Börsenaufsicht AMF: Die ganze EADS-Spitze hat sich schuldig gemacht
Donnerstag Oktober 04th 2007, 7:04 pm
Abgelegt unter: Aktie

Die Führung des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS hat sich nach Ermittlungen der französischen Börsenaufsicht (AMF) des massiven Insiderhandels schuldig gemacht.

In einem vorläufigen Bericht für die Pariser Staatsanwaltschaft heißt es, Topmanager und Hauptaktionäre hätten sich zwischen November 2005 und März 2006 im Wissen um drohende Lieferverzögerungen beim Airbus-Großraumflugzeug A380 von einem Großteil ihrer Anteile getrennt.

Die Öffentlichkeit wurde aber erst am 13. Juni vergangenen Jahres über die Produktionsschwierigkeiten beim A380 informiert. Am selben Tag brach der EADS-Kurs um 26 Prozent ein.

Die Börsenaufsicht bestätigte einen Bericht der Zeitung „Le Figaro“, wonach die vorläufigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft übergeben worden seien. Dazu sei man per Gesetz verpflichtet, wenn der Verdacht auf Straftaten bestehe, sagte eine Sprecherin. Die Ermittlungen würden noch fortgesetzt, mit einem Abschluss sei Ende des Jahres zu rechnen. Auch die deutsche Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geht dem Verdacht auf Insiderhandel bei EADS nach.

Laut „Figaro“ gehören die damaligen EADS-Chefs Thomas Enders und Noel Forgeard sowie Manfred Bischoff von DaimlerChrysler und Arnaud Lagardere von der Lagardere-Gruppe zu den Hauptbeschuldigten. Auch der damalige französische Wirtschaftsminister Thierry Breton sei über die Probleme beim A380 informiert gewesen.
EADS-Chef Louis Gallois verwies am Mittwoch darauf, dass es sich um vorläufige Ermittlungen handle, und lehnte jede weitere Stellungnahme ab. Auch Airbus wollte sich nicht äußern.

Dem Zeitungsbericht zufolge wurden erstmals schon im Juni 2005 auf einer EADS-Verwaltungsratssitzung Schwierigkeiten in den A380- und A350-Programmen erörtert. Der Großteil der EADS- und Airbus-Manager verkaufte im November des Jahres sowie nach einer weiteren Verwaltungsratssitzung im März 2006 ihre Aktien. Die industriellen Hauptaktionäre DaimlerChrysler und Lagardere gaben im April des Jahres bekannt, sich von jeweils 7,5 Prozent ihrer Anteile zu trennen.

Sollte die Börsenaufsicht AMF den Verdacht des Insiderhandels als erwiesen betrachten, könnte sie Strafmaßnahmen bis zu zwei Jahren Haft und einer Geldbuße von 15 Millionen Euro gegen die Beschuldigten fordern.


AP/Reuters




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