Neuregelung des ALG I
Donnerstag Juli 02nd 2009, 4:39 pm
Abgelegt unter: Finanzen und Wirtschaft

ALG I künftig schon nach sechs Versicherungsmonaten?

Für Arbeitnehmer mit überwiegend kurzen Beschäftigungsverhältnissen sollen die Hürden vor dem Anspruch auf Arbeitslosengeld I gesenkt werden.

Das hat das Bundeskabinett beschlossen. Ab 1. August soll die Neuregelung gelten.

Die Neuregelung ist u.a. für Kulturschaffende (z.B. Schauspieler) wichtig. Denn sie sind häufig – etwa für die Dauer einer Fernsehproduktion – immer wieder nur für kurze Zeitabschnitte beschäftigt und zwischenzeitlich arbeitslos. Daher können sie dann die für den Anspruch auf ALG I erforderliche Anwartschaftszeit von zwölf Monaten innerhalb der letzten beiden Jahre nicht erfüllen.

Vor diesem Problem stehen natürlich nicht nur Künstler, sondern alle, die häufig kurzzeitig beschäftigt sind. Dies kann beispielsweise auch für viele Berufseinsteiger zutreffen, die zunächst nur auf kurze Zeit befristete Jobs finden. Auch im Baubereich gibt es solche Jobs überdurchschnittlich häufig.

Sechs Versicherungsmonate sichern drei Monate ALG I

Arbeitnehmer, die häufig nur kurze Beschäftigungsverhältnisse hatten, sollen künftig die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I erhalten, wenn sie innerhalb der letzten beiden Jahre mindestens sechs Monate mit einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nachweisen können.

Wer diese Voraussetzung erfüllt, kann dann drei Monate lang ALG I erhalten. Wer mindestens acht Monate sozialversicherter Arbeit nachweist, erhält maximal vier Monate ALG I. Bei mindestens zehn Versicherungsmonaten gibt es ALG I für fünf Monate.

Wer innerhalb der letzten 24 Monate vor dem Antrag auf Arbeitslosengeld I auf zwölf oder mehr Monate versicherungspflichtiger Beschäftigung kommt, für den gelten die “normalen“ Anwartschaftszeit-Regeln, die mindestens einen Anspruch auf sechs Monate ALG I ermöglichen.

Um von der neuen Sonderregelung profitieren zu können, müssen die Betroffenen zwei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllen:

1. Zum einen kommt es auf die Dauer ihrer Beschäftigungsverhältnisse in den letzten beiden Jahren vor einem Antrag auf Arbeitslosengeld I an. Die Jobs müssen überwiegend auf kurze Zeit (maximal auf sechs Wochen) befristet gewesen sein. Wer beispielsweise in den letzten beiden Jahren in fünf verschiedenen, jeweils auf sechs Wochen befristeten Filmprojekten beschäftigt war, erfüllt diese Voraussetzung. Wer dagegen zwei befristete Jobs hatte, die jeweils drei Monate dauerten, erfüllt die Voraussetzung nicht.

2. Von der Sonderregelung zur Anwartschaft soll nur profitieren, wer zuletzt höchstens ein durchschnittliches Jahreseinkommen erzielt hat. Genauer: Das Einkommen der Betroffenen darf im Jahr vor der Arbeitslosigkeit die Bezugsgröße (nach Paragraf 18 Abs. 1 des SGB IV) nicht überschritten haben. 2009 liegt diese Bezugsgröße bei einem Bruttojahreseinkommen von 30.240 Euro.

Die abschließenden Beratungen des Gesetzentwurfs im Bundestag sind am 3. Juli und im Bundesrat am 10. Juli geplant. Am 1. August sollen die Änderungen in Kraft treten.
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Quelle: R.Winkel





Droht Inflation?
Dienstag Juni 23rd 2009, 3:54 pm
Abgelegt unter: Finanzen und Wirtschaft, Tagesthemen

Ja, sagt Uwe Jean Heuser, die Zentralbanken drucken mehr Geld denn je, und das führt zur Entwertung

Natürlich droht uns eine Inflation. Und es ist leider unwahrscheinlich, dass diese Gefahr abgewendet wird.

Warum “natürlich”?

Weil die Zentralbanken überall auf der Welt das Feuer mit Öl gelöscht haben. Sie haben, und das zu Recht, auf den Kollaps des Bankenwesens reagiert, indem sie mehr Geld in die Märkte gepumpt haben. Anders wäre die Rettung der meisten Institute nicht gelungen oder jedenfalls ungleich teurer geworden, als sie es ohnehin ist.

Bloß war schon ein Grund für die Krise selbst die gigantische Liquidität rund um den Globus. Geldgeber stürzten sich auf neue Anlageformen und schufen die Blasen, die schließlich platzten und die Finanzwelt erschütterten.

“Mehr vom Alten” heißt also das Rezept.

Es war schon zu viel Liquidität auf der Welt, nun pumpen wir das System erneut auf. Derzeit führt das noch nicht zur Geldentwertung. Denn aus jedem Euro von der Zentralbank wird heute weniger Geld als früher, weil die Banken es nicht so emsig wie gewohnt in ihren Kreditkreislauf einspeisen und damit vermehren. Doch das wird sich ändern, vermutlich schneller und abrupter, als die Experten erwarten – so wie in dieser Krise scheinbar alles über Nacht abläuft.

Der Inflationsdruck kann dann schnell dazu führen, dass die Preise einzelner Anlageformen steigen und sich eine neue Finanzblase bildet. Schon steigen die Aktienkurse, weil die Anleger eine Inflation und damit sinkende Anleihepreise erwarten.

Das Rad der Geldentwertung kann auch woanders in Schwung kommen.

Die Preise vieler Rohstoffe nehmen bereits wieder zu, und weil die Förderer von Öl und Gas kaum mehr in neue Anlagen investieren, droht laut der seriösen Internationalen Energieagentur eine wahre Explosion der Preise. Nicht sofort, aber doch in zwei, drei Jahren, wenn die Wirtschaft eventuell wieder an Fahrt aufgenommen hat. Möglich ist auch, dass die Arbeitnehmer künftig deutlich höhere Löhne durchsetzen, im Verteilungskampf mit den Kapitalgebern und auch als Reaktion auf höhere Steuern, wie sie vermutlich viele Staaten werden erheben müssen.

Die Drohung ist also vielfältig. Warum aber wird sie nicht einfach abgewendet, indem die Zentralbanken das ganze Geld zurückholen, wenn es wieder aufwärts geht?

Die Banker sagen zwar, sie wüssten, wie das ginge. Bewiesen haben sie es aber noch nicht. Schließlich haben moderne Zentralbanken noch nie so unorthodox Geld geschaffen wie heute. So kaufen sie etwa Anleihen an – was nichts anderes ist als Gelddrucken, ohne es durch zusätzliche Werte in der Volkswirtschaft aufzuwiegen. Wie und zu welchem Preis man diese Papiere dann wieder veräußert, weiß niemand genau.

Doch selbst wenn das kein Problem wäre: Man stelle sich Zentralbanker vor, die im nächsten, heiß ersehnten Aufschwung die Konjunktur mit Hochzinsen und Geldeinzug abwürgen. Sie würden sich dem Hass von Bürgern, Wirtschaft und Politik aussetzen. Gerade von der Politik, die am Ende doch über ihr Schicksal bestimmt.

Schon raten US-Experten ihrer Regierung, sich eines Teils der neuen Schulden über Inflation zu entledigen.

Glaubt irgendjemand ernsthaft, wir könnten und würden uns dann einfach abkoppeln?
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Quelle: U.J.Heuser