Anleihen der Bundesländer
Dienstag Juni 02nd 2009, 12:19 pm
Abgelegt unter: Kapital, Beteiligung

Beinahe hätten sie es geschafft: Zwei bis drei weitere Jahre mit steigenden Steuereinnahmen, und sie hätten sich fast alle von ihrer Schuldenlast befreien können.

Dann aber kam die Finanzkrise und machte den Bundesländern einen dicken Strich durch die Rechnung. Mit einem Mal begann eine staatseigene Landesbank nach der anderen zu wackeln.

Grund genug für die DZ Bank, die Finanzsituation der einzelnen Bundesländer genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn die Länder stehen auch bei vielen Privatanlegern in der Kreide, die sich Anleihen der Bundesländer ins Depot gelegt haben.

Das Ergebnis des Risikochecks:

Von allen 16 Bundesländern schafft es mit Hessen lediglich ein einzelnes Land, in allen Kriterien unter dem Durchschnitt zu bleiben. Das ist in diesem Fall positiv gemeint. Es bedeutet: Das Land trägt im Vergleich zu anderen deutschen Flächenstaaten ein deutlich geringeres Finanzrisiko.

Das liegt vor allem daran, dass die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) bislang weitaus weniger in den Strudel der Krise geraten ist als andere Landesbanken. Auch die Pro-Kopf-Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in Hessen mit weniger als 15 Prozent niedrig. Geringe Verschuldungsraten weisen zwar auch andere Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg auf. Doch die schlechte Situation ihrer Landesbanken hat die südlichen Bundesländer eine Top-Platzierung gekostet.

Am höchsten sind die Risiken nach Einschätzung der DZ Bank-Experten beim hochverschuldeten Berlin, in Bremen und Sachsen-Anhalt sowie in Schleswig-Holstein, das unter der desolaten Lage der HSH Nordbank leidet. “Von einem immens hohen Landesbankenrisiko” sprechen die DZ Bank-Analysten. Selbst finanzstarke Bundesländer seien im Zweifel nicht in der Lage, eine existenzbedrohende Schieflage einer Landesbank alleine zu bewältigen.

Doch zu große Sorgen sollten sich Privatanleger nicht machen. Denn an der grundsätzlichen Finanzkraft der Bundesländer hat die DZ Bank keinen Zweifel. Die deutschen Bundesländer sind weiterhin sehr sichere Kreditnehmer und die Risiken der Länder sind handhabbar.

Letztlich muss nämlich der Bund für die Schulden der Länder geradestehen.

Trotzdem kann es sich für Anleger lohnen, eher auf Bundeslandanleihen als auf Bundesanleihen zu setzen. Denn obwohl hinter beiden Anleihen der deutsche Staat steht, der weltweit als einer der sichersten Schuldner gilt, werfen Bonds von Bundesländern höhere Renditen ab als Bundesanleihen. Der Grund: Bei Bundesländern sind aus Sicht der Ratingagenturen Zahlungsverzögerungen eher möglich als beim Bund. Sollten sie einmal in Zahlungsschwierigkeiten geraten, wird der Bund zwar einspringen, aber das wird aufgrund des erhöhten Organisationsaufwandes wohl einige Tage dauern.

So muss auch die jüngste Anleihe des Testsiegers Hessen (WKN: A0S LVZ) Investoren einen Renditeaufschlag bieten: Sie bringt bei fünfjähriger Laufzeit derzeit rund 3,2 Prozent Rendite – das sind immerhin 0,4 Prozentpunkte mehr als Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit bieten.
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Quelle: D.Kremer





Finanzbranche will Ihr Geld
Freitag Januar 02nd 2009, 7:20 am
Abgelegt unter: Beteiligung, Fonds

Sparbrief, Schatzbrief, Anleihen. Die Zertifikatebranche ist besonders einfallsreich.

So viel steht fest: Das Jahr 2009 wird für Anlageberater mit hohem Vertriebsdruck vom Chef die Hölle.

Wer inmitten der Finanzkrise als Anleger überhaupt bereit ist, zu Produkten zu greifen, die riskanter als Bundesschatzbriefe oder Festgeld sind, der hat – der Abgeltungsteuer ab 2009 sei Dank – seinen Bedarf noch in 2008 gedeckt. Und das wahrscheinlich auf Jahre.

Allenfalls Finanzexperte und Bundeswerbeschildkröte Günther Schild hat da wohl noch eine Chance, einem Anleger Innovationen wie die Tagesanleihe der Finanzagentur des Bundes schmackhaft zu machen.

Die zahlt zwar nur lachhafte 2,06 Prozent Zinsen.

“Ich komme immer an meine Kröten. Darum bin ich auch ganz entspannt”, erklärt die Schildkröte dreist in der Werbekampagne.

Foto: FTD

Dass sich die Marketingexperten der Finanzagentur diese Spitze nicht verkneifen können, weil derzeit so mancher Anleger in offene Immobilienfonds oder Lehman-Zertifikaten eher unentspannt ist und eben nicht an seine Kröten kommt, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Eins zu null für die neunmalkluge Schildkröte.

In der Marketingschlacht mit der Finanzbranche dürfte das aber erst der Auftakt sein.

In den Ring steigt 2009 nämlich auch – einerseits um Reputation bemüht, andererseits erfahren in der rhetorischen Vertriebsincentivierung – die Zertifikatebranche.

Ein Blick auf die Liste der aktuellen Neuemissionen an Zertifikaten lässt erahnen, wie die Krisenstrategie vieler der zuletzt arg gescholtenen Akteure aussieht.

Kapitalgarantiert müssen die Zertifikate sein, das ist klar. Aber schon der Name muss ausstrahlen, dass es sich nicht etwa um bloße Zahlungsversprechen der ausgebenen Banken handelt, sondern um geradezu granitsichere Geldanlagen, in denen das böse Wort Zertifikat am besten gar nicht erst vorkommt, selbst wenn es Zertifikate sind.

Sonst zucken Berater und Anleger ja gleich ängstlich zusammen.

Ein Emittent bietet also derzeit die Deutschland-Anleihe feil, ein anderer die Europa Protect-Anleihe. Von einer britischen Bank kommt die Ikarus-Anleihe, von einer US-Bank nach dem großen Erfolg des Schatzbriefs nun der Sparbrief, und über allem thront die frisch emittierte Premium Europa Staatsanleihe auf Festzins einer Landesbank.

Premium. Staatsanleihe. Festzins.

Mehr geht eigentlich nicht an verbalem Granit in nur einem Zertifikat – egal, was bei nüchterner Zins- und Provisionsrechnung hinterher an Rendite herauskommt. Eins zu eins, die dreiste Bundesschildkröte Günther kassiert damit den Ausgleich. Dabei ist das Spiel gerade erst angepfiffen worden.
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Quelle: Ch.Kirchnwe