Spekulationen um den Goldpreis
WÀhrend es am Aktienmarkt immer weiter abwÀrts geht, schwingt sich Gold zu neuen Höhen auf.
Sein Preis ist quasi spiegelbildlich gestiegen, es hat sich binnen drei Tagen um mehr als 50 Dollar verteuert.
Gold dient also nicht mehr nur als Absicherung gegen den schwachen Dollar oder als Inflationsschutz, sondern auch als KrisenwĂ€hrung gegen abstĂŒrzende Aktienkurse.
Sofort treten Goldpropheten auf den Plan, rufen Preise bis zu 1600 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) aus, dabei hat Gold den alten Rekord von gut 1030 Dollar noch nicht einmal erreicht.
Das war Mitte MÀrz, als die AktienmÀrkte ebenfalls in schweren Turbulenzen waren.
Der Goldpreis wird dabei stĂ€rker vom BedĂŒrfnis nach Sicherheit und auch von Spekulationen getrieben als von echter physischer Nachfrage.
Denn die Heiratssaison in Indien hat noch gar nicht begonnen und auch die Schmuckbranche im Westen noch nicht fĂŒrs WeihnachtsgeschĂ€ft geordert - abgesehen davon, dass diese Branche sehr preissensibel ist.
Zwar lÀuft auch die Produktion nicht auf Hochtouren, aber an Gold mangelt es deshalb nicht.
Gerade hat die EuropÀische Zentralbank den Verkauf von 30 Tonnen aus ihren Reserven abgeschlossen.
Das ist zwar nur eine kleine Menge dessen, was sie verkaufen könnte.
Aber auch so kommt ein schönes SĂŒmmchen zusammen, denn Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.
Die Notenbanker haben schlieĂlich ihren eigenen Inflationsschutz, sie können die Zinsen erhöhen. Höhere Zinsen können den Goldpreis aber wieder unter Druck bringen.
Auch wenn zur Zeit negative reale Zinsen wie in den USA noch die Nachfrage nach Gold begĂŒnstigen.
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Quelle: dpa
Zentralbanken - Schwierige Geldpolitik
Lange Jahre hat die Globalisierung die Inflation niedrig gehalten.
Doch seit einigen Monaten ist das Pendel umgeschlagen.
Der scharfe Anstieg der Preise fĂŒr Rohöl und Lebensmittel hat ĂŒberall auf der Welt einen Teuerungsschub ausgelöst.
In Deutschland ist die Inflationsrate im Juni auf 3,3 Prozent gesprungen, den höchsten Stand seit 15 Jahren, im Euro-Raum sogar auf vier Prozent.
In 50 LÀndern, in denen mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung leben, steigen die Preisbarometer inzwischen sogar jÀhrlich schon um zehn Prozent und mehr.
Die Geldentwertung trifft vor allem die Àrmeren Bevölkerungsschichten, mancherorts hat sich das schon in politischen Unruhen entladen.
Die Zentralbanken stehen nun vor der gröĂten Herausforderung seit den siebziger Jahren, als zwei Ălpreisschocks die Inflation anheizten.
Zur Erinnerung: Um die InflationsmentalitÀt zu brechen, sah sich die amerikanische Notenbank Anfang der achtziger Jahre gezwungen, ihren Leitzins auf 20 Prozent anzuheben. Als Folge schrumpfte die Wirtschaft mehrere Quartale.
Die Rosskur wirkte, von da an ging die Inflation zumindest in den IndustrielĂ€ndern zurĂŒck und blieb niedrig. UnterstĂŒtzung erhielt die Geldpolitik allerdings von der Globalisierung. Sie ermöglichte es den Unternehmen, Teile ihrer Produktion in die SchwellenlĂ€nder mit ihren niedrigen Arbeitskosten zu verlagern.
Die Billigimporte aus diesen LĂ€ndern hielten die Inflation hierzulande niedrig, zumal der Wettbewerbsdruck den Lohnanstieg bremste.
Viele SchwellenlĂ€nder, allen voran China, trugen das Ihre dazu bei - und tun dies oft weiterhin: Um ihren Export zu stimulieren und ArbeitsplĂ€tze zu schaffen, halten sie ihren Wechselkurs zum Dollar durch staatliche Eingriffe kĂŒnstlich niedrig. Bewerkstelligt wird dies ĂŒber den Ankauf von Dollar und anderen Devisen.
