150.000 Anwälte: Wettbewerb auf dem Rechtsberatungsmarkt
Mehr als 150.000 zugelassene Rechtsanwälte kämpfen in Deutschland um Mandate.
Insgesamt 150.377 Rechtsanwälte waren zum 01.01.2009 in Deutschland zugelassen, das sind 2,36 Prozent mehr als im Vorjahr.
Diese Zahlen hat die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) am 16.06.2009 bekanntgegeben. Die steigende Zahl von Rechtsanwälten führe zu einem wachsenden Wettbewerb auf dem Rechtsberatungsmarkt, erläuterte der Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer Axel C. Filges.
Das erfordere einerseits von Anwälten eine immer bessere Mandantenorientierung, auf der anderen Seite profitierten die Verbraucher von dieser Entwicklung.
München mit den meisten Zulassungen
Laut BRAK verzeichnet die Rechtsanwaltskammer München mit 18.528 erneut die meisten Mitglieder, gefolgt von den Rechtsanwaltskammern Frankfurt (16.903), Hamm (13.254) und Berlin (12.087). Schlusslichter bilden laut BRAK Saarbrücken und Zweibrücken mit knapp 1.500 Kammermitgliedern.
Mehr Anwältinnen und mehr Fachanwälte
Auch die Zahl der Rechtsanwältinnen sei im Vergleich zum Vorjahr um 4,55 Prozent angestiegen. Insgesamt gebe es 46.736 Rechtsanwältinnen im Bundesgebiet, das seien 31,08 Prozent. Und auch der Zuwachs an Fachanwälten sei bemerkenswert, so die BRAK. Nach der Einführung von vier neuen Fachanwaltschaften im Jahr 2006 und einer weiteren Fachanwaltschaft im Jahr 2007 gebe es mittlerweile 19 Fachanwaltschaften.
Im vergangenen Jahr beschloss die Satzungsversammlung den «Fachanwalt für Agrarrecht» als 20. Fachanwaltstitel. Diese neue Regelung tritt am 01.07.2009 in Kraft.
Rangfolge der Fachanwaltschaften
Stärkste Fachanwaltschaft ist laut BRAK weiterhin die für Arbeitsrecht (8.038), gefolgt von der Fachanwaltschaft für Familienrecht (7.749). Von den in den vergangenen fünf Jahren neu eingeführten Fachanwaltschaften erwiesen sich laut BRAK als besonders begehrt die Fachanwaltschaft für Verkehrsrecht (2.104), die Fachanwaltschaft für Bau- und Architektenrecht (1.845) und die Fachanwaltschaft für Miet- und Wohnungseigentumsrecht (1.887).
Bundesweites Rechtsanwaltsregister
Unter der Adresse → rechtsanwaltsregister.org ist im Internet eine Datenbank zu finden, die die Adressen aller der in Deutschland zugelassenen Rechtsanwälte sowie weitere Informationen enthält.Das ganz Deutschland erfassende und online abrufbare Verzeichnis löst die bisher an den insgesamt 116 Landgerichten der Republik in Papierform geführten Anwaltslisten ab.
Wenn ein Bürger etwa in Erfahrung bringen wolle, ob jemand als Rechtsanwalt zugelassen sei oder an welchem Ort ein Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin den Kanzleisitz habe, könne er dies nun bequem von zu Hause aus tun. Das Register informiere über die Kanzleiadresse, sowie Fax- und Telefonnummer und über eine gegebenenfalls verliehene Fachanwaltsbezeichnung.
Anders als die jeweils von den regionalen Rechtsanwaltskammern angebotene Anwaltssuche sei das bundesweite Rechtsanwaltsregister jedoch nicht dazu bestimmt, Rechtsuchenden geeignete Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zu vermitteln.
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Quelle: jurablog
Schmerzensgeld: Wann und wieviel?
Die Frau, die sich in der Zweigstelle eines Burgerbraters mit Kaffee verbrühte, ist mittlerweile eine Berühmtheit.
Fast eine halbe Million Dollar Schmerzensgeld bekam sie von einem US-Gericht zugesprochen.
Ähnlich spektakuläre Urteile aus den USA sind immer wieder in der Zeitung zu lesen. In Deutschland dürfen Geschädigte aber nicht darauf hoffen, durch Entschädigungen reich zu werden.
Hierzulande herrscht ein anderes Rechtsverständnis.
Wer beispielsweise bei einem Unfall ein Schleudertrauma erleidet, bekomme von deutschen Richtern in der Regel rund 500 bis 1000 Euro zugesprochen, sagt Finn Zwißler. Der Rechtsanwalt gibt jährlich eine Sammlung von Schmerzensgeldurteilen heraus, die Juristen als Anhaltspunkt dient.
Sehr hohe Schmerzensgelder von Zehntausenden oder gar Hunderttausenden von Euro erhalten nur Opfer von Erblindung, Lähmungen, Amputationen oder anderen dauerhaften und sehr schmerzhaften Schädigungen.
Nicht nur bei Verkehrsunfällen, Körperverletzungen und Arztpfusch, auch bei Mobbing und Psychoterror gibt es in der Regel einen Anspruch auf Schmerzensgeld für das erlittene körperliche und psychische Leid.
Das deutsche Zivilrecht eröffnet jedem diese Möglichkeit einer zusätzlichen Wiedergutmachung – vorausgesetzt, die Verletzungen resultieren aus einem “nachlässigen, pflichtwidrigen, mindestens fahrlässigen Verhalten” des Schadens-Verursachers.
Geschädigte müssen allerdings beachten, dass die Beweispflicht für das Verschulden des Verursachers und für das Ausmaß ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausschließlich bei ihnen liegt. Zur Sicherheit sollten Geschädigte deshalb so früh und umfassend wie möglich alle Schäden und Verletzungen durch Arztberichte und Fotos dokumentieren.
Kompliziert werden gerichtliche Verhandlungen über Schmerzensgeldzahlungen dadurch, dass das Gesetz keine konkreten Höhen nennt.
Im Laufe der Zeit hat sich in der Praxis dennoch ein einheitliches Raster herausgebildet, an dem sich Betroffene und Juristen grob orientieren können.
Wie hoch ein Schmerzensgeld am Ende genau ausfällt, lässt sich ohne genauen Blick auf die Art der Verletzungen, die Umstände des auslösenden Vorfalls und die Lebensumstände des Betroffenen aber nicht entscheiden. Das liegt daran, dass einzelne Verletzungen selten isoliert auftreten. Oftmals greifen auch psychische und körperliche Folgen ineinander, etwa wenn es bei einem Autounfall zu “Schockschäden” kommt, weil ein Mensch einen Bekannten sterben sieht.
Bei der Einschätzung der subjektiven Leiden spielen auch die Lebensumstände der Betroffenen eine Rolle: Während eine missratene Dauerwelle in der Regel kein Grund für Schmerzensgeld ist, kann dies bei misslungenen Hochzeitsfrisuren wegen der psychischen Folgen anders gesehen werden.
Auch ein eventuelles Mitverschulden des Opfers wirkt sich auf die Höhe des Schmerzensgeldes aus. Wer zum Beispiel eine Schlägerei provoziert, der bekommt am Ende weniger als ein schuldloses Opfer.
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Quelle: tmn