FinanzBlog24

Anlageverhalten der Generation 50+ ändert sich
Samstag August 04th 2007, 8:36 am
Abgelegt unter: Altersvorsorge

Kapitalmärkte profitieren vom “Älterwerden” der Gesellschaft

2030 wird der Anteil der ÖsterreicherInnen, die älter sind als 50 von derzeit rund 34 Prozent auf rund 43,4 Prozent angewachsen sein. Eine qualitative Studie der RLB NÖ-Wien in Zusammenarbeit mit Sensor Marktforschung zeigte auf: “Die Generation 50+ ist eine heterogene Gruppe, deren gelerntes Anlageverhalten auch im Alter vom Sicherheitsdenken geprägt ist.”

50+ ist nicht 50+

Vier Lebensabschnitte im Alter von über 50 Jahren sind durch spezifische Bedürfnisse gekennzeichnet: die berufliche Reifephase, die Phase rund um den Pensionsantritt, die Zeit der aktiven Pensionisten und zuletzt jene der passiven Pensionisten.

Die qualitative Studie der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien untersuchte in Focusgruppen für diese Lebensphasen die Einstellung zu Geld- und Geldveranlagung, die Erwartung hinsichtlich der finanziellen Absicherung durch Pension und zum Thema Vermögensweitergabe.

Die beruflich noch aktive Generation (”berufliche Reifephase”) befindet sich am Höhepunkt der beruflichen Einkommen. Demgemäß besteht auch der Wunsch “sich etwas zu gönnen”. Neben der Konsumorientierung herrscht jedoch Verunsicherung hinsichtlich der eigenen Versorgungslücke beim Pensionsantritt.
In der Phase des Pensionsantritts steht die finanzielle und soziale Bewältigung des “großen Wechsels” im Mittelpunkt. “Den Lebensstandard auch in der Pension zu halten, ist wichtig”. Im Vergleich zur älteren Generation will man sich mehr leisten und es auch genießen. Während man sich auf angenehmere Freizeitgestaltung freut, fürchtet man den geänderten Tagesablauf, fehlende soziale Kontakte und die Tatsache, dass man mit weniger Geld auskommen muss.

Die Gruppe der aktiven Pensionisten hat in der Jugend auf heute Selbstverständliches verzichten müssen, empfindet eine vorhandene Pensionslücke als Rückschritt. Der Gesundheitsaspekt wird immer wichtiger. Als Bedrohung wird ein möglicher Pflegebedarf empfunden. Man sieht sich selbst als aktiver als die Generationen davor im gleichen Alter. Während die Zeit für Hobbys, Familie und Bequemlichkeit geschätzt wird, fehlen soziale Kontakte, die man im Berufsleben gewohnt war, v.a. Frühpensionisten erleben den Übergang als zu abrupt.
Die Gruppe der passiven Pensionisten nimmt immer weniger aktiv am Finanzleben teil. Im Mittelpunkt stehen Aspekte der Gesundheit, der Pflege und die Bewältigung des Alltags in selbständiger Form - so lange es möglich ist. Geld wird als Sicherheit empfunden, die Veranlagungsformen müssen vereinfacht werden, sollen “selbständig laufen”. Kosten für Freizeitaktivitäten, Reisen, etc. gehen zurück, Kosten für Pflege, Gesundheit, etc. steigen. Erbschaftsangelegenheiten sind weitgehend geregelt, sofern das Thema überhaupt als wichtig empfunden wird.

Für die Gruppe in der Berufsreifephase sind hinsichtlich der Geldveranlagungen Sparbuch, Bausparen und Lebensversicherung an erster Stelle. Es besteht der Wunsch bei der Geldanlage flexibel zu sein, lange Laufzeiten bei Anlagen werden als Nachteil empfunden (max. 10 Jahre).
Hinsichtlich der Vermögensweitergabe wird erwartet, dass in der eigenen Pensionsphase das angesparte Kapital aufgezehrt wird, spätestens durch Pflegebedarf. Aufgrund der guten Versorgung der Kinder sieht man es aber auch nicht als notwendig, viel zu vererben.

