Abgeltungssteuer: Angriff auf ihr Kapitalvermögen

Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge: Verschärfung bei Übertragung von Kapitalvermögen

Häufig wird Kapitalvermögen auf andere Personen übertragen, insbesondere von den Eltern auf die Kinder oder von den Großeltern auf die Enkel. So lassen sich im Familienverbund die Steuerfreibeträge der Kinder prima nutzen. Bankmäßig ist die Übertragung ganz einfach möglich, und der Fiskus erfährt davon meistens nichts – bisher jedenfalls. Doch das ändert sich in krasser Weise ab 2009.

Wird ab 2009 eine Kapitalanlage auf eine andere Person übertragen, wird – das ist neu! – per Gesetz ein entgeltliches Geschäft unterstellt und die Kapitalübertragung wie eine Veräußerung behandelt. Die Bank ist grundsätzlich verpflichtet, die Abgeltungssteuer von 25 % einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Basis für den Steuerabzug ist der Unterschiedsbetrag zwischen Anschaffungskosten und Veräußerungserlös, wobei bei börsennotierten Wertpapieren als Erlös der aktuelle Börsenpreis angesetzt wird, z. B. bei Aktien oder Zerobonds. Bei Kapitalanlagen ohne Börsenpreis wird die Abgeltungssteuer ganz einfach auf der Basis von 30 % der Anschaffungskosten berechnet, sog. Ersatzbemessungsgrundlage (§ 43a Abs. 2 Satz 8 bis 10 EStG-neu).

Das muss man sich mal vorstellen: Sie übertragen ein Sparbuch von 10 000 EUR auf ein Kind. Und dann unterstellt der Fiskus par ordre de mufti einfach einen Veräußerungsgewinn von 3 000 EUR und zieht Ihnen davon eine Steuer von 750 EUR ab!! Starker Tobak!

Sie können den Steuerabzug allerdings verhindern, wenn Sie der Bank mitteilen, dass es sich bei der Kapitalübertragung um eine Schenkung oder Erbschaft handelt. Aber auch dann wird es heiß: Die Bank wiederum ist verpflichtet, Ihre Erklärung an das Finanzamt weiterzuleiten, wo man dann in aller Ruhe prüfen kann, ob auf die Kapitalübertragung Schenkung- oder Erbschaftsteuer fällig wird (§ 43 Abs. 1 Satz 4 bis 6 EStG-neu).

STEUERRAT: Falls Sie die Mitteilung an die Bank versäumen und die Bank die Abgeltungssteuer von 25 % einbehält, so haben Sie die Möglichkeit, dies in Ihrer Steuererklärung zu korrigieren. Sie können also die Erklärung, dass es sich um eine Schenkung oder Erbschaft handelt, mitsamt der Steuerbescheinigung der Bank Ihrer Steuererklärung beifügen. Dann wird die zu Unrecht einbehaltene Abgeltungssteuer von 25 % auf Ihre Steuerschuld angerechnet und ggf. erstattet. Bei Anwendung der Ersatzbemessungsgrundlage können Sie ebenfalls eine Korrektur über die Steuererklärung erreichen – was allerdings mühsam ist. Mehr erfahren Sie im Beitrag Veranlagungswahlrecht zum pauschalen Steuersatz…