Beinahe hätten sie es geschafft: Zwei bis drei weitere Jahre mit steigenden Steuereinnahmen, und sie hätten sich fast alle von ihrer Schuldenlast befreien können.
Dann aber kam die Finanzkrise und machte den Bundesländern einen dicken Strich durch die Rechnung. Mit einem Mal begann eine staatseigene Landesbank nach der anderen zu wackeln.
Grund genug für die DZ Bank, die Finanzsituation der einzelnen Bundesländer genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn die Länder stehen auch bei vielen Privatanlegern in der Kreide, die sich Anleihen der Bundesländer ins Depot gelegt haben.
Das Ergebnis des Risikochecks:
Von allen 16 Bundesländern schafft es mit Hessen lediglich ein einzelnes Land, in allen Kriterien unter dem Durchschnitt zu bleiben. Das ist in diesem Fall positiv gemeint. Es bedeutet: Das Land trägt im Vergleich zu anderen deutschen Flächenstaaten ein deutlich geringeres Finanzrisiko.
Das liegt vor allem daran, dass die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) bislang weitaus weniger in den Strudel der Krise geraten ist als andere Landesbanken. Auch die Pro-Kopf-Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in Hessen mit weniger als 15 Prozent niedrig. Geringe Verschuldungsraten weisen zwar auch andere Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg auf. Doch die schlechte Situation ihrer Landesbanken hat die südlichen Bundesländer eine Top-Platzierung gekostet.
Am höchsten sind die Risiken nach Einschätzung der DZ Bank-Experten beim hochverschuldeten Berlin, in Bremen und Sachsen-Anhalt sowie in Schleswig-Holstein, das unter der desolaten Lage der HSH Nordbank leidet. “Von einem immens hohen Landesbankenrisiko” sprechen die DZ Bank-Analysten. Selbst finanzstarke Bundesländer seien im Zweifel nicht in der Lage, eine existenzbedrohende Schieflage einer Landesbank alleine zu bewältigen.
Doch zu große Sorgen sollten sich Privatanleger nicht machen. Denn an der grundsätzlichen Finanzkraft der Bundesländer hat die DZ Bank keinen Zweifel. Die deutschen Bundesländer sind weiterhin sehr sichere Kreditnehmer und die Risiken der Länder sind handhabbar.
Letztlich muss nämlich der Bund für die Schulden der Länder geradestehen.
Trotzdem kann es sich für Anleger lohnen, eher auf Bundeslandanleihen als auf Bundesanleihen zu setzen. Denn obwohl hinter beiden Anleihen der deutsche Staat steht, der weltweit als einer der sichersten Schuldner gilt, werfen Bonds von Bundesländern höhere Renditen ab als Bundesanleihen. Der Grund: Bei Bundesländern sind aus Sicht der Ratingagenturen Zahlungsverzögerungen eher möglich als beim Bund. Sollten sie einmal in Zahlungsschwierigkeiten geraten, wird der Bund zwar einspringen, aber das wird aufgrund des erhöhten Organisationsaufwandes wohl einige Tage dauern.
So muss auch die jüngste Anleihe des Testsiegers Hessen (WKN: A0S LVZ) Investoren einen Renditeaufschlag bieten: Sie bringt bei fünfjähriger Laufzeit derzeit rund 3,2 Prozent Rendite – das sind immerhin 0,4 Prozentpunkte mehr als Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit bieten.
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Quelle: D.Kremer