In der Generation rund um den Pensionsantritt ist festzustellen, dass die private Vorsorge nur teilweise langfristig aufgebaut worden ist. Praktisch niemand hat unter dem Titel Pflegevorsorge angespart. Daher ist die Sorge davor, durch Gesundheitsprobleme in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen, sehr groß. Die finanzielle Umstellung konzentriert sich auf die Verwendung der Abfertigung, letzte Kredittilgungen und Neustrukturierung des Angesparten. Das Sparbuch steht bei der Veranlagung hoch im Kurs. Lebensversicherung und Wertpapieren misst man aufgrund der langen Laufzeit weniger Bedeutung bei. Als sehr sicher werden Immobilien eingestuft. Bei Aktienprodukten wird die Kapitalgarantie als besonders wichtig bewertet. Beim Thema “Vererben” argumentiert diese Gruppe zurückhaltend, “es wird nur etwas da sein, wenn die Gesundheitskosten nicht explodieren.”

Die aktiven Pensionisten empfinden bei der Geldveranlagung zu lange Bindungen als negativ, da jederzeit unerwartete Ereignisse auftreten können, die kurzfristig Kosten verursachen. Während man das Sparbuch daher als attraktivste Anlageform betrachtet, wird bei Lebensversicherungen die lange Bindung und bei Wertpapieren die Notwendigkeit sich laufend darum zu kümmern als negativ empfunden.
Es ist nicht das Ziel, große Beträge zu vererben, da man den Kindern eine entsprechende Bildung ermöglicht hat. Als Erben werden eher Enkelkinder adressiert.

Eine Analyse der Wertpapierbestände in der Raiffeisen-Bankengruppe NÖ-Wien ergab, dass mit zunehmendem Alter der Anteil an aktienorientierten Produkten in den Kundenportfolios abnimmt. Status quo in der RLB NÖ-Wien, Rehor: “In der Altersgruppe 26 - 45 Jahre machen Aktien(fonds) 51 % des Wertpapiervermögens aus, ab 75 Jahren nur noch 25 Prozent. Es besteht der Wunsch keine Produkte mit langer Kapitalbindung abzuschließen.”

Während die Risken hinsichtlich der Geldveranlagungen bei der Generation 50+ tunlichst vermieden werden, werden finanzielle Lebensrisken “ausgeblendet”.
Nicht vorhandene Pflegeversicherung wird als Versäumnis klassifiziert, wobei es zu spät sei dieses aufzuholen. Völlig übersehen wird das “Langlebigkeitsrisiko”. Dabei geht es um das Risiko mit dem vorhandenen Geld nicht auszukommen, wenn die Lebensdauer deutlich über die statistische Erwartung hinaus gehen wird. Dieses Risiko ist lediglich durch Pensionsversicherungen (Leibrente) abzudecken. Dagegen spricht aus Sicht der Betroffenen jedoch die lange Laufzeit von Versicherungsverträgen und das Risiko, bei sofortigem Ableben das in die Rentenversicherung investierte Geld gänzlich zu verlieren.

Bei der qualitativen Studie von Sensor Marktforschung und RLB NÖ-Wien wurde als monatlicher “Schwellenwert” für einen “sinnvollen Beitrag zum Leben” der Betrag von 300,– Euro als Ziel genannt.

Wie VD Gerhard Rehor bei dem Pressegespräch ausführte, wird in der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien davon ausgegangen, dass die Veranlagungsgewohnheiten die nachwachsenden Pensionistengenerationen sich von jenen der heutigen Pensionisten unterscheiden werden. “Die ‘neuen Pensionisten’ werden anders veranlagen, denn der Umgang mit Geld und damit auch mit Geldanlage ist das Ergebnis von lebenslangem Lernen”, so Rehor.
Dazu kommt, dass die zunehmende Lebenserwartung nicht bedeutet, einfach “am Ende Zeit dazu zu bekommen”. Denn alle Lebensphasen dehnen sich aus. Rehor: “Wir bekommen das Jahr 41a, das Jahr 45a und weitere ‘beste Jahre’ dazu. Daher rechnet die RLB NÖ-Wien auch mit einem Anstieg des Pensionsantrittalters über 65 Jahre. Das bedeutet auch längere Veranlagungshorizonte bei der Pensionsvorsorge, welche nicht zum Pensionsantritt fällig sein muss - sondern erst Jahre und Jahrzehnte danach.”
Rehor: “Im Interesse der Gesamtabsicherung wird dem Wunsch nach nur kurzen Bindungen nicht entsprochen werden können.”

