Kapitalanlage in Bric-Schwellenländer
Freitag September 05th 2008, 7:26 am
Abgelegt unter:
Aktie,
Fonds
Die Finanzkrise hat die Aktienkurse in den vergangenen Monaten weltweit kräftig sinken lassen.
Besonders hart traf es die Börsen in den aufstrebenden Volkswirtschaften Brasilien, Russland, Indien und China – kurz: die Bric-Staaten.
Analysten und Aktienstrategen aber geben vorsichtig Entwarnung.
Das wirtschaftliche Potenzial der vier Länder und ihrer Börsen ist nach wie vor überdurchschnittlich groß. Das Wachstum dort ist insgesamt weniger anfällig als noch vor Jahren. Experten sind davon überzeugt, dass sich die Märkte dort mittel- bis langfristig positiv entwickeln werden.
Durchhalten, lautet die Devise, alles eine Frage der Zeit.
Die Börsen-Bilanz der vergangenen Monate allerdings ist verheerend: Seit Jahresanfang hat der chinesische Leitindex, der Shanghai Composite, mehr als die Hälfte seines Wertes verloren. In Indien sackten die Kurse um durchschnittlich 26 Prozent ab; an der Börse in Moskau waren es sogar 28 Prozent.
Nur Brasilien kam mit einem Minus von 15 Prozent vergleichsweise glimpflich davon, auf Dreimonatssicht stehen aber auch an der Copacabana Verluste von fast 24 Prozent zu Buche.
Mit den Bric-Börsen schmierten die Kurse zahlreicher Bric-Produkte ab, die die Fondsgesellschaften und Zertifikatebastler in den vergangenen Jahren auf den Markt geworfen hatten. Viele Anleger trifft das hart, denn Schwellenländerfonds gehören mittlerweile zu den Lieblingsprodukten der Deutschen.
Gerade bei langfristigen Sparplänen für die Altersvorsorge sind sie gefragt. Allein 77 Aktienfonds listet der Fondsverband BVI in seiner Statistik unter der Rubrik “Schwellenländer” auf; nicht wenige davon führen das Wörtchen Bric im Namen.
Das Gesamtvolumen der Fonds in Deutschland beträgt mittlerweile rund 7,7 Mrd. Euro.
Langfristig aber könnte sich die Geldanlage in den Schwellenländern auszahlen, wenngleich nicht jeder der vier Aktienmmärkte gleich attraktiv ist.
Experten sehen die besten Perspektiven in China. Möglicherweise werden die Kurse in den kommenden Wochen weiter nachgeben. Allerdings könnte ein faires Niveau schon bald erreicht sein. Langfristig orientierte und risikofreudige Anleger sollten über einen Einstieg nachdenken.
Auch andere Schwellenländer-Experten favorisieren ganz überwiegend China und Indien. Zwar belaste die weltweite Konjunkturschwäche vor allem die Exportnationen; für beide spreche aber die immer stärker werdende Binnennachfrage. Außerdem sind weder China noch Indien so abhängig von den Rohstoffpreisen wie Brasilien und die Russen.
Russland ist ein Sonderfall.
Die politischen Nachwehen des Krieges mit Georgien machen eine Bewertung derzeit kaum möglich. Sämtliche Fundamentaldaten wie etwa Russlands Bodenschätze würden von der politischen Situation überlagert. Russland hat derzeit im Vergleich zu den anderen das mit Abstand größte Risiko. Die Art und Weise, wie es seine geopolitische Vormachtstellung sichert, verstärkt die Sorgen der Investoren.
Anleger sollten derzeit besser einen Bogen um die Börse Moskau machen. Wie groß die Unsicherheit ist, haben die vergangenen Tage gezeigt: nach dem Beginn des Konfliktes in Georgien haben internationale Investoren, in Dollar gerechnet, zweistellige Milliardenbeträge abgezogen.
Empfohlen wird deshalb, nicht in alle vier Schwellenländermärkte gleichzeitig zu investieren, sondern sich auf China, Indien und – mit einigen Abstrichen – Brasilien zu beschränken. Mit einem Produkt, das alle vier Märkte abbildet, holt man sich schnell das ein oder andere Risiko ins Depot.
Wer sein Geld dennoch in einen Bric-Fonds packen wolle, sollte darauf achten, dass dieser aktiv verwaltet werde und der Fondsmanager bei Bedarf die Schwerpunkte zügig verschieben könne.
...........................
