Fondsgebundene Rentenversicherungen - der Traum vom Finanzpolster
Dienstag Mai 05th 2009, 2:42 pm
Abgelegt unter: Versicherung, Altersvorsorge

Die Kurseinbrüche an der Börse, teure Gebühren und hohe Provisionen haben den Traum vom Finanzpolster platzen lassen wie eine Seifenblase.

So ergeht es zurzeit Tausenden Versicherten, die in fondsgebundene Rentenversicherungen investiert haben.

“Viele Leute sind schockiert und in Panik”, weiß Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Bei dieser Altersvorsorge hängt die spätere Rente stark davon ab, wie gut der Aktienfonds gelaufen ist. Doch viele Kunden wussten bei Abschluss gar nicht, dass sie mit ihrem Modell an der Börse spekulieren. Und viel Geld verlieren können.

In den neuen Pflichtmeldungen der Versicherer zur Wertentwicklung sehen es die meisten jetzt erstmals schwarz auf weiß: Ihr Vertrag steckt tief im Minus, so manche Altersvorsorge ist momentan nur noch die Hälfte wert oder noch weniger. Ob Verluste von bis zu 80 Prozent bis zum Rentenbeginn wieder gut gemacht und wenigstens noch ein paar Euro Rente drin sind, steht für viele Sparer in den Sternen. Im schlimmsten Fall ist viel Geld einfach weg.

“Wir stellen häufig fest, dass man nicht verstanden hat, auf welches Produkt man wirklich gesetzt hat”, berichtet auch Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen.

Keiner weiß, ob und wie viel Rente rauskommt

Viele Anleger denken, dass sie mit einer fondsgebundenen Rentenversicherung eine ähnlich sichere Altersvorsorge wie die herkömmliche klassische Rentenversicherung an Land gezogen haben, nur mit besonderen Gewinnchancen an der Börse. So wird das Produkt auch gern verkauft.

Aber weit gefehlt, denn bei der Fondsvariante geht es nicht um sichere Zinsanlagen, sondern um ein Investment in Aktienfonds, in Anleihen oder Immobilien. Den Sparanteil des Beitrags legt ein Fondsmanager an, nicht die Versicherung. Das volle Risiko trägt auch nicht der Anbieter, sondern der Kunde. Bei guter Wertentwicklung darf er sich über ordentliche Renditen freuen, bei schlechter – wie jetzt – müssen herbe Verluste verkraftet werden.

Im Gegensatz zur klassischen Rentenversicherung weiß der Versicherte deshalb auch bis zum Ruhestand nicht, ob und wenn ja, mit wie viel Rente er eigentlich rechnen kann. Für jemanden, der sehr sicherheitsorientiert ist, eignet sich das Produkt nicht. Nur Sparer, die eine Fondsrente mit Garantie gewählt haben, können sich in vielen Fällen wenigstens darauf verlassen, dass ihre Einzahlungen erhalten bleiben.

Was die vielen Versicherten zusätzlich in die Bredouille gebracht hat, sind die immensen Kosten der Fondsrente, die zum Teil doppelt so hoch sind wie herkömmliche Rentenpolicen. Schuld an der Misere ist nicht nur die Börse, sondern auch die hohen Abschlussprovisionen und Verwaltungsgebühren. Das zehre massiv. Von 100 Euro im Monat kommen vielleicht nur 83 Euro im Fonds an, der Rest geht vorher schon drauf.

Beitragsfrei oder Ende mit Schrecken

Wer aus seiner fondsgebundenen Altersvorsorge raus will, sollte sich unbedingt beraten lassen. Eine übereilte Kündigung aus Panik sei nicht ratsam. Dann kann alles Eingezahlte hin sein. Oft sei es besser, den Vertrag erst einmal beitragsfrei zu stellen und erst nach einer Kurserholung zu kündigen. Voraussetzung: Der Vertrag hat die vorgeschriebene beitragsfreie Mindestsumme bereits erreicht.

Kleiner Trost: Wer sich dazu entschließt, weiter zu sparen und Verlorenes aufzuholen, bekomme in diesen Zeiten wenigstens mehr Fondsanteile fürs gleiche Geld.

Vor allem bei jüngeren Policen könne es allerdings sinnvoll sein, schnellstmöglich die Reißleine zu ziehen und sich für ein verlustreiches Ende mit Schrecken zu entscheiden, betonen die Verbraucherschützer. Dann bleibe noch Zeit genug, eine neue, weniger risikoreiche Altersvorsorge aufzubauen.
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Quelle: abendblatt





Wie hoch wird meine Rente?
Freitag März 06th 2009, 7:35 am
Abgelegt unter: Verbraucherschutz, Altersvorsorge

Ob mit Taschenrechner oder im Kopf:

Einen ungefähren Eindruck von seinem künftigen Rentenanspruch kann sich jeder durch eine einfache Rechnung selbst verschaffen.

Drei Faktoren – die sogenannten Entgeltpunkte, der “Zugangsfaktor” und der “Rentenartfaktor” – werden dabei mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert.

Der Rentenwert betrage derzeit 26,56 Euro in West- und 23,34 Euro in Ostdeutschland.

Wie hoch die drei einzelnen Faktoren für die Rechnung sind, können sich Beitragszahler ebenfalls erschließen.

Den stärksten Einfluss auf das Ergebnis haben die “Entgeltpunkte”, die im Laufe des Erwerbslebens gesammelt wurden.

Pro Jahr gibt es einen Punkt – oder etwas mehr oder weniger. Denn der genaue Wert pro Beitragsjahr hängt vom jeweiligen Jahreseinkommen ab. Nur wer in einem Kalenderjahr genau den Bruttodurchschnittsverdienst aller Versicherten erreicht, erhält einen Entgeltpunkt.

2009 sind das laut der Rentenversicherung schätzungsweise 30 879 Euro. Bei einem abweichenden Gehalt sei der Faktor entsprechend höher oder niedriger als der Wert 1,0. Mehr als zwei “Entgeltpunkte” können pro Jahr jedoch nicht gesammelt werden.

Die zweite Einflussgröße ist der “Zugangsfaktor.

Wer mit 65 Jahren in Rente geht, hat einen Zugangsfaktor von 1,0. Bei einem früheren Renteneintritt wird für jedes Jahr ein Wert von 0,036 abgezogen.

Die dritte Größe ist der “Rentenartfaktor”.

Durch ihn werde die Funktion der Rente gewichtet. Eine Altersrente und eine Rente wegen voller Erwerbsminderung, die das Einkommen ersetzen sollen, entsprechen dem Rentenartfaktor 1,0. Bei anderen Renten wie einer Witwenrente sei der Faktor niedriger.

Rentenportal: www.ihre-vorsorge.de

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Quelle: dpa