat und zwar in der Farbklasse „D“ (hochfeines Weiß+) und vereinzelt auch noch „E“ (Hochfeines Weiß).

Als Anlagediamanten werden jedenfalls nur die lupenreinen Stücke akzeptiert, die auch bei zehnfacher Vergrößerung keine Einschlüsse erkennen lassen. Allerdings sind solche Ausnahmestücke nichts für ein kleines Depot: Unter rund 200 000 Euro ist kaum ein erstklassiger Stein der erforderlichen Größe und Reinheit zu bekommen.

Doch selbst dann ist ein solches Prachtexemplar noch lange nicht gänzlich vor Preiseinbrüchen geschützt, wie sie etwa nach der Entdeckung einer ungewöhnlich großen neuen Fundstelle eintreten können. Obwohl auch schöne Steine in den tieferen Farbklassen von „F“ bis „H“ begehrt sind und gerade wärmere und billigere Steine bis hinunter zum nur noch „leicht getönten Weiß“ für reine Schmuckzwecke oftmals sogar geeigneter sind, ist der Werterhalt bei ihnen nicht mit dem in den oberen Weiß-Klassen vergleichbar.

Wer in Diamanten investiert, sollte folglich lieber klotzen statt kleckern: Ein Top-Zehnkaräter ist nicht nur weit teurer als zehn Einkaräter der besten Qualität, sondern verspricht auch einen erheblich höheren Wertzuwachs.

Ab einem Gewicht von 0,5 Karat aufwärts werden Diamanten zudem üblicherweise mit dem Zertifikat eines Prüfungslabors versehen wie etwa des Gemological Institute of America (GIA). Steine bis einem Karat (0,2 Gramm) gelten hingegen als Ware, die nur für die Verarbeitung als Juwelenschmuck eine Rolle spielt. Der Marktpreis wird hier weniger von der Seltenheit der Steine als der Verkaufspolitik von De Beers bestimmt.

Die Bewertung eines Steines kann allerdings nur durch einen ausgewiesenen Fachmann erfolgen. „Ganz wichtig ist eine gute Expertise“, betont Fachmann Hahn. Der Haken: Der Begriff ist nicht geschützt. Die Firma Hahn akzeptiert daher nur die Expertisen des Antwerp World Diamond Council (AWDC), zuvor Hoge Raad voor Diamant Antwerpen, des Diamantprüflabors in Idar-Oberstein und des GIA.

Irreführend für private Investoren ist der Begriff der Diamantbörse.

„Viele Anleger lassen sich von dem Wort Diamantbörse verleiten“, sagt Hahn. Doch dabei handle es sich nicht um eine Börse im herkömmlichen Sinne, sondern um eine „Vereinigung für Insider“. Der „offizielle Markt“, wo private Investoren kaufen können sei etwa der seriöse Facheinzelhandel.

„Es gibt aber keinen offiziellen Markt, wo Privatleute verkaufen können“, sagt Hahn, der nach eigenen Angaben Inhaber der ältesten Diamantschleiferei Deutschlands ist.

Eine Bank wird daher für Diamanten wohl nur selten Geld zur Verfügung stellen, weil sie keinen Anhaltspunkt für dessen Wert hat. Hier liegt Experten zufolge auch ein wesentlicher Unterschied zur Anlage in der „Krisenwährung“ Gold: Anders als ein Diamant lassen sich Barren und Münzen aus dem gelben Metall viel leichter zu Geld machen, weil hier jeden Tag neue Preise gestellt werden.

Wer einen Diamanten oder Farbedelstein zur Kapitalanlage kauft, sollte sich dafür auch nur an Fachleute wie Edelsteinhändler, Juweliere oder ausgewählte Auktionshäuser wenden.

Gerade Auktionsangebote können auch für Privatkäufer durchaus seriös sein. Denn die Fachkenntnis der Edelsteinexperten und die Kompetenz der dort aktiven Händler bietet ein hohes Maß an Sicherheit beim Kauf.

Auch im Internet finden sich einige Orientierungshilfen. Trotz der hier vorhandenen Risiken durch unseriöse Anbieter hat sich dieser Informations- und Vertriebskanal international stärker durchgesetzt, zum Teil zulasten der Juweliere in den teuren innerstädtischen Lagen.

Im Internet tummeln sich aber auch viele Betrüger, die immer wieder Diamanten unter dubiosen Umständen als Kapitalanlagen mit Rückkaufgarantie anbieten – zum Teil von Firmen, die längst nicht mehr existieren.

Verbraucherschützer Peter Lischke warnt deshalb auch vor dubiosen Händlern, die am Telefon „viel Blödsinn“ erzählten.

„Diamanten sind ein sehr persönliches Geschenk“, sagt Lischke. Beliebt sind die edlen Steine vor allem im Alter.

Das „Wall Street Journal“ hat vor Jahren einmal festgestellt, dass die Größe der Diamanten mit dem Alter der beschenkten Frau proportional zunehmen.


Quelle: W.Drechsler/R.Palm

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Begriff
Der Name Diamant leitet sich von dem spätlateinischen „diamantem“ ab, dem Akkusativ von „diamas“, dem Wort für “unbezwingbar”. Gemessen werden Diamanten in Karat. Ein Karat entspricht 0,2 Gramm.

Merkmale
Auf Zertifikaten sind die wesentlichen Informationen zu einem Diamanten zusammengefasst. Die Merkmale ( Karat, Farbe, Reinheit und Schliff ) und die Qualität des Schliffes.

Entstehung
Diamanten entstehen bei hohem Druck im Erdinneren. Als ideal gelten eine Tiefe von 150 Kilometer und Temperaturen von 1 200 bis 1 400 Grad Celsius. Neben farblosen Steinen haben in den letzten Jahren auch Farbdiamanten (Fancy Diamonds) an Bedeutung gewonnen.

Förderung
Diamanten sind auf allen Kontinenten gefunden worden. Die größten Diamanten-Vorkommen liegen in Russland, Botswana, Australien und der Demokratischen Republik Kongo. Gefördert wird auch in Kanada, Südafrika und Brasilien. Der Wert der Weltproduktion lag im Jahr 2006 laut De Beers bei knapp 13 Mrd. Dollar.

Kunststeine
Seit dem Jahr 1955 werden mit Hilfe des Hochdruck-Hochtemperatur-Verfahrens künstliche Diamanten hergestellt. Diese künstlichen Steine sind aber bisher keine bedeutende Konkurrenz für die „natürlichen“ Diamanten.

Verwendung
Am bekanntesten ist die Verwendung von Diamanten als Schmuck. In der Industrie werden sie in Bohr-, Schneid- und Schleifwerkzeugen eingesetzt.
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