Aus dieser Geldschöpfung ist, zumindest zum Teil, die LiquiditĂ€t entstanden, die seit Jahren auf den KapitalmĂ€rkten hin und her schwappt und die Preise fĂŒr VermögensgĂŒter - Aktien, Immobilien, Risikokredite - nach oben getrieben hat.
Die Zentralbanken der IndustrielÀnder lieà der Anstieg der Vermögenspreise lange ziemlich kalt.
Sie sehen ihre Verantwortung darin, die Inflation der Verbraucherpreise niedrig zu halten. DafĂŒr aber sorgten Billigimporte und Lohnwettbewerb. Als die Globalisierung zu Beginn des Jahrzehnts sogar einer Deflation der Verbraucherpreise Vorschub zu leisten drohte, senkten die Zentralbanken ihre Leitzinsen.
Auch diese billige LiquiditĂ€t nutzten Anleger fĂŒr Spekulationen an den VermögensmĂ€rkten.
Davon unbeeindruckt blieb der Anstieg der Verbraucherpreise bis ins vergangene Jahr hinein niedrig.
Zum Umschwung trug zweierlei bei: Zum einen sind die Volkswirtschaften in SchwellenlĂ€ndern wie China so stark gewachsen, dass ihre Nachfrage nach Energie und höherwertigen Lebensmitteln inzwischen auch im WeltmaĂstab ins Gewicht fĂ€llt. Weil das Angebot - die Produktion - nicht schnell genug gesteigert werden kann, steigen die Preise.
Hinzu kommt, dass Anleger die verfĂŒgbare LiquiditĂ€t seit einigen Jahren verstĂ€rkt in neuartige Rohstoff-Finanzkontrakte investieren. Das verstĂ€rkt den Preisauftrieb der Rohstoffe und schlĂ€gt nun ĂŒberall auf die Preise durch - an der Tankstelle und im Supermarkt.
Die Geldpolitik ist in eine schwierige Lage geraten. Auf der einen Seite Inflation, auf der anderen Seite deflationĂ€re Impulse: Denn das Platzen der Immobilienblase in den Vereinigten Staaten und vielen anderen LĂ€ndern dĂ€mpft das Wirtschaftswachstum; in die gleiche Richtung wirkt die damit einhergehende Bankenkrise, die sich noch weiter verschĂ€rfen dĂŒrfte.
Und niemand kann derzeit abschÀtzen, wie weit Abschwung und Krise noch Kreise ziehen werden, ob die Weltwirtschaft womöglich in eine AbwÀrtsspirale gerÀt.
Ist es in solch unsicherer Lage verantwortbar, die Inflation zu bekĂ€mpfen und die Wirtschaft ĂŒber höhere Leitzinsen zusĂ€tzlich zu bremsen?
Viele Politiker wiegen sich in der Hoffnung, dass die Inflation mit dem Abflauen der Konjunktur schon abebben werde. Doch die Erfahrung lehrt, dass diese Hoffnung auf Sand gebaut ist. Denn einmal so vehement in Gang gekommen wie jetzt, ist Inflation ein sich selbst verstÀrkender sozialer Prozess, der sich von ökonomischen Faktoren wie zum Beispiel der Auslastung der KapazitÀten abkoppelt.
Und die Erfahrung lehrt auch, dass starke Inflation letztlich die gesamte Wirtschaft zerrĂŒttet.
Die Geldpolitik muss deshalb verhindern, dass es zu einer Preis-Lohn-Spirale wie in den siebziger Jahren kommt. Denn die Kosten der InflationsbekĂ€mpfung sind umso niedriger, je frĂŒher der InflationsmentalitĂ€t begegnet wird.
Die EuropĂ€ische Zentralbank sollte deshalb am Donnerstag ihren Leitzins von vier auf 4,25 Prozent anheben. Viele SchwellenlĂ€nder haben noch mehr Handlungsbedarf: Sie mĂŒssen ihre Leitzinsen krĂ€ftig heraufsetzen. Zudem sollten sie ihre WĂ€hrungen freigeben und aufwerten lassen. Das senkt ihre Importkosten fĂŒr Energie und dĂ€mpft so die Inflation.
Alle Zentralbanken gemeinsam sollten darĂŒber nachdenken, welche Fehler sie gemacht haben - und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.
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Quelle: B.Fehr