Quelle: C.Panster
Fiskus austricksen - Fondsgesellschaft DWS mit neuem Produkt
Dienstag August 05th 2008, 6:49 pm
Abgelegt unter:
Steuer,
Fonds
Die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS gibt sich in der Werbebroschüre für ihr neues Produkt als der große Anlegerversteher.
“Die Kurse gehen rauf und runter, kann man da überhaupt den “richtigen” Einstieg erwischen”, fragen die Schreiber treuherzig.
“Wohl eher nicht”, geben sie selbst die Antwort. Doch untätig sein, sei keine Lösung, appellieren sie an den Leser.
“Die steuerlichen Weichen vor dem Stichtag der Abgeltungsteuer” müssten gestellt werden – gemeint ist der 1. Januar 2009. Der “gewisse Zielkonflikt” sei ihnen bewusst, doch es gebe eine Lösung: den Fonds “StepInvest Top Dividende”.
Das Produkt, das dem Anleger angeblich alle Sorgen nimmt, funktioniert so:
Das Geld wird nicht direkt in einen Aktienfonds investiert, sondern schrittweise. Ganz wie es der Anleger von einem Fondssparplan kennt. Aber: Der Sparer zahlt das Kapital nicht schrittweise ein. Es wird auf einen Schlag zunächst in einem Geldmarktfonds geparkt.
Ab Oktober schichten die Profis der DWS die angelegte Summe dann in 25 kleinen Paketen à vier Prozent Monat für Monat (“Step by step”) in ein Portfolio um, dessen Entwicklung von den Kursen dividendenstarker Aktien abhängt – so, wie es der vor Jahren aufgelegte Fonds DWS Top Dividende macht.
Die DWS macht keinen Hehl daraus, dass die Fondsidee von der Abgeltungsteuer getrieben ist.
Da der Sparer noch in diesem Jahr sein Geld vollständig anlegt, sind die Erträge langfristig steuerfrei – auch wenn der Großteil des Geldes erst nach 2008 in dem Aktienportfolio landet. Normalerweise gilt für Neuanlagen ab dem 1. Januar: Erträge werden pauschal mit 25 Prozent Steuer belegt. Die bislang für die Steuerfreiheit maßgebliche Zwölfmonatsfrist entfällt.
Und mit noch einem Vorteil locken die Produktentwickler der DWS. Durch den schrittweisen Einstieg gibt es ganz wie bei einem Sparplan einen Durchschnittskosten-Effekt. Durch die gleichbleibende Rate von vier Prozent, bekommt der Anleger bei einer erneuten Kursschwäche mehr Anteile, bei einer Kursstärke weniger. Das kann sich am Ende auszahlen.
Aufgelegt wird das neue Produkt am 11. August. Der Ausgabeaufschlag ist mit fünf Prozent angegeben.
Ob einige Vertriebe einen Rabatt geben, bleibt abzuwarten. Die jährliche Verwaltungsgebühr ist gestaffelt: Während das Geld hauptsächlich im niedrig verzinsten Geldmarktfonds liegt, sind es 0,8 Prozent, ab Oktober 2009 dann ein Prozent, bevor die Gebühr sich später auf 1,45 Prozent erhöht.
Fazit: An dem Produkt ist unverkennbar, dass es nicht auf Wunsch der Anlage-, sondern der Vertriebsexperten konstruiert wurde. In der Finanzbranche wird derzeit händeringend nach Angeboten gesucht, mit denen die Masse der Kunden aus ihrer Kaufstarre gelöst werden kann und Geschäft bringt.
Deshalb ist das Produkt nicht grundsätzlich schlecht, die Idee durchaus charmant.
Bevor sich Anleger allerdings in ein dermaßen starres Korsett pressen lassen – Aktienanlage in vier Prozent Päckchen bis 2010 – sollten sie sich zwei Dinge vor Augen führen: Erstens muss der gesamte Betrag anders als bei einem klassischen Sparplan auf einmal überwiesen werden. Für den Sparer, der Monat für Monat einen bestimmten Betrag bei Seite legen will, kommt das Produkt also nicht in Frage.
Zweitens besteht angesichts der bereits weit gefallenen Kurse an der Börse die Gefahr, dass die eingezahlte Summe erst dann voll in Aktien investiert ist, wenn die beste Wertentwicklung schon gelaufen ist. Geht es ausgerechnet nach den Anlageexperten der DWS, ist das die größte Gefahr: Sie rufen bereits seit Wochen wieder zum Kauf von Aktien auf.
Quelle: SEI