FinanzBlog24


Arnold vom Melchthal: Die Schweizer Sicht der Dinge
Montag August 13th 2007, 8:47 pm
Abgelegt unter: Tagesthemen

Was ist eigentlich im grossen Kanton Deutschland los? Jetzt hat es die Obrigkeit geschafft, mit vielen kleinen Stichen das Volk, die Bauern und die Unternehmen über Jahrzehnte systematisch auszubluten. Und jetzt wo die Steuern so hoch sind und die Schlauen sich dem Druck entziehen, wird in Euren Zeitungen so getan, als wären wieder die Anderen schuld. Auch die Sprüche Eurer erhabenen Räte sind sehr merkwürdig. Sie predigen Wasser und trinken selbst Wein. Oder wie darf man es verstehen, wenn Eure Durchlaucht Gerhard Schröder von Hannover, von Zug aus seiner Geschäfte nachgeht?

Zu meiner Zeit, als ich mit meinem Gefährten Wilhelm über die Gier der Vögte debattierte, galt es schon als ungehörig, wenn ein Steuervogt für solch einen hohen Herrn mehr als den Zehnten deines hart erarbeiten Einkommens kassieren wollte.

Ihr könnt Euch also vorstellen, wie ich böse wurde, als der Steuervogt, einfach so mir nichts dir nichts, den prächtigen Ochsen von meinem Herrn Vater als erhöhte Steuer konfiszieren wollte. Nur weil er mit seinem Haushalt wieder mal Gestürm hatte und ohne Klugheit das Geld verschwendet hatte. Mit der Peitsche habe ich die Eintreiberknechte der Obrigkeit von dannen gejagt.

Das war so im Sommer 1281. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Zugegeben, aufgrund dieses mutigen Vorstosses musste ich mich erstmal für einige Zeit unsichtbar machen. Aber, mit ein paar Getreuen haben wir den Spiess dann umgedreht. Auf einer Wiese haben wir uns feierlich geschworen, niemals mehr klein beizugeben und auf immer zusammenzuhalten.

Das war der Beginn vom Ende der Vögte.

Und weil wir hoch über dem Vierwaldstädter See auf dem Rütli den Eid geschworen haben, nennt man uns die Eidgenossen.

Selbst nach dieser langen Zeit, sind wir beim Thema Steuern immer noch sehr sensibel und rebellisch.

In meinem Heimatkanton gibt es nun wieder einen Vogt und der heisst Wallimann. Aber der ist recht schlau. Er hat das Stimmvolk gefragt, ob er die Steuer auf unter 15% senken soll. Und da haben 86% vom Stimmvolk ja gesagt. Wir haben da sehr ernst drüber nachgedacht. Die Zeiten mit dem 10ten sind lang vorbei. Dafür bauen die Vögte heute fürs Volk Schulen, Krankenhäuser, Theater und mächtig gute Strassen. Also sollten sie auch etwas mehr Budget erhalten.

Aber so einen Selbstbedienungsladen für Politiker, wie in den Ländern der EU, das werden wir niemals zulassen.

So, jetzt muss ich mich wieder um meine Kühe kümmern und für den Export noch ein bizzerli Käse machen. Nächstes Mal erzähl ich Euch von der deutschen Rasiererfabrik Braun, wie sie mit einer klitzekleinen Fabrik hier in der Nachbarschaft, dem deutschen Vogt ein Schnippchen geschlagen haben.

Es grüsst Euch
Euer Arnold vom Melchthal




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