Wohneigentum ist in Deutschland vergleichsweise wenig verbreitet.
Vielleicht liegt das daran, dass vielen das Thema Baufinanzierung zu kompliziert ist. Die Kenntnisse der Deutschen in diesem Bereich sind jedenfalls äußerst lückenhaft.
Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung, die das Institut für Management.- und Wirtschaftsforschung durchgeführt hat.
Nur knapp jeder 15. Befragte konnte mehr als zwei Drittel der Fragen richtig beantworten, fast jeder Dritte dagegen konnte noch nicht einmal jede dritte Frage richtig beantworten.
Wenig überraschend ist, dass dabei Personen mit hohem Einkommen und Akademiker besser abschnitten. Doch noch nicht einmal jeder zehnte Teilnehmer, der über einen Hoch- oder Fachhochschulabschluss verfügt, erwies sich in Fragen der Baufinanzierung als wirklich beschlagen.
Scheitern an einfachen Grundbegriffen
Das betraf dabei zum Teil einfachste Grundbegriffe. So wussten 73 Prozent nichts mit dem Begriff “Annuitätendarlehen” anzufangen. Lediglich 24 Prozent konnten erklären, was eine annuitätische Tilgung ist und für 45 Prozent der Befragten war selbst der Effektivzins ein Fremdwort.
Erwartungsgemäß kannten sich Immobilienbesitzer und die 37 Prozent der Befragten, die planen in den kommenden Jahren eine Immobilie zu erwerben, etwas besser aus. So kannten rund 86 Prozent der nicht-immobilienaffinen Teilnehmer Darlehensformen wie Festdarlehen, kündbares Darlehen oder Forward-Darlehen allenfalls vom Namen her. Doch die Wissenslücken der Besitzer und Planer waren mit einem Anteil von knapp 72 Prozent nur unwesentlich kleiner.
Das offenbart sich auch bei der Fähigkeit, Begriffe zu erläutern. Drei von vier Immobilienbesitzern sahen sich nicht in der Lage, zu erklären, was der Begriff “Prolongation” bedeutet, jeder zweite nicht, was eine “Endfällige Tilgung” ist.
Wie grundlegend die Irrtümer sind, zeigt sich im Mangel an Wissen um Finanzierungsmodalitäten.
So wussten 43 Prozent der Immobilienbesitzer nicht, dass am Ende der Zinsbindung zumeist eine Anschlussfinanzierung notwendig wird. Nur jeder zehnte war darüber informiert, dass eine lang laufende Finanzierung nach 10 Jahren gekündigt werden kann und jeder Dritte ging davon aus, dass eine Anschlussfinanzierung jederzeit möglich sei. Nur etwa 17 Prozent der Immobilienbesitzer kannte die Möglichkeit, sich mittels eines Forward-Darlehens einen Zinssatz zu sichern.
Vielen Deutschen entgehe so die Möglichkeit einer günstigen Umschuldung. Das betrifft auch die Nutzung von Fördermöglichkeiten. Nur etwa die Hälfte der Immobilienbesitzer und Planer kennt die Angebote der bundeseigenen KfW oder die der Bundesländer, bei den Nicht-Immobilienbesitzern ist es gar nur ein Viertel. Wohn-Riester ist noch weniger bekannt. Gerade Haushalte mit niedrigen Einkommen offenbaren Wissensdefizite.
Wenig Glaube an die Hausbank
Dass die Schwaben die versiertesten Häuslebauer in Deutschland sind, lässt sich mit den Umfrageergebnissen nur bedingt erhärten. Zwar gibt es in Baden-Württemberg vergleichsweise wenig Personen mit schlechten Baufinanzierungskenntnissen, doch trifft dies allgemein auf den Süden Deutschlands zu. Schlecht schneiden vor allem die östlichen Bundesländer, allen voran Sachsen und Thüringen ab. Immerhin kennen sich die Bewohner Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns bei den Fördermöglichkeiten vergleichsweise gut aus.
Wenig verbreitet scheint dagegen der Glaube an das Wohlmeinen der Hausbank: Fast 90 Prozent der Befragten vertraten die Ansicht, dass vor Abschluss einer Finanzierung Angebote bei mehreren Banken eingeholt werden sollten und zwei Drittel würden tendenziell einer Bank den Vorzug geben, die Finanzierungsangebote vermittelt statt Hausprodukte zu verkaufen.
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Quelle: mho

