Warnhinweis zum Angebot vergessen
“Kommen Sie mit Ihren Ersparnissen auch nicht richtig voran?‘‘ fragt die Direktbank Comdirect die Zuschauer in einem TV-Werbespot für Tagesgeld. Das Bild zeigt, wie sich ein Mann auf hoher See im grauen Schlauchboot mit zwei Holzpaddeln abmüht, aber kaum von der Stelle kommt.
Die Bank fordert Anleger daher auf: “Dann machen Sie doch mehr aus Ihrem Geld – mit Comdirect und Tagesgeld-Plus. Starten Sie durch mit 3,8 Prozent Zinsen.‘‘ Und schon wird aus dem lahmen Kahn ein rotgelbes Rennboot, das mächtig Fahrt aufnimmt.
So viel zum Film. Fragt sich, ob das Tagesgeld-Plus-Konto der Comdirect wie im Werbeprospekt versprochen wirklich ,,mehr Beschleunigung‘‘ bietet als die Konkurrenz.
Der erste Eindruck von dem 3,8-Prozent-Angebot ist positiv: Der Zinssatz ist hoch und wird zudem stets ab dem ersten Euro vergütet. Außerdem behandelt Comdirect Stamm- und Neukunden nahezu gleich. So erhalten auch die Bestandskunden den lukrativen Zins, während den Neuen zusätzlich ein Startguthaben von 25 Euro winkt – vorausgesetzt, sie zahlen innerhalb von 30 Tagen nach Kontoeröffnung mindestens 1000 Euro ein. Und drittens gibt es die variablen 3,8 Prozent auf unbestimmte Zeit.
Somit hebt sich Comdirect erfreulicherweise von jener Tagesgeld-Konkurrenz ab, die ihre Angebote mit zahlreichen Einschränkungen versieht – beispielsweise einer vierstelligen Mindestanlagesumme, einem höheren Zins nur für Neukunden sowie einer zeitlichen Befristung des Lockvogelangebots, verbunden mit einem niedrigeren Anschlusszins.
Völlig ohne Kleingedrucktes ist das Angebot der Comdirect aber nicht. So findet sich in Kleinanzeigen der Printmedien ein Sternchen hinter dem Zusatz ,,Tagesgeldzinsen‘‘. Die Erklärung folgt wie üblich in viel kleinerer Schrift: ,,Zinssatz variabel und p.a. Bis 30.000 Euro.‘‘
Ärgerlich, dass Interessenten in solchen Anzeigen nicht erfahren, wie viele Zinsen ab 30.000,01 Euro vergütet werden. Auf der Homepage werden Anleger beim Tagesgeld-Plus-Konto dagegen schon in der Übersicht fündig – wenn auch im Kleingedruckten: “Anlagebeträge, die über 30000 Euro hinaus gehen, werden mit 0,5 Prozent p.a. verzinst.‘‘
Null-Komma-fünf statt drei-Komma-acht! Das sind 3,3 Prozentpunkte weniger – ein Minus von knapp 87 Prozent. Solch extrem hohe Zinsabschläge sollte Comdirect eigentlich mit einem Warnhinweis kennzeichnen.
Gibt es doch so gut wie keinen Tagesgeld-Anbieter, der von einem Euro auf den anderen nur noch rund ein Siebtel des ursprünglichen Zinssatzes vergütet. Folglich rechnet kaum ein Anleger mit einer solch dramatischen Zinskorrektur.
Wenn vermögende Sparer das Tagesgeld-Sternchen der Comdirect übersehen und dort deutlich mehr als 30000 Euro parken, also beispielsweise Geld aus einer Lebensversicherung oder aus dem Verkauf einer Immobilie und eines Aktienpakets anlegen, erhalten sie weniger Zinsen als bei der Konkurrenz.
Faustregel: Je mehr der Anlagebetrag die 30.000 Euro übersteigt, desto größer sind die Zinseinbußen. Schon bei einer Summe von 40.000 Euro werden 10.000 Euro nur mit 0,5 Prozent verzinst. Dies drückt den Durchschnittszins auf 2,98 Prozent. Und bei 60.000 Euro schrumpft der Zins auf magere 2,15 Prozent.
Zum Vergleich: Wie eine Übersicht der FMH-Finanzberatung zeigt, zahlen 23 Geldhäuser ihren Neu- und Altkunden bei einer Summe von 60.000 Euro mehr als drei Prozent. Und drei dieser Banken vergüten jedem Kunden mehr als 3,8 Prozent, und zwar gleichgültig, ob er nur einen Euro oder 60000 Euro dort parkt.
Quelle: SZ
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2 Kommentare so far
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Ja das stimmt leider. Ich finde auch nicht immer das passende Konto für hohe Beträge.
Kommentar von Tagesgeld 11.22.07 @ 2:18 pmEinen Kommentar hinterlassen
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[...] Hier geht das Comdirect Girokonto dank hoher Guthabenverzinsung über das zum Konto gehörende kostenlose Tagesgeldkonto sowie die 12 Euro Kontogutschrift im Jahr als klarer Testsieger hervor. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Werbung der Comdirect Bank und der direkte Vergleich mit anderen Girokonten das Konto der Comdirect zwar auf den ersten Blick als klar überlegen darstellt, sich das jedoch wieder relativiert, wenn man die übrigen Kostenbestandteile für EC- und Kreditkarteneinsatz sowie die Guthabenverzinsung mit berücksichtigt. Wichtig ist auch zu wissen, dass der angebotene Tagesgeldzins nur bis zu einer Einlage von maximal 30.000 Euro gilt. Vor allem Anleger, die viel Liquidität auf ihrem Konto parken, kommen dann ziemlich schlecht weg, wie auch der folgende Blog-Beitrag kritisch beleuchtet: “Comdirect Bank – Wer viel Geld anlegt, kommt schlecht weg“. Einen Überblick über aktuelle Kundenzahlen der Comdirect finden interessierte Leser auf der folgenden Seite: “Comdirect auf dem Vormarsch“. [...]
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