Deutsche klauen jährlich Waren im Wert von 4,9 Mrd. Euro
Donnerstag November 22nd 2007, 12:08 pm
Abgelegt unter: Tagesthemen

Ladendiebstahl kommt dem Einzelhandel teuer zu stehen.

Weltweit belaufen sich die Kosten für Warenschwund und auf 72,424 Mrd. Euro, so die Ergebnisse des ersten Globalen Diebstahlbarometers, eine Studie in 32 Ländern des Centre for Retail Research (Nottingham, Großbritannien) in Kooperation mit Warensicherungsspezialist Checkpoint Systems.

In Europa kostete Warenschwund den Einzelhandel insgesamt 29,285 Mrd. Euro, was einer „Diebstahlsteuer“ von 61,95 Euro pro Verbraucher entspricht.

Gemessen am Einzelhandelsumsatz beträgt die durchschnittliche Schwundrate 1,26%, was einen leichten Anstieg zum Vorjahr darstellt (2006: 1,24%).

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Deutschland: Mit 1,1% wird hier zwar die viertniedrigste Schwundrate gemessen, im Vorjahr (1,07%) fiel diese aber um 2,8% niedriger aus. Insgesamt „bezahlen“ deutsche Einzelhändler damit 4,9 Mrd. Euro für Warenschwund.

Die niedrigsten Schwundraten haben Österreich (0,94%), die Schweiz (0,96%) und Island (1,00%). Am meisten wird in den Baltischen Staaten (1,42%) und Tschechien (1,41%) gestohlen.

Zwar setzen immer mehr Einzelhändler zur Reduzierung von Warenschwund auf moderne Warensicherungslösungen, nach dem Globalen Diebstahlbarometer erfahren jedoch 38,5% der besonders diebstahlgefährdeten Produkte in Europa keinen besonderen Schutz.

Europäische Einzelhändler überführten im Berichtszeitraum (Juli 2006 bis Juni 2007) insgesamt 3,55 Mio. Diebe, wovon 98,1% unehrliche Kunden und 1,9% unehrliche Mitarbeiter waren.

Die Hauptursache für Warenschwund in Europa bildet damit der Diebstahl durch Kunden: In Deutschland sind sie für 55,9% der Verluste verantwortlich, gefolgt von Mitarbeitern (24,6%), Lieferanten (6,8%) und internen Fehlern (12,7%).

Im internationalen Vergleich ist Kundendiebstahl – mit Ausnahme von Griechenland (58,0%) und Österreich (57,2%) – nirgendwo so hoch wie in Deutschland.

Weltweit entfallen auf Diebstahl durch Kunden 42,0% der Kosten (30,476 Mrd. Euro), auf Mitarbeiter 35,2% (25,459 Mrd. Euro), auf interne Fehler 16,5% (11,931 Mrd. Euro) und auf unehrliche Lieferanten 6,3% (4,558 Mrd. Euro).

„Klein und teuer“ – gestohlen wird vor allem das, was gut in die Tasche passt: Klaurenner sind Weine und Spirituosen, Kosmetika, Damenbekleidung, Parfums, Rasierklingen sowie DVDs und CDs.

Die durchschnittlichen Kosten des Diebesguts bei unehrlichen Kunden betrugen in Europa 82 Euro (Nordamerika 457 Euro, asiatischpazifischen Raum 40 Euro). Diebstahl durch Mitarbeiter schlägt sogar mit durchschnittlich 3.778 Euro zu Buche (151 Euro im asiatischpazifischen Raum, 1.223 Euro in Nordamerika), was auf großangelegten finanziellen Betrug hindeutet.

Rund ein Drittel des internen Diebstahls ereignet sich dabei an der Kasse, 24,1% im Verkaufsraum und 41,7% durch Entwendung aus dem Lager- und Anlieferungsbereich.

„Die Ergebnisse zeigen, dass es in allen Ländern Händler gibt, die ihren Warenschwund reduzieren konnten, während bei anderen die Zahlen unabhängig vom regionalen Standort gestiegen sind“, erklärt Joshua Bamfield, Direktor des Centre for Retail Research. „Das spricht dafür, dass niedrigere Schwundraten auf Strategie, Politik und Investition zurückzuführen sind und nicht auf länderspezifische Faktoren.“

Insgesamt investierten europäische Einzelhändler 7,821 Mrd. Euro in Sicherheit, was 0,34% des Umsatzes entspricht. Deutsche Einzelhändler haben mit 1,249 Mrd. Euro (0,28% vom Umsatz) weniger als der Durchschnitt ausgegeben.

Das Globale Diebstahlbarometer ist die weltweit größte Umfrage zum Thema Kriminalität und Schwund im Einzelhandel.

Die Studie umfasst 32 Länder in Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum (darunter 25 Länder West- und Mitteleuropas sowie Nordamerika, Kanada, Australien, Indien, Japan, Singapur und Thailand). An der Befragung beteiligten sich 820 Einzelhandelsunternehmen, die insgesamt 138.603 Läden mit einem Umsatz in Höhe von 696.121 Mrd. Euro betrieben.

Diese Einzelhändler repräsentieren damit 16% des gesamten europäischen Einzelhandelsumsatzes, 13% des Einzelhandel-Umsatzes in Nordamerika und 5% im asiatisch-pazifischen Raum.

Die Umfrage erfasste den zwölfmonatigen Zeitraum von Juli 2006 bis Juni 2007. Die Rücklaufquote betrug 22,8%.
Verwendeter Wechselkurs: $1= € 0,734305


Quelle: Checkpoint




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