Massive Kritik an Post-Chef Zumwinkel: Der Manager hat mehr als 200.000 Aktien-Optionen eingelöst und einen Millionengewinn eingestrichen.
Das Timing war perfekt:
Erst einigt sich die Große Koalition im Grundsatz auf den Mindestlohn für Briefzusteller, daraufhin steigt der Aktienkurs der Deutschen Post kräftig – und anschließend macht Konzernchef Klaus Zumwinkel Kasse.
Politiker von FDP und Grünen gehen Zumwinkel jetzt in der “Bild”-Zeitung frontal an. “Dieses Monopoly-Spiel passt nicht zu unserer sozialen Marktwirtschaft. Schwarz-Rot hat Herrn Zumwinkel durch den Post-Mindestlohn ein großes Weihnachtsgeschenk beschert”, sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion Rainer Brüderle.
Die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen Christine Scheel sagte: “Es ist moralisch verwerflich, wenn der Post- Chef die Mindestlohn-Entscheidung in dieser Art und Weise in privaten Gewinn ummünzt. Anscheinend bekommt Herr Zumwinkel den Hals nicht voll.”
Zumwinkel hatte am Montag 200.640 Aktien-Optionen des eigenen Unternehmens an der Börse verkauft und dafür insgesamt 4,73 Millionen Euro eingenommen.
Zuvor war der Wert der Aktien nach der Entscheidung für den Post-Mindestlohn um knapp fünf Prozent gestiegen.
Zumwinkel war maßgeblich an dem Beschluss zum Post-Mindestlohn beteiligt. Über den Arbeitgeberverband Postdienste hatte er mit der Gewerkschaft Ver.di einen Tariflohn von 9,80 Euro ausgehandelt, den die Große Koalition für die gesamte Branche als verbindlichen Mindestlohn festlegen möchte.
Wettbewerber wie Pin oder TNT kritisieren dies massiv. 9,80 seien viel zu hoch, Konkurrenten würden aus dem Markt gedrängt, der Mindestlohn zementiere nur das Monopol der Deutschen Post.
Die Tatsache, dass Zumwinkel seine Optionen ausgerechnet jetzt eingelöst hat, findet ein Konzern- Sprecher nicht verwerflich. “Für einen in der Öffentlichkeit stehenden Manager gibt es nie den richtigen Zeitpunkt: Verkauft er bei schlechtem Kurs, heißt es, die Ratte verlässt das sinkende Schiff.
Verkauft er bei gutem Kurs, wird ihm persönliche Bereicherung vorgeworfen.” Zumwinkel habe sich nicht von der Mindestlohn-Entscheidung der Großen Koalition leiten lassen. “In solcher Position hat man es nicht nötig, über ein Kursplus von 50 Cent groß nachzudenken.”
Entscheidender sei gewesen, dass es gerade ein juristisches Zeitfenster gegeben habe, in dem der Post-Chef überhaupt verkaufen durfte.
Vorstandsvorsitzende dürfen in Deutschland nur zu bestimmten Zeiten Aktien verkaufen oder Optionen einlösen. Kurz vor der Bekanntgabe von Geschäftszahlen ist dies zum Beispiel verboten. “Der Zeitpunkt des Verkaufs hat rein technische Gründe”, sagt der Post-Sprecher.
Quelle: wal/dpa/Reuters
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