Ein drohender Exodus von Unternehmen hat die britische Regierung aufgeschreckt.
Einige, darunter der Pharmakonzern Shire Pharmaceutical und die Mediengruppe UBM haben sich bereits aus Steuergründen nach Irland abgesetzt.
Andere drohen mit dem Wegzug.
Schatzkanzler Alistair Darling reagierte, indem er einen hochkarätig besetzten runden Tisch über das britische Körperschaftsteuersystem und insbesondere die Besteuerung im Ausland anfallender Gewinne vorschlug.
Sie ist ein Hauptgrund der Steuerflucht.
In Irland werden Auslandsgewinne nicht besteuert. Shire machte deshalb den Anfang und gründete eine Holding mit Sitz in Irland.
Diese Woche folgte die Mediengruppe United Business Media und begründete den Schritt mit Irlands “weniger kompliziertem Steuersystem”. Das Unternehmen wird fortan ab und zu eine Vorstandssitzung in Dublin halten. Personal muss nicht verlegt werden.
“Britische Firmen sind ernsthaft besorgt über das hohe Steuerniveau und die wachsende Komplexität.
Immer mehr stimmen mit den Füßen ab”, sagte Richard Lambert, Chef des britischen Unternehmerverbandes. Er fordert eine “radikale Überholung” der gesamten Unternehmensbesteuerung. Kernziele sind “Klarheit der strategischen Richtung” und eine Steuerpolitik “ohne Überraschungen”.
Inzwischen hat die Werbegruppe WPP, die im Jahr 200 Millionen Pfund Steuern in Großbritannien bezahlt, eine Überprüfung ihrer Position angekündigt. Sie will im Sommer je nach Verlauf des Steuerforums entscheiden. Der Pharmariese Astra Zeneca schließt einen Wegzug ausdrücklich nicht aus.
Firmen wie International Power, Aegis Group und die Mediengruppe ITV wollen die Verlegung ihres Steuersitzes prüfen.
Großbritannien galt einst als mustergültiger Unternehmensstandort mit niedrigen Steuern und wenig Regulierung.
Labours Steuerpolitik hat dies nach Meinung des Unternehmerverbands CBI unterhöhlt. Im Wettbewerbsindex des Weltwirtschaftsforums sind die Briten von Platz 4 im Jahr 1998 auf Platz 15 im Jahr 2003 zurückgefallen, andere Länder haben durch ihre Reformen Großbritannien hinter sich gelassen.
“Das Vereinigte Königreich hat aufgeblasene Körperschaftsteuern. Mit 28 Prozent liegt es über dem EU-Durchschnitt von 24,5 Prozent und wird von Ländern wie Irland mit 12,5 Prozent abgehängt”, erklärt Steuerexpertin Ruth Dooley von der Unternehmensberatung Grant Thornton.
Schlimmer aber ist laut CBI “die komplexe britische Praxis, Auslandsgewinne zu besteuern, wenn sie ins Vereinigte Königsreich gebracht werden”. Das bedeutet, erklärte UBM, das “Management der Interaktion zwischen dem britischen Steuersystem und den Steuersystemen der vielen Ländern, in denen UBM operiert”.
Hohe Erfüllungskosten und das Risiko zusätzlicher Steuerlasten sind die Folgen.
Der konservative Schatten-Schatzkanzler George Osborne nannte Labours Steuerpolitik als Grund, warum Shell seinen Sitz in die Niederlande verlegte und “neue globale Giganten” wie Google und Experian ihre europäischen Hauptquartiere in Irland ansiedelten. Er verspricht den Unternehmen radikale Reformen und Steuersenkungen.
Auch Premier Gordon Brown akzeptiert, dass etwas geschehen muss. “Ich gebe zu, der Dialog könnte besser sein”, sagte er, als er sich auf der Jahrestagung der Unternehmervereinigung “Institute of Directors” am Mittwoch um eine Verbesserung der angeschlagenen Beziehungen zwischen Labour und der Wirtschaft bemühte.
Er versprach auch weitere Senkungen der Körperschaftsteuer, “sobald dies möglich ist”.
Quelle: M.Thibaut
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