FinanzBlog24


Das Monopol der Uefa
Donnerstag März 20th 2008, 2:52 pm
Abgelegt unter: Tagesthemen

Die Schweizer Steuerzahler haben die Kosten, die Uefa hat den Gewinn: Wer meint, die Euro 08 würde der Schweiz nachhaltigen Nutzen bringen, irrt.

Man liest und hört immer wieder – vor allem von Politikern, die locker viel Geld versprochen haben –, dass wir Schweizerinnen und Schweizer uns noch zu wenig auf die Euro 08 freuen.

Krampfhaft werden Versuche gestartet, mit allerlei Event-Häppchen die Vorfreude anzufachen.

Doch viel lauter erschallt aus dem Blätterwald die Sorge um negative Begleiterscheinungen.

Sonderstaatsanwälte und Sondergerichte werden aufgestellt, die Polizei und Grenzwacht aufgestockt, die Nachtflugverbote gelockert, damit die lieben Gäste gleich nach Spielschluss sofort wieder ausgeflogen werden können.

Anwohner der Stadien und Fanzonen rüsten sich gegen die Hooligans.

Zahlreiche Kongresse, Tagungen und Sitzungen werden von den Fussballstädten meist ins Ausland verlegt.

Insgeheim sind viele glücklich über das Ausscheiden von England. Man muss an George Orwell denken, der den bösen Satz prägte: «Sport is war minus the shooting» (Sport ist Krieg, ohne dass geschossen wird, wobei nicht einmal das mehr zutrifft).

Und schliesslich haben gewöhnlich Sterbliche nur eine minimale Chance, zu einem Ticket zu kommen, während die wirtschaftliche und politische Prominenz schon letztes Jahr für ca. 50 Millionen Franken mit Hospitality-Paketen eingedeckt wurde.

Insgesamt rechnet die Uefa (ein privater Sportverein mit einem Exekutivkomitee von vierzehn hochdotierten und selbsternannten Herren) mit etwa 2,2 Milliarden Franken Einnahmen – fast die Hälfte mehr als 2004 in Portugal und dreissig Mal mehr als 1992 in Schweden.

Der schwerste Brocken sind die Medienrechte mit rund 1,25 Milliarden. Sponsoring und Merchandising bringen ca. 400 Millionen, Billettverkäufe an Unternehmen auch noch etwa 180 Millionen.

Dagegen sind die 140 Millionen aus Ticketverkäufen an Normalzuschauer schon bescheiden und klar kleiner als die Beträge, welche von den Schweizer Steuerzahlern aufgeworfen werden (es wird wie bei der Expo am Schluss dann wohl noch etwas mehr werden).

Der wohltätige Uefa-Verein rechnet mit einem Gewinn von mehr als einer Milliarde.

Ein Blick in die Bilanz zeigt, dass bereits ein Jahr vor der Euro 08 etwa eine satte Milliarde Franken als flüssige Mittel angehäuft war. Dazu kommen noch etwa 350 Millionen Finanzanlagen.

Alle Anlagen in Gebäude und Grundstücke sind auf null abgeschrieben, der Prunkpalast am Genfersee ist also aus den Büchern verschwunden. Die Personalkosten sind mit über 60 Millionen nicht gerade gering, dazu kommen noch etwa 20 Millionen Reise- und Hotelspesen. Beraterhonorare und Öffentlichkeitsarbeit schlagen mit rund 30 Millionen zu Buche.

Hier wird mit grossen Kellen angerichtet und ausgeteilt.

Wieso muss jetzt auch noch der schweizerische Staat gegen 200 «Kisten» einschiessen? Der Grund ist ebenso einfach und einleuchtend wie beim WEF in Davos. Unsere lieben Gäste müssen sicher sein und die hiesige Bevölkerung sicher vor den nicht so lieben Gästen.

Sicherheit ist eine öffentliche Aufgabe erster Ordnung. Das stimmt, aber wenn gleichzeitig ein steinreicher privater Organisator eine Milliarde Gewinn budgetiert, wirft das doch einige Fragen auf.

Besser ist eine andere Erklärung: Die Länder bzw. die führenden Politiker reissen sich um diese Events. Die Uefa hat ein Monopol auf der Champions League, dem Uefa-Cup und den Europameisterschaften und eine entsprechend (sagen wir es höflich) starke Verhandlungsmacht bei der Vergabe. Und last, not least ist da ja noch der volkswirtschaftliche Zusatznutzen all dieser ausländischen Besucher, die hier für teures Geld logieren, sich verköstigen und sich betrinken.

Leider bleibt davon unter dem Strich nichts hängen, weil diese Ausgaben andere verdrängen.

Bleiben noch die Impulse in die Verkehrs- oder Stadioninfrastrukturen. Davon kann eigentlich im Fall der Schweiz auch keine Rede sein, weil ausser der Kapazitätserweiterung in Basel die Stadien auch sonst gebaut worden wären und sich in Zukunft als zu gross erweisen werden.

Also bleibt noch der immaterielle Nutzen in Form einer Verbesserung des Bekanntheitsgrades der Austragungsorte und des Image der Schweiz.

Aber wer weiss noch, in welchen belgischen und holländischen Städten im Jahre 2000 die Euro stattgefunden hat? Zudem kann Bekanntheit sich auch ins Gegenteil verkehren. Wer hat vergessen, dass das Heysel-Stadion in Brüssel steht?

Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass einmalige Grossanlässe volkswirtschaftlich keine messbaren Spuren hinterlassen. Es ist wie beim Feuerwerk. Das momentane Spektakel muss einem die Kosten wert sein. Nur sitzen die meisten von uns nicht in den staatlich subventionierten Logen, sondern eh nur vor dem häuslichen Fernseher.

Was ist zu tun?

Das Monopol der Uefa muss geknackt werden, etwa durch eine neue Konkurrenzliga auf europäischer Ebene nach amerikanischem Muster mit einem geschlossenen Kreis von Klubs.


Quelle: Silvio Borner




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