Gelerntes Anlageverhalten (u.a.Risikobereitschaft. Wissen wie man Ertrag erwirtschaftet,etc.) wird mit zunehmendem Alter nicht abgelegt. Insbesondere werden vertraute Veranlagungsinstrumente weiter verwendet werden. Hinzu werden Pflegeversicherung und Rentenversicherung kommen; letztere auch aus der Umwandlung der geförderten Pensionsvorsorge und der Abfertigung neu.
Rehor rechnet daher mit einem starken Ansteigen des Aktienanteils bei der Wertpapierveranlagung von künftigen Pensionisten und dem verstärkten Ansparen von Pensions- und Pflegevorsorge durch heute Aktive “das hat erhebliche Auswirkungen auf die Kapitalmärkte.”

Am Beispiel der geförderten Pensionsvorsorge hat die RLB NÖ-Wien hochgerechnet, dass das von den Pensionsfonds investierte Aktienvolumen bis 2030 von heute 1 Mrd. Euro auf nahezu 30 Mrd. Euro anwachsen wird.
Von den österreichischen Pensionskassen werden dzt. rund 13,0 Mrd. veranlagt, davon gut 25 Prozent in Aktien. Auch hier ist die Tendenz stark steigend. Rehor: “Das heißt, die Aktienmärkte profitieren vom Älterwerden der Gesellschaft.”

“Veranlagungen müssen den Altersbedürfnissen entsprechend angepasst werden, wir haben dazu konkrete Vorschläge!”, formuliert Rehor eine entscheidende Konsequenz für die Generation 50+.

Im Rahmen der Beratungsgespräche bietet Raiffeisen in Wien und Niederösterreich ab sofort Musterportfolios für Menschen über 50 Jahren an. Dabei wird auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lebensphasen Rücksicht genommen. Rehor: “Diese Musterportfolios zeigen erstmals einen erheblichen Anteil an Rentenversorgung (Langlebigkeitsrisiko) sowie eine breite Risikostreuung durch Einbeziehung verschiedener Anlagekategorien (Assetklassen). Der Aktienanteil ist mit dem sinkenden Zeithorizont der Veranlagung zu verringern, in der Gruppe der passiven Pensionisten ist bei den Veranlagungen auf das Bedürfnis nach Einfachheit Rücksicht zu nehmen.”

Quelle: APA

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Riester & Co: Zeitbombe Gehaltsumwandlung
Dienstag Mai 22nd 2007, 10:14 pm
Abgelegt unter: Altersvorsorge

Riester & Co: Zeitbombe Gehaltsumwandlung

Hintergrund: Bei Verträgen mit Zillmerung (hierbei müssen die Vorsorgesparer sämtliche Vertriebs- und Verwaltungskosten mit den ersten umgewandelten Lohnraten bezahlen – und erst danach baut sich die Altersvorsorge langsam auf, weil den Sparern in den ersten Jahren (fast) nichts von den eingezahlten Beträgen übrigbleibt) hat das Landesarbeitsgericht (LAG) München eine weitreichende Entscheidung (Revision zugelassen) gefällt und bringt damit Arbeitgeber arg in die Bedrouille, weil die Auswirkung des Urteils vielen Mittelständlern und deren Arbeitnehmern noch erhebliche finanzielle Probleme bereiten kann.

In der betrieblichen Altersversorgung ist bei Verträgen mit Entgeltumwandlung die Verrechnung der Abschlußkosten in den ersten Jahren der Vertragsdauer unzulässig – so die Kernaussage des Gerichts. Hierdurch werden alle (Riester-)Verträge mit entsprechender Vertragsklausel nichtig, so die bayrischen Richter im Urteil am 15.3.2007 (Az 4 Sa 1152/06) und das dürfte in letzter Konsequenz die meisten Gehaltsumwandlungen ab 2002 in die Rechtsunwirksamkeit führen.

Und das ist auf den ersten Blick fatal für Arbeitgeber, denn diese müssen gegenüber ihren Arbeitnehmern, den Sozialversicherungsträgern und dem Fiskus für den entstandenen Schaden haften – und das selbst dann, wenn sie ihre Arbeitnehmer über die Einzelheiten der Versorgungsvereinbarung aufgeklärt haben.

Hinweis: Sollten ihr Unternehmen / Ihre Arbeitnehmer von gezillmerten Verträgen betroffen sein bleibt als Lösung vermutlich nur die Vertragsumstellung und zwar so, als seien die Verträge von vornherein ungezillmert gewesen: dann sind Sie künftig aus dem Schneider. Jedoch sollte die Vertragsumstellung zur Vermeidung erneuter Haftungsrisiken unbedingt von einem spezialisierten Anwalt geprüft werden.

Mit freundlicher Unterstützung durch

Fruity Concepts e.K.
Christian Obst









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