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Das wahre Singapur - Gut essen
Montag Februar 04th 2008, 10:57 am
Abgelegt unter: Tagesthemen

Süß-scharfe Taschenkrebse, frische Fischbällchen und “Trunkene Garnelen”:

24 Stunden genügen, um sich in Singapur durch die Spezialitäten Südostasiens zu essen.

Ein böses Vorurteil besagt, die größte Freude würden Menschen aus Singapur beim Shoppen empfinden. Dabei heißt deren unangefochtene, Generationen und Einkommensschichten einende Lieblingsbeschäftigung in Wahrheit “makan”.

Das ist das malayische Wort für essen und besitzt für Singapurer den Status eines nationalen Kulturerbes: Das National Museum zeigt eine große Dauerausstellung, die allein der Geschichte des Essens gewidmet ist, und im Internet tummeln sich reichlich genussfreudige Bürger, die in Blogs darüber sinnieren, welche Imbissbude die beste Nudelsuppe serviert.

Wer das wahre Singapur kennenlernen will, sollte es den Einheimischen gleichtun und während des Aufenthalts so viel wie möglich essen.

Um sich dabei durch den halben asiatischen Kontinent zu schlemmen, genügen 24 Stunden.

6.30 Uhr: Tekka Market
Auf den ersten Blick ähnelt der Tekka Market all den anderen asiatischen Märkten: Ein dichtes Knäuel von Menschen, die sich durch ein Labyrinth aus Ständen drängen, an denen Obst, Gemüse und tote Tiere verkauft werden. Dazwischen verkaufen Einheimische asiatisches Fast Food.

Der Unterschied aber ist, dass man hier alles bedenkenlos essen kann: Die Fischbällchen in der Hokkien-Mee-Suppe zum Beispiel sind frisch und für empfindliche europäische Mägen auch als Frühstück verträglich. Besonders beliebt im Tekka Market sind der Stand von Yan Sen und seine frittierten Carrot Cakes (Block 665 Buffalo Road). Die singapurische Spezialität ist chinesischen Ursprungs, trieft vor würziger Sojasoße und sättigt bis zum Mittag.
Serangoon Road, Little India

13 Uhr: Hotel Shangri-La
Büfetts sind ein Horror: voll mit lärmenden, gierigen Menschen, die aufgewärmtes Essen zu schamlosen Türmen stapeln. Das denken Feinschmecker, bevor sie im “The Line” waren: Das ist ein Restaurant im Hotel Shangri-La, das ein “All you can eat”-Büfett bietet, bei dem sich auch Gourmets nicht zu schämen brauchen.

An 16 Stationen bereiten Köche internationale Leckerbissen zu, frisch geschnittenes japanisches Sashimi, Krustentiere, indisches Lammcurry, knusprige Pekingente. Als Spezialitäten des Hauses gelten Hähnchenreis “Hainan” oder Hummersalat mit japanischem Kaviar. Am Wochenende stärken sich hier viele Einheimische beim Brunch für den Shoppingmarathon an der Orchard Road. Sie mögen es auf ihre Art exotisch und laden sich mit Vorliebe Pasta all’arrabiata oder Gummibärchen auf die Teller.
22 Orange Grove Road, Orchard District

17 Uhr: Teatime im Tian Fu Teahouse
“Bitan Piaoxue” heißt übersetzt “Schnee auf smaragdgrünem Teich”. Das ist kein neuer Romanbestseller, sondern der grüne Jasmintee, den es in Singapur nur im Tian Fu Teahouse gibt. Das exklusive Getränk kommt aus den Meng-Ding-Bergen in Sichuan, früher belieferten die ansässigen Teebauern den chinesischen Kaiser. Damals wie heute darf der Tee angeblich nur vor Sonnenaufgang und von jungen, unverheirateten Mädchen geerntet werden, da allein deren Finger zart genug sind, um die zarten Teeblätter nicht zu beschädigen. Sie pflücken auch die untergemischten Jasminblüten und befreien sie von schweren Blütenblättern: So schwimmen sie später wie Schneeflocken auf dem Tee.

Egal ob von echten Jungfrauen gepflückt oder nicht: Grüner Tee entgiftet den Körper und hält schlank. Genau das Richtige also nach einem halben Tag Power-Essen.
7500A Beach Road, Plaza Parkroyal

21 Uhr: Long Beach
Das Restaurant Long Beach mit seiner großen Veranda liegt zwar in den Hügeln von Tanglin Village, Strand und Meer findet man dafür auf der Speisekarte. Die Drehtabletts der runden Tische sind schnell gefüllt mit Meeresspezialitäten wie “Trunkenen Garnelen” oder indisch-chinesischem, süß-sauer-würzigem Fischkopfcurry. Außerdem bietet sich eine gute Gelegenheit, um Singapurs Nationalgericht zu testen, die “Chili Crab”.

Berühmt ist das Long Beach allerdings für seine “Black Pepper Crab”, Taschenkrebse gekocht in Pfeffersud. Ideal dazu passen ein paar Gläser asiatisches “Tiger Beer”, das Getränk, nach dem Schriftsteller Anthony Burgess seinen Debütroman “Time for a Tiger” benannte. Der Titel spielt auf die Figur Nabby Adams an, einen Polizisten, der eine Schwäche für warmes Bier hat. Das “Tiger” im Long Beach ist erfreulicherweise angenehm kühl.
25 Dempsey Road, Tanglin Village

2 Uhr: Balestier Road, Novena
Auch nachts muss in Singapur niemand verhungern. Auf der Balestier Road befinden sich viele Imbisse, die rund um die Uhr geöffnet haben. Zeit genug, um auch noch die letzten fehlenden Spezialitäten zu probieren: Chinesisches “Bak kut teh”, was grob übersetzt Schweinerippchentee heißt, oder das indonesische Reisgericht Nasigoreng. Das beliebteste Mahl bei Nachtschwärmern ist jedoch das südindische Roti Prata mit malaysischem Teh tarik: eine reichhaltige, asiatische Variante des Pfannkuchens, serviert in Kombination mit süßem Tee.

Wer danach nicht ermattet von all den kulinarischen Eindrücken in tiefen Schlaf fällt, kann einen Verdauungsspaziergang einlegen, bis der Tekka Market wieder öffnet. Der ist gleich um die Ecke, und der Fisch ist garantiert auch wieder frisch.

Adressen:

National Museum
93 Stamford Road
Tel. 0065/63 32 36 59
www.nationalmuseum.sg

Mustafa-Centre
In dem Shoppingcenter gibt es rund um die Uhr Miniaturkitsch und Souvenirs sowie den großartigen Süßigkeitenladen More Chocolates.
145, Syed Alwi Road
www.mustafa.com

New Majestic Hotel
Charmantes Boutiquehotel
31-37 Bukit Pasoh Road
Tel. 0065/65 11 47 00
www.newmajestichotel.com

Anreise zum Beispiel mit Singapore Airlines von Frankfurt, ab 750 Euro,
www.singaporeair.de
___________
Quelle: F.Seng




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