FinanzBlog24

Brooklyn, Queens - Zahl der Zwangsräumungen sprunghaft angestiegen
Samstag April 05th 2008, 10:54 am
Abgelegt unter: Immobilie

Bislang ist die Immobilienkrise, die die USA ergriffen hat, an Manhattan vorbeigegangen.

Keine Schilder “Haus zu verkaufen”, keine Umzugswagen mit den Habseligkeiten von Familien, die ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können und deren Heim deshalb zwangsversteigert wird.

Und die paar Demonstranten, die vergangenen Woche vor dem Hauptquartier von Bear Stearns standen, um gegen die Stützung der Finanzwirtschaft und für Hilfe für die betroffenen Menschen zu streiten, wurden rasch von der Polizei abgedrängt.

Doch hinter den Kulissen zeichnet sich eine andere Entwicklung ab: Die Zahl der Wohnungsverkäufe in dem New Yorker Stadtteil, in dem auch die Wall Street liegt, ist im ersten Quartal um ein Drittel eingebrochen.

Der Leerstand von angebotenen Wohnungen hat sich zudem deutlich erhöht. Das geht aus Zahlen hervor, die Maklerfirmen in der zurückliegenden Woche veröffentlichten.

Bislang ist das New Yorker Zentrum weitgehend von der Krise verschont geblieben.

Das hat vor allem einen Grund: Wer sich eine Wohnung in Manhattan leisten kann, ist normalerweise kein Subprime-Kunde, dessen wackelige Hypothek mit leicht steigenden Zinsen platzt.

Ohnehin gehören zwei Drittel der in Manhattan verkauften Apartments zu Genossenschaften, die nicht nur bedeutende Sicherheiten von Neumitgliedern verlangen, sondern auch eine Sofortzahlung von bis zu 35 Prozent der Kaufsumme.

Subprime ist eher ein Thema in Stadtteilen wie Brooklyn oder Queens, wo die Wohnungspreise bereits leicht nachgegeben haben. Dort ist auch die Zahl der Zwangsräumungen sprunghaft angestiegen.

Der Wohnungsmarkt Manhattans wird nach wie vor von Käufern aus dem Ausland gestützt: Der schwache Dollar macht es für Reiche aus Europa und Asien derzeit noch attraktiver, sich eine schicke Zweitwohnung mit Blick auf den Central Park zuzulegen.

Die aktuelle Krise ist nicht die erste der Wall Street, und die Auswirkungen der Markteinbrüche in den 80er- und frühen 90er-Jahren sind noch gut in Erinnerung.

Damals gerieten die Preise massiv unter Druck, als Broker und Banken Mitarbeiter entlassen mussten und sie ihre Wohnungen auf den Markt warfen. So schlimm wie damals soll es diesmal aber nicht kommen, geben sich Experten optimistisch: Vor knapp 20 Jahren hat die Krise 100.000 Jobs an der Wall Street wegradiert.

Diesmal sollen nach Einschätzung von Moody’s, nur etwa ein Drittel so viele Stellen wegfallen.

Allerdings ist die Krise noch lange nicht beendet. Einige Makler fürchten, dass es doch deutlich bergab gehen könnte – und begründen die Sorge ausgerechnet mit den zuletzt nochmals deutlich gestiegenen Wohnungspreis in Manhattan.

Zwischen 9 und 13 Prozent – je nach Berechnungsart und befragter Maklerfirma – zog der durchschnittliche Preis für eine Eigentumswohnung im ersten Quartal an.

Dabei lässt sich der jüngste Preisanstieg relativ leicht erklären. Zum einen hatten zuletzt ungewöhnlich viele extrem teure Wohnungen den Besitzer gewechselt – 71 Apartments im Wert von 10 Mio. $ oder mehr allein im ersten Quartal, verglichen mit nur 17 in dieser Klasse im ganzen vergangenen Jahr.

Zum anderen wurden rund 30 Prozent der jetzt wirksamen Verträge für Apartments in New Yorker Neubauten bereits vor Ausbruch der Krise abgeschlossen.

Statt eines Preiseinbruchs also ein weiterer Anstieg, auch der steigende Leerstand vor dem Frühling ist eher normal als ungewöhnlich – die New Yorker Makler machen sich Mut. Doch angesichts der Lage außerhalb Manhattans sind viele skeptisch.

Dass die Käufer extrem nervös sind, berichten andere Makler. “Mehr und mehr Leute springen fünf vor zwölf ab, kurz vor Vertragsunterzeichnung.”


Quelle: K.Makus




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